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Arnold Rosé: Der erste Geiger von Wien

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Arnold Rosé

©Gemeinfrei

Das grausame Schicksal des gefeierten Violinisten und seiner Familie.

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Ein besonderer Abend fand vor hundert Jahren, am 14. November 1926, in Wien statt. Im Großen Saal des Wiener Musikvereins steht Arnold Rosé am Pult. Auf dem Programm Beethoven, Bach und Tschaikowsky.

Doch der Star des Abends ist nicht Arnold, sondern seine zwanzigjährige Tochter Alma Rosé. Es ist ihr Wiener Konzertdebüt.

Alma und die „Wiener Walzer­mädeln“

Alma hat bei ihrem Vater Geige gelernt. Bei ihren ersten öffentlichen Auftritten steht Arnold neben ihr, manchmal als Dirigent, manchmal selbst mit der Geige. Das Archiv der Wiener Philharmoniker führt den Abend vom 14. November als „Concert Alma Rosé“, dirigiert von Arnold Rosé. Am nächsten Tag berichtet die Neue Freie Presse über das Konzert.

Der Erfolg wird jedoch ihrem Vater zugeschrieben: „Es war ein Triumph für Arnold Rosé.“ Alma löst sich von ihrem Vater, wird eine erfolgreiche Geigerin, und gründet Anfang der Dreißigerjahre ihr eigenes Damenorchester, die „Wiener Walzer­mädeln“, mit dem sie durch Europa tourt.

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Alma Rosé

 © Georg Fayer / OeNB

Auf dem Höhepunkt

Ihr Vater Arnold Rosé steht 1926 auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Er ist 62 Jahre alt und einer der mächtigsten Männer des Wiener Musiklebens. Seit 1881 gehört er dem Orchester der Wiener Hofoper und den Wiener Philharmonikern an, ist seit Jahrzehnten Konzertmeister und leitet das berühmte „Rosé-Quartett“, eines der bedeutendsten Streichquartette Europas.

Geboren wurde er 1863 als Arnold Josef Rosenblum im rumänischen Jassy, dem heutigen Iași. Die Familie übersiedelt nach Wien, der Sohn studiert am Konservatorium, und mit 18 Jahren sitzt er bereits im Opernorchester. Später heiratet er Justine Mahler, die Schwester Gustav Mahlers.

Dramatische Wendung

Zwölf Jahre nach jenem vom Wiener Publikum begeistert beklatschten Konzert im Musikverein nimmt das Leben des gefeierten Arnold Rosé eine dramatische Wendung. Nur eine Woche nach dem „Anschluss“ wird der langjährige Konzertmeister der Philharmoniker außer Dienst gestellt.

Mehr als fünf Jahrzehnte hatte Rosé das Wiener Musik­leben geprägt, war gefeiert, geehrt und bewundert worden. Nun genügt der Wiener Kultur­szene ein einziges Merkmal, um all das auszulöschen – er ist Jude. Auch Alma darf nicht mehr auftreten. Ihr erfolgreiches Damenorchester wird aufgelöst. Was eben noch zur Wiener Kultur gehörte, wird von dem einst begeisterten Publikum ausgespuckt wie der Kern einer Zwetschke.

Flucht und Fehlentscheidung

Arnold Rosé gelingt schließlich gemeinsam mit seiner Tochter die Flucht nach London. Almas Bruder Alfred Rosé konnte sich in die USA retten. Doch eine einzige falsche Entscheidung ändert alles. Alma akzeptiert eine Einladung nach Amsterdam für ein Konzert, kurz danach marschiert die Wehrmacht in Holland ein. Alma versucht, sich zu verstecken, flieht nach Frankreich, wird verhaftet und nach Auschwitz deportiert.

Als Häftling Nummer 50381 verlangt die SS von ihr, ein Orchester zusammenzustellen, das Frauen, Kinder und Männer musikalisch begleitet, oft auf dem Weg zu den Gaskammern. 1926 gefeiert im Wiener Musikverein – 1943 leitet sie das „Frauenorchester von Auschwitz“. Am 4. April 1944 stirbt sie an Unterernährung nach tagelangem Fieber. Arnold Rosé stirbt 1946 im Exil in London.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 44/2026 erschienen.

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