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Wie Agnes Husslein eines der ersten Sudelopfer wurde

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Heinz Sichrovsky

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Gedanken auf der Geburtstagsfeier des formidablen Horten-Museums: Spannende Leute wurden von Bobo-Kreisen schon lang vor Lena Schilling exekutiert. Und: Neues von der Causa "Josefstadt".

Zu dieser Art Grenzbereichsvorkommnis zwischen Kunst und Gesellschaft mit Kaltausspeisung eingeladen sein und hingehen: Das tut man nicht. Eingeladen nicht hingehen, ist schon ganz gut. Aber infolge Aussichtslosigkeit gar nicht mehr eingeladen werden: Das ist die Definition für elegant. In die Einladung vom vergangenen Montag, unvergleichbar mit dem sonst Gebotenen, hätte ich mich allerdings hineininterveniert, wenn sie mich nicht von selbst erreicht hätte: Agnes Husslein beging den zweiten Geburtstag des Horten-Museums hinter der Oper. Schauen Sie unbedingt vorbei, hier wird jetzt das Feinste aus der Sammlung gezeigt, weltformatig und fabelhaft gehängt, wie es für die vielleicht kompetenteste amtierende Museumsdirektorin selbstverständlich ist (der bald scheidende Schröder ist auch noch so ein Kaliber).

Da musste ich daran denken, wie Agnes Husslein 2016 aus dem Belvedere befördert wurde, vier Jahre, nachdem sich der federführende grüne Bezirksintrigant am Direktor der Kunsthalle, Gerald Matt, aufgewärmt hatte. Der Politiker Zinggl hat sich mittlerweile über die Liste Pilz in die Pension evakuiert, aber die Folgen sind bis heute spürbar: Das Belvedere mit seiner singulären Sammlung geht zwar wie die Sachertorte, nur jetzt um ein paar Protuberanzen weniger weltleuchtend. Aber die Kunsthalle ist seit Matts Zwangsabgang ein Blechmausoleum mit rasch wechselndem Zombiebelag. Das war sie vorher nicht, und das mag der Fehler gewesen sein. Denn Husslein und Matt sind als unfreiwillige Avantgarde dem heute alles niederwalzenden Aufstand der Drittklassigen, diesfalls im eigenen Haus, zum Opfer gefallen.

Komplize war schon damals das rosarote Zentralorgan, und ohne Lena Schilling im Entferntesten mit den genannten Persönlichkeiten vergleichen zu wollen: Das Verfahren hat sich durchgesetzt und die Kumpanei gehalten, und das wurde nur möglich, weil die Diktatur des Klicks mit darauffolgender Hinrichtung durch den Shitstorm Platz gegriffen hat.

Ich will das nicht schon wieder thematisieren und verweise vielmehr auf den Gastkommentar des großen Peter Huemer in der "Presse". Er und seine Ehefrau Friedrun kommen aus der grünen Gründerzeit mit Ausnahmeformaten wie Günther Nenning, Freda Meissner-Blau und Herbert Fux, denen ich allen freundschaftlich verbunden war. Der Tabubruch des Klick-multiplizierten Privatgesudels aus dem Hinterhalt der Anonymität hat den Paradeintellektuellen Peter Huemer nun zu öffentlichem Abschiednehmen bewogen.

Ich selber will da nur anfügen, dass ich mich keinem, nicht einem sozialen Medium einverleibt habe. Ich folge überdies dem persönlichen Rat Robert Kratkys: "Lies kein Wort, das über dich in einem Forum geschrieben wird." Dem bin ich, wiewohl kaum peripher betroffen, stets mit Gewinn gefolgt. Ich vermeide dabei nicht nur die Ballermänner, die in Pöbelforen ihren Steuerzahler auspacken. Sondern vor allem die Tagediebe aus dem Bobo-Miasma, die mit dem Finger auf der Shitstormtaste auf die Morgenmeldungen warten, statt ihre Kinder zu wecken, zur Arbeit zu fahren oder wenigstens AMS-Schulung in Anspruch zu nehmen. In einem Land mit neun Millionen Einwohnern mein seelisches Wohlbefinden ein paar Hundert solcher Lebensverlorenen auszuliefern, erschiene mir Zeitverschwendung im fahrlässigen Bereich.

Lassen Sie mich also endlich zu Ernsthaftem gelangen: In dieser und der nächsten Woche werden die sogenannten "Hearings" für die "Josefstadt"-Direktion abgewickelt. Fünf an der kaufmännischen Geschäftsführung Interessierte werden gehört. Und weniger als zehn, die 2026 gern Herbert Föttinger nachfolgen wollen, wurden der Anhörung durch die Findungskommission für reif befunden. Ende Juni wird entschieden. Viele hervorragende Leute, die ernsthaft im Gespräch waren – Sven-Eric Bechtolf, Maria Happel, Josef Ernst Köpplinger –, haben sich nicht beworben. Die von Föttinger präferierte Hauslösung scheint fern, obwohl ein einziges, sehr qualifiziertes Ensemblemitglied Ambition zeigt.

Dem aber blüht schon insofern nichts Gutes, als er ohne Relativierungsabsicht männlichen Geschlechts ist. Es wird aber eine Frau, und träfe es etwa Ruth Brauer, so müsste man sich für die Wahl nicht genieren. Ansonsten aber nimmt sich die Bewerberschaft dünn aus, will man nicht das Haus zur ewigen Karlsruhe bringen und etwa auf die dauernominierte Anna Bergmann zurückgreifen.

Bleibt die in St. Pölten ansässige Österreicherin Marie Rötzer mit Erfahrung an besten deutschen Häusern und einem Programm, das sie unter die Jahresbesten der "New York Times" befördert hat.

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