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Doppelt gemoppelt: Johanna Sebauers neuer Roman "Popóm"

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Neues von Johanna Sebauer
©APA/APA/BIRTE FILMER/BIRTE FILMER
Was Hendrik Popom passiert, hätte wohl jeden aus der Bahn geworfen. Eines Abends begegnet er beim raschen Abendeinkauf in einem Kiosk - sich selber. Jedenfalls ist er davon überzeugt und wird mit jedem Detail, das er über sein verdutztes Gegenüber in Erfahrung bringt, noch sicherer. Name, Geburtsdatum, Vorlieben und Abneigungen sind dieselben. Nur Alter und Aussehen sind unterschiedlich. Es ist ein echter Coup, mit dem Johanna Sebauer ihren Roman "Popóm" beginnt.

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Sebauer, 1988 in Wien geboren, im Burgenland aufgewachsen und viele Jahre in Hamburg wohnhaft, hat als Autorin schon bisher zu verblüffen gewusst. Ihr Debütroman "Nincshof" handelte 2023 von einem kleinen Dorf an der österreichisch-ungarischen Grenze, das sich am liebsten von der Landkarte gestrichen und aus dem Gedächtnis aller anderen getilgt hätte. Mit ihrer Mediensatire "Das Gurkerl", die mit heutigen Mechanismen künstlich geschürter Aufregung spielte, erlas sie sich 2024 beim Bachmann-Wettbewerb den 3sat-Preis und den Publikumspreis. An Originalität mangelt es der mittlerweile wieder ins Burgenland zurückgekehrten Autorin auch diesmal nicht.

Sebauer dreht Arthur Rimbauds berühmtes Diktum "Ich ist ein anderer" um: Es geht ihr nicht um Selbstentfremdung, um das sich durch Handlungen oder Charakterentwicklungen selbst fremd werden, sondern um das sich in anderer Gestalt selbst Konfrontieren. Dabei ist das andere Ich, dem der in einer Werbeagentur arbeitende Endzwanziger zu begegnen glaubt, für Außenstehende keineswegs als Doppelgänger zu erkennen: Er ist rund doppelt so alt, kleidet sich extravaganter, hat mit PR nichts am Hut, sondern führt einen unscheinbarer kleinen Pfeifenladen, und betont seinen Nachnamen auf der zweiten Silbe: Popóm statt Pópom.

Es geht also ums Innere, ums Spüren und Fühlen. Und davon ist Hendrik so geflasht, dass er bei einem netten Abendessen seine langjährige Freundin Anja grob und verletzend wegschickt, als er seinem anderen Ich zufällig erneut begegnet. Dass Anja ihn kurz darauf gegen einen attraktiven griechischen DJ austauscht, ist höchst nachvollziehbar. Denn Hendrik beschäftigen ganz andere Dinge: Löffelt der andere beim Gulasch auch immer zuerst den Saft aus? Welche Bilder laufen in seinem Kopf ab, wenn er etwas zählen muss? Mag er von den Haushaltsdingen auch am liebsten das Wäschewaschen, aber nur mit geruchsneutralem Waschmittel? Hundertprozentige Übereinstimmung. It's a match!

Doch Johanna Sebauer wartet noch mit einer weiteren Überraschung auf: Denn das war's dann auch schon. Im weiteren Verlauf lässt sie nicht wirklich erkennen, wohin die Reise gehen soll. Der junge Mann, der seinem älteren Ich begegnet, hat zu viele Ängste vor dem, was ihn offenbar in der zweiten Lebenshälfte erwartet, als dass er aus seinen Nachforschungen Schlüsse für sich selbst ziehen würde. Die Geheimnisse seines Alter Ego werden nur teilweise gelüftet, und aus der Nebenhandlung mit Hendriks Agenturkollegen, insbesondere seiner Annäherung an die neue Kollegin Fritzi, entwickelt sich innerhalb des ungewöhnlichen Rahmens eine erstaunlich konventionelle Erzählung.

Am Ende wird alles zum Selbstfindungstrip, der gut ausgeht und auf den Hendrik gelassen zurückblicken kann: "Ich habe akzeptiert, was geschehen ist, und mich arrangiert mit dem, was mir in der Zukunft vielleicht irgendwann geschehen mag oder auch nicht geschehen mag." Das wirkt, mit Verlaub, nach den vorangegangenen Aufregungen etwas fade. Etwas Würze im Abgang hätte dem Ganzen gutgetan. So etwas wie ein Gurkerl etwa.

(Von Wolfgang Huber-Lang/APA)

(S E R V I C E - Johanna Sebauer: "Popóm", DuMont, 224 Seiten, 24,70 Euro, Buchpremiere am 21. Juli, 19.30 Uhr, Wien 9, Porzellangasse 30)

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