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Der Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 und der Gazakrieg veränderten jedoch alles. Die Künstlerin, die in Israel ein Star ist, kritisiert die israelische Regierung, plädiert für eine Zweistaatenlösung und gerät danach zwischen alle Fronten. In ihrer Heimat schlägt ihr Hass entgegen. Weltweit werden Konzerte abgesagt, weil sie Israeli ist. Ihre Herkunft überlagert ihre Kunst. Der Filmdreh indes ist weitergegangen. Aus der geplanten Langzeitbeobachtung wird ein Zeitdokument: "Noga" erzählt nun von der Spaltung der Kulturszene, vom Überleben und Weitermachen.
"Diese Anfrage kam zu einem Zeitpunkt in mein Leben, an dem ich einfach nur in Ruhe gelassen werden wollte. Ich fühlte mich überrollt. Aber dann haben wir Benji und Jono kennengelernt, und ich hatte auf seltsame Art ein Gefühl, ihnen zu vertrauen", sagt Noga Erez im Interview mit der APA. "Als die Dreharbeiten anfingen, legten wir als Paar gerade eine Pause ein. Genau das haben wir den Regisseuren anfangs aber nicht gesagt", ergänzt ihr Partner Ori Rousso. Zwei Monate später beichteten sie es dem Regieduo.
"Als filmischer Ausgangspunkt fanden wir das sehr interessant; nicht zu wissen, wohin die Reise geht", erzählt Benji Bergmann im Gespräch mit der APA. "Die Grenze zwischen dem Persönlichen und dem Professionellen zu dokumentieren, fühlte sich richtig an." Sein Bruder Jono ergänzt: "Das Leben selbst schreibt ein anderes Drehbuch. Ich denke, wir hatten den richtigen dokumentarischen Instinkt." Das Duo hat in Echtzeit gefilmt, während sich die Welt rundum komplett verändert hat.
Die Doku beleuchtet zwei Künstler in einer Phase, in der politische Realität, privates Glück und künstlerische Reflexion aufeinanderprallen. Das Publikum ist dabei, wenn Erez und Rousso Nachrichten sehen oder Hasskommentare auf Social Media lesen und sie eine Absage nach der anderen bekommen. "Wir haben beobachtet, wie beide bestimmte Phasen ihres Lebens mit Musik verarbeiten. Die Struktur war also die Idee eines dokumentarischen Albums; diese Idee tauchte früh im Prozess auf", erinnert sich Benji Bergmann. Der Film bewege sich, so Jono Bergmann, zwischen "den großen, lauten, wuchtigen und den stillen Momenten, in denen sie stundenlang im Studio nach den richtigen Worten gesucht haben."
Arrangiert ist der Film wie ein Mixtape, wie eine A- und B-Seite, ein Leben vor dem Attentat und dem Alltag dazwischen. Die Bilder von begeistertem Konzertpublikum, von genredurchbrechender Musik, kollektiven Tanzszenen und ersten Versuchen auf der Gitarre sind atmosphärisch dicht geschnitten. Fans dürfen sich auch auf neue Songs von Noga freuen, die auf dem nächsten Album Platz finden sollen.
Der Film entspreche einem fünf Jahre dauernden "Dialog zwischen Noga und Ori. Und hinter ihrem Dialog steht auch der Dialog zwischen Jono und mir als Filmemacher mit dem Projekt", beschreibt es Benji Bergmann. "Ich denke, das ist der Schlüssel zu dem Film: Durch unsere steten Konversationen werden Fragen angestoßen, die nicht unbedingt beantwortet werden müssen."
Der Anspruch an Künstler und Künstlerinnen habe sich verändert. "Wenn wir in diesem stark politisierten Umfeld, in dem wir alle leben, über Dinge wie Freiheit und Meinungsfreiheit sprechen, über das Recht, in Frieden zu leben und all diese grundlegenden Rechte, sind das für mich zunächst keine politischen Themen. Als Gesellschaft haben wir angefangen, das zu vermischen", betont Erez. Von Künstlerinnen und Künstlern werde erwartet, dass sie sich zu diesen wichtigen Fragen äußern und politisch Stellung beziehen. "Ich finde, das gehört voneinander getrennt".
Aktuell tourt Noga wieder, zuletzt spielte sie das erste Konzert einer israelischen Solokünstlerin beim berühmten Coachella Festival in Kalifornien und bewegte mit der Ansage, dass sie "untröstlich und traurig" sei wegen der Dinge, die zu Hause passieren. Ihr Konzert-Ritual: "Ich beende jede Show mit einem kleinen Gebet für den Frieden. Ich bin nicht religiös, aber ich glaube an die Menschen und die Verbindung zwischen uns."
Die Statistik, dass Bands ewig zusammenbleiben, sei nicht die beste, scherzt Rousso. "Wir versuchen, gegen die Statistik zu gewinnen - als Band und als Familie." Denn inmitten der turbulenten Zeit ist Erez schwanger geworden. "Ich habe das Gefühl, dass uns die Trennung zu einem besseren Paar gemacht hat - zu besseren Partnern und besseren Eltern", sagt sie heute. Es sei wichtig gewesen, herauszufinden, dass sie auch allein zurechtkommen würden. "Nur so konnten wir wieder zusammenfinden."
(Von Julia Schafferhofer/APA)
(S E R V I C E - Am 19. August läuft der Film bei "Kino wie noch nie" am Wiener Augartenspitz, am 20. August sind Musik- und Regieduo bei der Vorpremiere im Wiener Stadtkino (18 Uhr) sowie im Metro Kinokulturhaus (20 Uhr) anwesend, und am 21. August tritt Noga Erez beim Frequency-Festival auf. www.filmladen.at/film/noga/ )
WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/Babka Film
