Robert Kratky: Ö3-Wecker-Moderator zwischen Unsympathler und Triumphator

"Mit wem ich mich gut stellen muss, interessiert mich ehrlicherweise einen Dreck"

Wer morgens zwischen 5 und 9 Uhr Hitradio Ö3 einschaltet, der kennt ihn. Den eloquenten Weckermann Robert Kratky. Ein Blick auf seine Karriere, sein Leben und seine Leidenschaften.

von Porträt - Robert Kratky: Ö3-Wecker-Moderator zwischen Unsympathler und Triumphator © Bild: © Philipp Lipiarski / www.goodlifecrew.at

Steckbrief Robert Kratky

  • Name: Robert Kratky
  • Geburtsdatum: 16. Mai 1973
  • Geburtsort: Salzburg
  • Wohnort: Stein an der Donau
  • Sternzeichen: Stier (Aszendent Waage)
  • Beruf: Ö3-Wecker Anchor
  • Beziehungsstatus: Privatsache
  • Kinder: keine
© beigestellt Robert Kratky als Cowboy - ohne Colt, dafür stets mit Mundwerk bewaffnet

Der "Bad Boy" aus Riedenburg

Robert Kratkys Karriere begann mit einer Lüge. Seinen einstigen Chefs des ORF-Landesstudios in Salzburg sagte er mit 16, dass er schon 18 sei. Er bekam den Job, die Chefs einen kreativen Rebellen. Doch der Schwindel flog auf und Kratky raus. Er hatte aber längst mit seinen Talenten überzeugt. Noch am selben Tag wurde er von Ö3 - Österreichs größtem Radiosender mit täglich mehr als 2,6 Millionen Hörern - angeheuert. Die Schule hat er abgebrochen, stattdessen zog der Teenager nach Wien. Rückblickend sagt er 2020 im Interview mit News.at: "Ich weiß, im Nachhinein klingt das ganz gut. Heute frage ich mich schon, was mir damals eingefallen ist. Ich habe mir einfach keine großen Gedanken gemacht."

Die Kindheit von Robert Kratky

Sein Charakter und seine Wertvorstellungen wurden von seiner Familie geprägt. Aufgewachsen ist Robert Kratky in Salzburg. Gemeinsam mit seinen Eltern und seinen zwei Geschwistern Inge und Thomas wohnte er in einer Erdgeschosswohnung im Stadtteil Riedenburg. Eine typisches Siedlungsleben, wie er es beschreibt.

© beigestellt/privat Schon im Jahr 1987 hat Robert Kartky im Redewettbewerb überzeugt

Schicksalsschlag

Ein Schicksalsschlag prägt ihn bis heute. "Mein Vater ist mit 46 Jahren verstorben. Ich komme aus sehr einfachen Verhältnissen. Wir haben immer sehr aufs Geld geschaut", erzählt er. So wisse der Star-Moderator noch ganz genau, wie es war, als seiner Mutter die Befreiung der Rezeptgebühr und der Telefongrundgebühr gestrichen worden war und was alles sich auf einmal nicht mehr ausging.

Familie Kratky

Das Geheimrezept der Familie Kratky: Humor. "Ich kann mich an kaum einen Tag im Leben erinnern, wo bei uns nicht zumindest einmal gelacht worden ist", erzählt der Moderator. Selbst beim Begräbnis seiner Mutter wurde viel gelacht. Weil Geschichten über sie erzählt wurden, die amüsant und schön waren. Auch seine Oma war eine "Lustige". Sie war Garderobenfrau im Festspielhaus in Salzburg. Da braucht man einen guten Humor. Dem Leben etwas Positives abzugewinnen sei ein persönliche Kraft, auf die er sich immer verlassen kann.

Kratky und der Minderwertigkeitskomplex

Diese Haltung half Kratky in schwierigen Zeiten und lässt ihn anerkennend auf seine Entscheidungen zurückblicken. Seinem 16-jährigen Ich habe er aus heutiger Sicht nicht viel zu sagen: "Ich bereue nichts." Privat hätte er sich zwar einiges sparen können, aber beruflich stehe er voll und ganz zu seinen Entscheidungen.

© ORF/Hitradio Ö3 So sah Robert Kratky in jüngeren Jahren aus. Gut gelaunt wie immer

Eine Sache gesteht er sich dennoch ein. Nämlich dass die Matura oder ein abgeschlossenes Studium vieles einfacher gemacht hätte. Doch auch dieses Manko wandelte er für sich ins Positive um: "Mein ständiger Minderwertigkeitskomplex, zu wenig zu wissen - weil ich ja die Schule abgebrochen habe - spornt mich bis heute an." Demnach verbringe er jeden Tag mindestens eine Stunde mit Lesen und habe nie aufgehört sich weiterzubilden.

© ORF/Hans Leitner Robert Kratky: Der Muntermacher der Nation im Ö3-Studio im Jahr 2007

Die wichtigste Erkenntnis ist für Kratky ist aus Fehlern zu lernen. "Ich habe früh gelernt, dass ich aus Dingen, die nicht so gut klappen im Leben, meine Lehren ziehen muss", sagt der Ö3-Moderator, der tatsächlich hart an seiner Karriere gearbeitet hat.

Der Weg zu Ö3: Kratkys Karriere

Denn bis er tatsächlich Moderator im Ö3-Wecker wurde, sollten viele Jahre vergehen. Von anfänglichen Aufgaben - die auch Kaffeeholen beinhalteten -schuftete er sich nach oben. Er war Reporter, Redakteur, Gestalter, eine Zeitlang hat er das Autorenteam geleitet. Danach avancierte er zum Producer. "Ich bin über viele, viele Jahre alle möglichen Wege gegangen. Nach 14 Jahren habe ich mich schon darauf eingestellt, dass aus mir sicher kein Moderator mehr werden wird", sagt Kratky im Interview.

»Wer kennt schon Menschen, die ausschließlich sympathisch sind?«

Dass es anders kam, verdanke er seinem Ehrgeiz, guten Lehrern und Lehrerinnen beim Sender und natürlich einem bisschen Glück. Heute ist er aus dem Ö3-Weckerteam jedenfalls nicht mehr wegzudenken. Von Montag bis Freitag steht Robert Kratky um 3.30 Uhr morgens auf, um Österreich ab 5.00 Uhr im Radio aufzuwecken. 2015 gewann er den Österreichischen Radiopreis als bester Moderator. An Aufhören denkt er - zumindest in den nächsten Jahren - noch nicht.

© Hizradio Ö3/Martin Domkar Robert Kratky mit spezieller Frisur zu Ehren der großen Elisabeth T.Spira im Jahr 2015

Kratky polarisiert

Dass seine Person stets polarisiert, ist ihm bewusst. Für die einen absoluter Publikumsliebling mit gutem Humor, für die anderen ein unsympathischer Zeitgenosse, dem man nicht zuhören kann. "Dazwischen gibt es nichts“, behauptet er selbst. Mit dem Nachsatz: "Aber wer kennt schon Menschen, die ausschließlich sympathisch sind?“

»Ich versuche mein Bestes, aber ich will mich nicht verstellen«

Sein Bestreben sei immer die Authentizität gewesen. "Ich möchte keine Rolle in unserer Gesellschaft spielen, mit etwas, das ich nicht bin." Dass er mit dieser rigorosen Einstellung aneckt oder Menschen auch einen falschen Eindruck von ihm gewonnen haben, sei ihm klar. Sogar Freunde hätten dem Ö3-Urgestein schon mal gesagt, dass sie ihn vor ein paar Jahren nicht hören wollten, weil er fruchtbar gewesen sei, wohingegen es jetzt anders sei. "Meine Aufgabe ist es natürlich nicht, in der Früh jemanden die Laune zu verderben. Darauf wäre ich nicht stolz", zeigt er sich inzwischen geerdet. Aber: Es gebe in diesem Job zu viele Lächler. "Ich mag, wenn Menschen echt sind", sagt er.

»Ich war nie Teil der Bussi-Bussi -Gesellschaft«
© Beigestellt Hahaaaaaaa Schurke! 1997 gab es im Zuge der Vignetteneinführung in Österreich einen neuen Superhelden im Ö3-Wecker. Der Ö3-Vignettenman wurde von Robert Kratky kreiert

Freundeskreis und "High Society"

Und mit genau solchen umgibt er sich auch privat. Vom Bankdirektor bis zum Taxifahrer seien alle Gesellschaftsschichten in seinem Freundeskreis vertreten. Genau diese Menschen erden ihn und würden ihm Halt geben. Auch seine Nachbarn - Kratky lebt in Stein an der Donau (Krems) - behandeln ihn normal. "Ich war nie Teil der sogenannten 'Bussi-Bussi-Gesellschaft', nie Teil der 'High Society', bin nie ausgeflippt", betont er. Sein Leben sei nicht so außergewöhnlich, außer, dass er im Job etwas sehr Öffentliches mache.

© Hitradio Ö3 Die Stimme von Robert Kratky kennt praktisch das ganze Land

Seiner Person und seinem Charakter bleibe er bis heute treu. Netzwerken ist ihm fremd und ein regelrechtes Gräuel. "Ich habe leider bis heute nicht gelernt, wann ich den Mund halten muss. Ich weiß auch nicht, mit wem ich mich gut stellen muss – das interessiert mich ehrlicherweise auch einen Dreck." Funktioniert hat es für den Medienmacher offenbar trotzdem. Er ist ohne Frage der bekannteste Radiomoderator des Landes.

Robert Kratky privat

Und privat? Was außer Moderieren kann Kratky eigentlich noch gut? "Ich bin ein passabler Motorradfahrer, kann recht gut kochen und selbstverständlich bin ich ein ausgezeichneter Liebhaber", sagt er schmunzelnd.

Bei der Frage nach seinem aktuellen Beziehungsstaus wird er ernst. Über sein Privatleben möchte der sonst so redegewandte Moderator nicht sprechen. Zur Vorgeschichte: Seit Sommer 2018 waren Ex-Miss-Kärnten Franziska Sumberaz (26) und Ö3-Stimme Robert Kratky (47) ein Paar. In einer Insta-Story von Juni 2020 bestätigte er das Beziehungs-Aus: "Also, ich bin bereits seit Monaten in keiner Beziehung mehr. Ende der Durchsage. (Die Welt hat andere Sorgen)." Wie es jetzt um sein Liebesleben steht, bleibt ein Geheimnis.

So stellt er sich eine Beziehung vor

Wie er sich grundsätzlich eine Beziehung vorstellt, das gibt er dann doch preis: "Ich halte nicht viel von Beziehungen, die nur nebeneinander stattfinden. Mich interessiert das Miteinander. Weil Fernsehen kann ich auch alleine", sagt er. Er setzt also voll und ganz auf quality time, den Haushalt könne er auch alleine führen. Stattdessen bräuchte er einen Menschen an seiner Seite, mit dem er eine gute Zeit haben kann. Das Leben 24 Stunden miteinander zu verbringen, was für manche die Idealvorstellung einer Beziehung ist, davon hält er nichts. "Ich habe immer sehr unklassische Beziehungen geführt und sehr darauf Wert gelegt, dass ich immer einen Rückzugsort habe."

Er möchte Papa werden

Der selbstständige und freiheitsliebende Junggeselle möchte trotz unkonventionellem Lebensmodell Kinder haben."Ich kann mir schon vorstellen noch eine Familie zu gründen", sagte er 2020 im Gespräch mit News.at. Er wisse, dass die, die es schaffen, die Herausforderungen einer Familie zu meistern, daraus unglaubliches Glück schöpfen. Offenbar auch für den Moderator ein Lebensziel mit Sinn. "Ich wäre fast ein bisschen neidisch, wenn mir das nicht vergönnt sein sollte. Aber bis jetzt hat es sich nicht ergeben, schauen wir, was die Zukunft bringt."

Wie er sich neu erfindet

In der Zwischenzeit arbeitet er konsequent an einem gesünderen Lebensstil, wie Fans auf Instagram mitverfolgen können. Der Anstoß für sein körperbewusstes Leben war der frühe Tod seines Vaters. "Ich hab sehr stark darauf geachtet, das Leben möglichst intensiv zu leben. Weil es könnte ja, wie bei meinem Vater mit 46 vorbei sein. Das war für mich immer eine bedeutsame Zahl."

Gesundheit geht vor

Als er plötzlich 47 geworden ist, hätte es Klick gemacht und er merkte: "Es geht ja weiter!". Genau das wäre also der perfekter Zeitpunkt gewesen, sich ("ein bisschen") neu zu erfinden. Ein positives Vorbild für seine Follower zu sein, ist eine Herausforderung, die er gerne annimmt. Die Liegestütz in aller Herrgottsfrühe gehören jetzt halt dazu: "Ich habe mich entschieden, die Konsequenz, die ich sonst nur im Beruf an den Tag lege, auch endlich für mich selbst und für meine Gesundheit zu nutzen."