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Oskar Haag singt auf "Lost Cause" auch über Klimts "Kuss"

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Oskar Haag mag es weiterhin zirzensisch
©APA, Thomas Rieder
Gerade einmal 17 Jahre alt war Oskar Haag, als er 2023 mit seinem Debüt "Teenage Lullabies" als heimisches Popwunderkind gefeiert wurde. Inzwischen hat ihn auch Coldplay-Frontmann Chris Martin himself gelobt. Nun kommt Haags zweite Platte "Lost Cause" heraus - ein weiterer Beweis für die Fähigkeit des gerade 21 gewordenen Künstlers, aus warmen zarten Sounds und offenherzigen Lyrics wunderschöne Popperlen zu formen. Die "geilste Nummer" darauf sei von Klimt inspiriert.

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"Es war fantastisch. Ich mach das, was ich liebe, und habe das Glück, dass Leute das gut finden. Ich kann mir nix Geileres vorstellen", resümiert Haag, der auch als Schauspieler ("Mit einem Tiger schlafen") aktiv ist, über die vergangenen Jahre. Ein Amadeus-Award als bisher jüngster Gewinner aller Zeiten (mit 17), zahlreiche internationale Auftritte und unlängst erst die Einladung von Pete Doherty, doch vor dem Auftritt der Babyshambles in der Wiener Arena spontan ein paar Nummern zu spielen, sind nur einige Wegmarken seit dem Erscheinen von "Teenage Lullabies". Wie hat er es geschafft, trotz künstlerischen Höhenflugs halbwegs am Boden zu bleiben? "Da machen meine Freunde einen guten Job. Die Hälfte von ihnen hat mich unter 'Popwunderkind' eingespeichert, um mich damit zu verarschen", lacht er.

Doch nach so viel positiver Resonanz in so jungen Jahren sei die Arbeit am Nachfolger, der am 25. September herauskommt und am selben Tag mit einer Release-Show im Radio-Kulturhaus gefeiert wird, nicht ganz leicht gewesen, gibt der Sohn von Naked-Lunch-Mastermind Oliver Welter zu. Sein Vater habe ihn eh schon vorgewarnt, dass das zweite das wohl schwierigste Album überhaupt werden würde. "Es war am Anfang wirklich ein Problem, weil ich das Ganze total verkrampft angegangen bin", erzählt der gebürtige Kärntner, der vor einiger Zeit in die Bundeshauptstadt gezogen ist, im APA-Gespräch. Dann habe er "alles weggeschoben" und "ohne große Hintergedanken" und selbstauferlegten Zwang zum Konzept einfach nur Musik gemacht. Der Rest habe sich dann organisch ergeben. "Im Prozess des Liederschreibens habe ich selbst erkannt, was dieses Album werden wird."

Was ist es also geworden? "Ein bisschen ein Coming of Age-Album", meint Haag. "Ich finde, man merkt schon, dass ich keine 16 mehr war", beschreibt der Sänger und Künstler die Charakteristik der neuen Stücke. Das Wort "reifer" will er selbst nicht für sich beanspruchen, hält es dann aber doch für "eigentlich sehr gut getroffen", wenn man ihm damit kommt: "Gott sei Dank ist seither was passiert."

15 von insgesamt 60 in drei Jahren entstandenen Liedern haben es letztendlich auf die Platte geschafft. Und während das Debüt noch allein im damaligen Kärntner Jugendzimmer entstanden ist, hat sich Haag diesmal mit Lukas Klement einen Co-Produzenten an seine Seite geholt, um den zuvor ausgearbeiteten Songs den letzten Schliff zu geben. "Ich habe gemerkt: Das Songschreiben und Arrangieren ist ein Prozess, den ich für mich allein brauche, aber ich muss mir jemanden holen, um das soundmäßig on point rüberzubringen." So sei es "perfekt", so wolle er auch künftig arbeiten.

Und auch wenn Haag Gitarre und Keys, die für die Klangfarbe des Albums tonangebenden Instrumente, selbst spielt - an ausgewählten Stellen auch die Drums ("Einen Vierteltakt habe ich hingekriegt, den haben wir dann geloopt") -, hat er sich einige Gastmusikerinnen und -musiker eingeladen, etwa Antonia Luksch, Cellistin der Indie-Jazz-Pop-Band Buntspecht, oder Profischlagwerker Xavier Plus.

Wie schon auf der fünf Nummern umfassenden EP "Field of Love" spielt thematisch auch auf "Lost Cause" die Liebe eine große Rolle - so auch im Song "Der Kuss", das für den Künstler so etwas wie das Herzstück des Albums ist. "Das ist die geilste, zumindest die fetteste Nummer, die ich bisher geschrieben habe", kommt er ins Schwärmen: "Ich liebe Lieder, die du auf ein Klavier oder eine Gitarre runterreduzieren kannst und es ist immer noch eine super Nummer - wie 'Yesterday' von den Beatles." Der Song sei "richtig rausgeplätschert aus mir".

Pate für "Der Kuss" - trotz deutschen Titels wie alle anderen Tracks auf Englisch gesungen - stand Gustav Klimt bzw. sein gleichnamiges Gemälde. "Ich habe das Bild immer überbewertet gefunden und nicht verstanden, warum es so weltberühmt ist", gesteht Haag - bis er es sich eines Tages mit Freunden im Belvedere angesehen hat. "In der Sekunde, wo ich davor gestanden bin, ist die Melodie in meinen Kopf gekommen. Das klingt total dahergelogen. Aber ich habe mich dort hingehockt, habe das in mein Handy reingenuschelt und dann gesagt: Ich muss heim, ich muss ein Lied schreiben gehen." Dass man von einem Kunstwerk "so geflasht, so arg inspiriert" wird, komme nicht so oft vor. "Diese Zärtlichkeit in dem Bild löst etwas in mir aus. Das ist auch im Song zu spüren", beschreibt es Haag. Das Video zum Lied, das zeitgleich mit dem Album als Single erscheint, wurde im Belvedere gedreht. In Kooperation mit dem Museum kommt auch eine limitierte Vinyl-Pressung des Songs heraus, für deren Cover Klimts Originalbild verwendet werden durfte.

Der Song war es auch, der seinem Schöpfer "ein bisschen einen Ritterschlag" eingebracht hat. Während des Wien-Aufenthalts von Coldplay, die im August 2024 für vier Happel-Stadion-Konzerte am Stück spielten, lud ein Majorlabel österreichische Acts ein, je einen kurzen Ausschnitt eines Liedes Chris Martin vorzuspielen, der dann seinen Senf dazu geben sollte. "Ich hatte schon 'Der Kuss' geschrieben, aber noch keine Aufnahme davon. Am Ende dieser Hotelbar war ein Klavier, also habe ich ihn gefragt, ob ich das Lied live spielen kann. Nach den 60 Sekunden war Stille, dann meinte er: 'You have to play the whole song'. Das war schon ein ziemlicher Egoboost für mich", erinnert sich der junge Musiker. Denn immerhin habe Martin selbst schon "ein zwei gute Lieder selber geschrieben", merkt er verschmitzt an.

Was hat den jungen Musiker sonst noch bewegt außer die Liebe? Da ist mit "I wish change was real" einmal ein politischer Anstrich am Album. "Das habe ich einen Tag nach der US-Wahl geschrieben, da war ich sehr wütend", bezieht sich Haag auf den Sieg Trumps. In "Parents" beschäftigt er sich mit den Konflikten, die man als Teenager mit den Eltern austragen muss. Das beziehe sich nicht 1:1 auf seine Familie, erklärt der Sänger. Aber bei der Zeile "And you'll grow to be a bigger man than your father was before you" sei freilich schon direkt aus seinem Leben gegriffen. Denn der Vergleich mit dem Musiker-Vater stehe immer im Raum. "Das kann einen schon stressen, weil Naked Lunch schon was Großes ist, wovon ich auch Riesenfan bin und wovor ich irre Respekt davor habe. Aber ich bin eben nicht er."

Gleich zwei Nummern hat der junge Musiker einem seiner früheren Lehrer zu "verdanken". Im Titelstück "Lost Cause" (auf Deutsch: "Hoffnungsloser Fall") habe er verarbeitet, dass besagter Pädagoge ihm zu verstehen gegeben habe, dass nie etwas aus ihm werden würde, erinnert sich Haag. "Der gleiche Lehrer hat auch gesagt: Wenn ich so dumm bin, die Schule abzubrechen, dann würde es ihn nicht wundern, wenn ich drogensüchtig werde." Darüber entstand der Song "Drop out".

Haag hatte die Schule bereits abgebrochen, bevor sein Debüt erschien. Einen Abschluss hat er bis heute nicht. "Ich bereue es überhaupt nicht. Die einzigen Albträume, die ich noch habe, sind die, dass ich wieder in der Schule bin. Da geh ich nicht mehr zurück."

(Das Gespräch führte Thomas Rieder/APA)

(S E R V I C E - Albumpräsentation von "Lost Cause" am 25. September um 20 Uhr im Wiener RadioKulturhaus. www.oskarhaag.com/ )

Sänger und Musiker Oskar Haag am Freitag, 28. August 2026, im rahmen eines Interviews mit der Austria Presse Agentur - APA in Wien.

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