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Der Veröffentlichungstermin des Buches über "50 Jahre Musik, Protest und Subkultur" (so der Untertitel) ist nicht zufällig gewählt: An diesem Tag vor fünf Dekaden endete die Besetzung der ursprünglichen Arena.
Die Vorgeschichte: Ab 1970 gab es im Rahmen der Wiener Festwochen mit der Festwochen-Arena an diversen Plätzen eine alternative Veranstaltungsschiene. 1975 fanden die Programme auf dem ehemaligen Auslandsschlachthof in St. Marx im Bezirk Landstraße statt. 1976 sollten die Gebäude abgerissen werden. Das führte zu Protesten. So genannte Arenauten besetzten in jenem Jahr am 27. Juni das Gelände. Nach vielen Verhandlungen mussten sie aufgeben, der Schlachthof wurde abgerissen.
Das Engagement war dennoch nicht umsonst: Die Stadt stellte den weiter nördlich liegenden Schweineschlachthof zur Verfügung. Im Juli 1977 nahm dort die heutige Arena Wien endgültig ihren Betrieb auf. Manche Aktivisten wollten den neuen Ort nicht annehmen, "weil dieser in ihren Augen ein fauler Kompromiss vonseiten der Bürgerlichen war", wird Musiker Chris 4er Peterka in dem Band zitiert. Oistric lässt zahlreiche Protagonisten zu Wort kommen - heimische und internationale Akteure, Zeitzeugen und Arena-Personal.
Somit entstand eine vielseitige Mischung aus Oral-History - "Die Arena ist sehr vielschichtig, und da kann es zu sämtlichen Themen nicht nur eine Meinung geben" (Philipp Gotschall, Arena-Booking) - und fundiert recherchierten Texten. Man erfährt von Schwierigkeiten und Erfolgen, internen Konflikten und deren Überwindung, von Umbauten und Verbesserungen, von legendären Auftritten (David Bowie und Nirvana seien erwähnt) und internen Strukturen - und auch dem Gegenwind.
Längst ist die Arena vom Publikum anerkannt, wie rund 180.000 Besucherinnen und Besuchern pro Jahr bezeugen. Nicht immer war dort in ihrer langen Geschichte so viel los wie heute. Musiker Harald Rau (Die Böslinge) etwa erinnert sich an die Mitte der 80er: "Oft gab es gerade mal drei oder vier interessante Konzerte im Jahr, meistens war aber überhaupt zugesperrt. Dann war mal was Aufregendes wie beispielsweise Einstürzende Neubauten - das war das Konzert, wo sie die Bühne angezündet haben. Da hätte man schon denken können, jetzt entwickelt sich was in der Arena."
Später gaben sich dann nicht nur Underground-Legenden die Ehre. So absolvierte Robbie Williams sein erstes Konzert im Rahmen der Tournee zu seinem ersten Soloalbum im Bezirk Landstraße. "Es war der Wunsch, ein 'dirty venue' zu spielen, also habe ich klarerweise die Arena gebucht", wird Promoter Alex Nussbaumer zitiert. Das Gastspiel des frisch gebackenen Ex-Take-That-Sängers war übrigens nicht ausverkauft.
"Drüben im Dritten" ist nicht nur eine alles andere als verklärte Liebeserklärung an den Ort, sondern auch eine Dokument über Subkultur im Wandel der Zeit in Wien. Denn die Arena steht für mehr als nur ein Veranstaltungsvenue, wie im Buch deutlicht wird. Oistric hat eine Fülle an Anekdoten und Fakten zu einer spannenden Zeitreise verarbeitet, illustriert mit einer auch Fülle an Bildmaterial. Das Spektrum reicht hier von Plakaten, Flyern bis zu Konzertfotografien.
Das Buch wird am 9. Oktober in der Arena präsentiert (19.30 Uhr, Einlass 18.30 Uhr). Anschließend treten The Kids, Baits und Bad Weed auf. Bis zu Konzertbeginn ist der Eintritt frei.
(Von Wolfgang Hauptmann/APA)
(S E R V I C E - Claus Oistric: "Drüben im Dritten", Glitzer & Grind Verlag, 300 Seiten, 26 Euro )
