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Dark Romance verändert die Buchwelt

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Dark Romance ist in vielen Buchhandlungen stark vertreten
©APA/APA/dpa/Sebastian Gollnow
Schwarzer Hintergrund. Ein Totenkopf, gekrönt wie ein dunkler Monarch. Daneben rote Rosen, ein Dolch. Dann folgt auf Goodreads, einem der größten digitalen Treffpunkte für Buchliebhaber, ein kurzes Video: Eine Hand mit langen, tiefroten Fingernägeln blättert langsam durch ein Buch. Darunter begeisterte Kommentare - und Warnungen: "Nicht für sensible Leser". Dark Romance ist längst mehr als ein Nischengenre.

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Die düsteren Liebesromane, vor allem von Frauen geschrieben und gelesen, gehören zu den erfolgreichsten Strömungen im Bereich New Adult und verbreiten sich vor allem über soziale Medien. Gleichzeitig haben sie längst ihren festen Platz in den Buchhandlungen gefunden.

Bücher wie "Haunting Adeline" der Autorin H. D. Carlton erreichen über Plattformen wie TikTok und Goodreads ein Riesenpublikum. Gleichzeitig sorgen die Geschichten für kontroverse Diskussionen: Während Fans von intensiven Gefühlen und fiktionalen Grenzgängen sprechen, kritisieren andere die Darstellung von Gewalt, Machtmissbrauch und problematischen Beziehungsbildern.

Dark Romance stellt klassische Vorstellungen von Romantik bewusst auf den Kopf. Die männlichen Hauptfiguren sind oft Stalker, Mafiabosse oder Männer mit gewalttätiger Vergangenheit. Sie erscheinen gefährlich und moralisch fragwürdig - zugleich aber faszinierend, charismatisch oder beschützend. Die Beziehungen sind geprägt von Machtspielen, Grenzüberschreitungen und emotionalen Konflikten.

Kritikerinnen und Kritiker befürchten, dass solche Darstellungen Gewalt in romantischen Beziehungen verharmlosen könnten. Besonders problematisch sei, wenn Kontrolle, Besitzdenken oder Übergriffe als Zeichen besonderer Leidenschaft erscheinen.

Die Medienpsychologin Nicola Döring bewertet die Wirkung solcher Inhalte differenzierter. In einem Interview mit dem Magazin für Schulmanagement "evido" betont sie, dass Leserinnen keine passiven Empfängerinnen seien, die jede Darstellung automatisch als Vorbild übernehmen würden.

Entscheidend sei, wie sie die Geschichten einordnen: "Jugendliche können zwischen fiktiven Medienwelten, die zu Unterhaltungszwecken konstruiert sind, und der Alltagsrealität durchaus unterscheiden. Und zwar umso besser, je mehr Medienbildung sie erhalten haben."

Die Literaturwissenschaftlerin Katja Kauer erklärt im Gespräch mit "radio3", warum Dark Romance trotz seiner oft problematischen Beziehungsmuster ein so großes Publikum erreicht. Für sie bieten die Romane eine Art "Kopfurlaub von der Genderdisziplin des Alltags". Die überzeichneten Figuren - etwa Vampire und Mafiabosse - seien keine realistischen Männerbilder, sondern literarische Fantasiefiguren.

Gerade diese Überzeichnung macht sichtbar, welche Vorstellungen von Macht, Begehren und Beziehungen gesellschaftlich diskutiert werden. Dark Romance kann dadurch problematische Muster spiegeln und Fragen aufwerfen, die im Alltag ausgeblendet werden.

Die Diskussion über umstrittene Liebesliteratur ist nicht neu. Schon im 18. Jahrhundert warnten Pädagogen und Geistliche vor der Lektüre von Liebesromanen für junge Frauen. Die Bücher, so die Sorge damals, könnten zu viel Fantasie wecken und unrealistische Vorstellungen von Liebe erzeugen.

Jahrhunderte später kehrt die Debatte zurück. Die Auslöser heißen heute nicht mehr Briefromane oder Groschenhefte, sondern BookTok-Trends, digitale Lese-Communities und Dark Romance.

Der Erfolg von Dark Romance zeigt auch einen Wandel in der Buchbranche. Plattformen wie TikTok haben verändert, wie Bücher entdeckt, bewertet und weiterempfohlen werden. Nicht mehr nur Verlage, Buchhandlungen und klassische Literaturkritik entscheiden darüber, welche Geschichten Aufmerksamkeit bekommen.

Wer ein Buch veröffentlicht, steht zunehmend im direkten Austausch mit einer digitalen Fangemeinschaft. Das Publikum diskutiert Figuren, Handlungen und moralische Fragen öffentlich - und beeinflusst damit, welche Geschichten erfolgreich sind.

Die New-Adult-Autorin Isabelle Herzog beschreibt diese Machtverschiebung im Interview mit der "Zeit" aus eigener Erfahrung. Ihr Dark-Romance-Roman "Pupetta", eine Stalker-Geschichte, wurde 2024 zum Bestseller, löste aber zugleich heftige Reaktionen in Teilen der Community aus.

Der Grund: Anders als von manchen Leserinnen erwartet, entwickelt sich in der Geschichte keine romantische Beziehung zwischen Täter und Opfer. Ein Erzählmuster, das im Dark-Romance-Genre häufig vorkommt und für einige Fans offenbar zur Genreerwartung gehört. Die Reaktionen in den sozialen Medien gingen weit über Kritik am Buch hinaus. Herzog berichtete von monatelangen persönlichen Angriffen: "Von August bis Oktober 2024 konnte ich mein Handy nicht anmachen, ohne aufs Übelste beschimpft zu werden."

Der Fall zeigt, wie eng die Beziehung zwischen Schreibenden, Publikum und digitalen Gemeinschaften geworden ist. Es diskutiert nicht nur über Geschichten - es formuliert auch Erwartungen daran, wie diese Geschichten erzählt werden sollen. Die zentrale Frage der Dark-Romance-Debatte lautet deshalb nicht nur, welche Geschichten erzählt werden dürfen, sondern auch, wer heute darüber entscheidet, welche Geschichten Gehör finden.

(Von Sabine Glaubitz/dpa)

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