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Lesung am Donnerstag: "Alice" lebt nicht mehr im Wunderland

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Als poetischer Relaunch von "Alice im Wunderland" beworben
©APA/APA/Jung und Jung
"Alice fällt aus der Rolle, Alice fällt eine Entscheidung, Alice fällt einen Baum, Alice fällt und bleibt liegen, Alice fällt in ein Loch und richtet sich darin ein, Alice fällt um, Alice fällt auf ..." So geht es im ersten Kapitel von Marlen Mairhofers Debütroman "Alice" über eineinhalb Seiten dahin. Es heißt "Alice fällt - und auch "Alice wächst", "Alice weint" und "Alice verliert" klingen ganz ähnlich. Die Buchpremiere ist am Donnerstag bei den O-Tönen im Museumsquartier.

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Marlen Mairhofer wurde 1991 in Steyr geboren, studierte Germanistik und lebt in Salzburg. Ihre 2025 als Buch erschienene Dissertation "In Austausch begriffen" beschäftigte sich mit "Ökonomien der Differenz bei Marlen Haushofer, Ingeborg Bachmann und Hélène Cixous". Ihr erster Roman nimmt unverkennbar auf Lewis Carroll Bezug ("Alice sieht ein Kaninchen"), doch ganz der vom Verlag versprochene "poetische Relaunch von 'Alice im Wunderland'" ist er dann doch nicht. Dazu verlässt Mairhofers Alice zu wenig die Bodenhaftung. Es ist weniger ein Zerrspiegel denn eine Lupe, die hier zur Anwendung gebracht wird. Doch auch die fördert Erstaunliches zutage.

Einerseits erweist sich die spielerisch-poetische Erzähltechnik als originell und experimentell, andererseits zeugt die Wahl der Themen und deren Behandlung von großer Kenntnis von und Empathie für die Lebenswelt eines heranwachsenden Mädchens und ihren Problemstellungen. Das Behaupten gegen Erziehungsberechtigte und andere Erwachsene, die sich in das Leben eines Kindes einmischen; die vielfältigen Fragen von Freund- und Feindschaften, Ein- und Zweisamkeit; die Entdeckung des eigenen Körpers, seiner Veränderungen, und der schwierige Versuch, daran etwas Positives zu finden; der Stress im sozialen und schulischen Überlebenskampf. Das alles wird aus vielen Gesichtspunkten beleuchtet. Allein aus der Wendung "Alice will nicht" werden an die 70 Varianten gebildet. Und unzählige weitere ließen sich finden.

Das ist auch ein wenig das Problem von "Alice". Ohne rechte Geschichte bleibt es eine exemplarische Zustandsbeschreibung, die nur in Ansätzen eine Entwicklung nimmt, aus der sich eine Persönlichkeit formt. Mairhofer schüttelt ihr Reagenzglas und bringt Zeitebenen durcheinander, und man ist sich nicht sicher, ob es für das Experiment eher von Vorteil oder von Nachteil ist. Alice landet irgendwann mit einer "Gespielin" im Bett - wie und durch welche Erfahrungen sie dorthin gekommen ist, bleibt ein Geheimnis. Eines, das vielleicht nur mithilfe von Grinsekatze, Hutmacher und Herzkönigin gelöst werden kann.

(Von Wolfgang Huber-Lang/APA)

(S E R V I C E - Marlen Mairhofer: "Alice", Jung und Jung, 128 Seiten, 23 Euro, Lesung bei den O-Tönen im Wiener Museumsquartier am 27. August um 20 Uhr. https://o-toene.at/marlen-mairhofer/ )

SALZBURG - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/Jung und Jung

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