Eine Landschaft vom Nordufer des Attersees kommt in New York zur Auktion. Zuletzt hing das Bild als Leihgabe in Wien. Was Christie’s dafür erwartet, was 1997 bezahlt wurde und wie Klimt das Motiv gemalt haben soll.
Gustav Klimts Gemälde „Litzlbergkeller“ aus den Jahren 1915 und 1916 wird am 17. November bei Christie’s in New York versteigert. Das Auktionshaus schätzt das Bild laut seiner Ankündigung auf 60 bis 80 Millionen Dollar, ohne Gebühren. Es soll den Abendverkauf für Kunst des 20. Jahrhunderts anführen. Laut Berichten über die Ankündigung ist für das Bild eine Garantie vereinbart, es wird also in jedem Fall verkauft.
Schon einmal war das Bild ein Auktionsereignis. Im Mai 1997 wurde es bei Sotheby’s in New York aus dem Nachlass des Kunsthändlers Serge Sabarsky versteigert, wie die Provenienzangaben des Leopold Museums festhalten. Der Preis lag damals laut den Berichten bei 14,7 Millionen Dollar, zu dieser Zeit ein Rekord für ein Werk Klimts bei einer Auktion. Seither war es fast 30 Jahre in derselben Privatsammlung, zuletzt als Dauerleihgabe im Leopold Museum in Wien.
Was das Bild zeigt und wie es entstand
Das quadratische Ölbild, 110,5 mal 110,5 Zentimeter groß, zeigt den Litzlbergkeller, einen Brauereigasthof am Nordufer des Attersees im heutigen Gemeindegebiet von Seewalchen. Klimt kannte den Ort gut. Laut der Klimt-Foundation verbrachte er im Sommer 1900 erstmals Urlaub im Gasthof in Litzlberg, bis 1907 war das sein bevorzugtes Quartier am See. Als er das Bild malte, wohnte er bereits in Weißenbach am Südufer.
Laut Christie’s malte Klimt das Motiv vom gegenüberliegenden Ufer aus, mithilfe eines Fernrohrs und von Ansichtskarten. Andere Darstellungen gehen davon aus, dass er auf einem Boot am See arbeitete. In Auftrag gegeben hatte das Bild der Olmützer Bankier und Industrielle Otto Primavesi. Begonnen im Sommer 1915, vollendete Klimt es im Mai 1916 in seinem Wiener Atelier.
Wem das Gemälde gehörte
Die Provenienz, die das Leopold Museum veröffentlicht, führt von Otto Primavesi und Eugenie Primavesi über die Wiener Sammlung Bernatzik zum Ingenieur Kurt Wieser, der das Bild bis 1959 besaß. Nach einem weiteren Wiener Privatbesitz in den 1960er-Jahren gelangte es zu Serge Sabarsky nach New York. Für einige Jahre lässt die Aufstellung Lücken. Hinweise auf eine Restitutionsforderung zu diesem Werk sind nicht bekannt.
Verwechslungsgefahr besteht mit einem anderen Klimt-Bild vom selben Ort. „Litzlberg am Attersee“ gehörte Amalie Redlich, die 1941 deportiert und ermordet wurde. Das Museum der Moderne Salzburg gab dieses Gemälde 2011 an ihren Enkel und Erben Georges Jorisch zurück. Mit der Auktion bei Christie’s hat diese Geschichte nichts zu tun.
Wie der Preis im Vergleich einzuordnen ist
Der Auktionsrekord für Klimt liegt seit einem Jahr deutlich höher. Im November 2025 erzielte das „Bildnis Elisabeth Lederer“ bei Sotheby’s in New York 236,4 Millionen Dollar. Laut Sotheby’s ist es das teuerste Werk der Moderne, das je versteigert wurde, und weltweit das zweitteuerste Kunstwerk bei einer Auktion. news.at hat damals über den Rekord und die Reaktionen in Wien berichtet.
Selbst am oberen Ende der Schätzung bliebe der „Litzlbergkeller“ damit weit unter diesem Rekord. Ob das Bild nach der Auktion wieder in Wien zu sehen sein wird, hängt von den neuen Eigentümerinnen oder Eigentümern ab. Vor der Versteigerung zeigt Christie’s das Gemälde ab 7. November in New York.
Quellen
Leopold Museum: Online-Sammlung, Gustav Klimt, Litzlbergkeller
Klimt-Foundation: Attersee, Klimt-Database
Sotheby’s: $236.4 Million Klimt Portrait Sets Records as Sotheby’s Inaugurates the Breuer (November 2025)
Museum der Moderne Salzburg: Amalie Redlich Tower
Weitere Quelle: Hürriyet Daily News: Gustav Klimt’s landscape to headline Christie’s 20th Century Evening Sale (28. Oktober 2026)
