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Im Mittelpunkt steht Robert, der sich Cricket nennt. Um dem gewalttätigen Lebensgefährten der Mutter aus dem Weg zu gehen, flüchtet er sich als Kind in den Keller, in dem sein Opa in seinem eigenen Kosmos aus gebrauchten Büchern und alten Schallplatten lebt. Dort lernt er das Zeichnen zu lieben. "Du bist dein eigener Herr", mahnt ihn der Großvater. "Da, in deinen Blöcken, kannst du Schönheit erschaffen, aus dem Nichts. Und Harmonie. Chaos draußen, Ordnung auf dem Papier."
Das tut Cricket. Statt sich vom Kunstbetrieb und der Kunstszene vereinnahmen zu lassen, definiert er sich immer wieder neu und geht konsequent seinen eigenen Weg (der mitunter ein wenig aufgesetzt wirkt - zusammen mit ein paar klischeebehafteten Figuren das Manko in einem sonst schönen Stück Literatur). Eggers findet in der Lebensgeschichte Crickets Platz, um Lesenden Kunst und Künstler sowie die Kraft von Kunst und Kreativität näherzubringen, ohne allzu oberlehrerhaft daherzukommen. Zugleich nimmt der Schriftsteller den Kunstbetrieb und Dogmen zielsicher aufs Korn, durchaus spöttisch und bissig.
Aber "Contrapposto" ist kein "Kunstbuch" per se. Es beginnt als Bildungsroman. Cricket ("der Ästhet", heißt es an einer Stelle) lernt die Liebe seines Lebens kennen, Olympia ("der Kopf"), und Jed ("das Gewissen"), den besten Freund, den er je haben wird. Das Trio will die Welt mitgestalten, innig verbunden, aber jeder auf seine Art - persönliche Triumphe und Niederlagen inklusive. In sieben Abschnitte gegliedert springt die Handlung ebenso oft in der Zeit. Vor allem die Dynamik zwischen dem bodenständigen Cricket (der auch eine Figur im Werk John Irvings sein könnte) und der flatterhaften Olympia, so oft die beiden Charaktere auch gegensätzliche Richtungen getrennt voneinander einschlagen, prägt und hält die Story zusammen.
"Contrapposto" entfaltet sich als Liebesroman der anderen Art, als Roman über das Band der Freundschaft, das trotz Widrigkeiten nicht zerreißt, aber auch als Roadmovie, da es Cricket wiederholt an andere Orte zieht. Eggers, lange als Kurator tätig gewesen, versteckt wiederholt Kunst-Insiderwitze und -Anspielungen. Seine Beschreibungen von Szenerien oder Landschaften sind bildhaft. Die Erzählweise mag als konventionell gelten, passt hier aber und tut dem Ergebnis gut. Und immer, wenn das Gefühl aufkommt, Eggers will ein bisschen zu viel, schlägt die Geschichte in die richtige Kurve ein. Auch das Ende passt.
(Von Wolfgang Hauptmann/APA)
(S E R V I C E - Dave Eggers: "Contrapposto", aus dem Englischen von Andrea O'Brian, Kiepenheuer & Witsch Verlag, 496 Seiten, 25,50 Euro)
