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Alexander Lernet-Holenia: Roman-Neuausgabe zum 50. Todestag

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Neuausgabe zum 50. Todestag
©APA/APA/Das vergessene Buch
Zum 50. Todestag von Alexander Lernet-Holenia (1897-1976) wird heute, Freitag, in den neuen Räumlichkeiten des Österreichischen PEN-Clubs eine Neuausgabe seines 1955, knapp vor der Unterzeichnung des Staatsvertrages, erschienenen Kriminalromans "Der Graf Luna" präsentiert. Ganze 50 Rezensionen seien einst dazu erschienen, heißt es im Nachwort - ein Beleg für die einst große Popularität des heute weitgehend Vergessenen, der 1969 bis 1972 dem österreichischen PEN vorstand.

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Der Germanist Wynfrid Kriegleder zitiert gleich zu Beginn seiner Würdigung Hans Weigels 1948 publiziertes Bonmot, die österreichische Literatur bestehe derzeit nur aus zwei Autoren, nämlich "dem Lernet und dem Holenia". Dies habe sich später radikal gewandelt. Der Autor, der sich selbst "in erster Linie als elitärer Lyriker" verstand und "seine Dramen und Romane als Trivialliteratur, die er nur verfasst habe, um Geld zu verdienen", bezeichnete, wurde in Nachrufen als "literarischer Dandy" und "rückwärtsgewandter Vertreter einer habsburg-nostalgischen Weltsicht" bezeichnet. Kriegleder setzt sich ausführlich mit Leben und Werk des in Wien Geborenen, der nach einer "Kriegsmatura" den Zusammenbruch der Habsburger-Reiches an der Ostfront miterleben und 1939 am deutschen Überfall auf Polen teilnehmen musste, auseinander. In vieler Hinsicht steht Lernet-Holenia für einen kulturell geprägten Österreich-Patriotismus, der unmittelbar nach Kriegsende auch weite Teile der Bevölkerung erfasste.

"Der Graf Luna" eigne sich "hervorragend als Einstieg in die Katakomben eines Erzählkosmos, in dem es viel Unterhaltsames, Fragwürdiges und Ungewöhnliches zu entdecken gibt", schreibt Kriegleder. Protagonist des Romans ist Alexander Jessiersky, ein österreichischer Aristokrat russisch-polnischer Abstammung, der ein Stadtpalais im Ersten Bezirk bewohnt, sich nach dem "Anschluss" unauffällig und angepasst verhält und als Profiteur aus dem Zweiten Weltkrieg hervorgeht.

In Gestalt eines Mannes, an dessen Deportation in das Konzentrationslager Mauthausen er mitschuldig war, holt ihn die Vergangenheit ein. "Der geheimnisvolle Graf Luna verfolgt ihn gleich einem Dämon durch das irrlichternde Wien der Nachkriegszeit, sodass Jessiersky bald zum Äußersten bereit ist, um seinen Seelenfrieden wiederherzustellen", heißt es über das Buch. "Ein abgründiges Katz-und-Mausspiel bahnt sich an, das Jessiersky in atemlosem Tempo über die Bergkämme des Salzkammerguts bis in die Katakomben Roms treibt, wo sich sein Schicksal zuletzt besiegelt."

Die PEN-Präsidentschaft hat Alexander Lernet-Holenia übrigens aus Protest zurückgelegt. Dass Heinrich Böll, damals Präsident des internationalen PEN-Clubs, 1972 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde, passte ihm gar nicht. Böll war seinem österreichischen Kollegen viel zu links.

(S E R V I C E - Alexander Lernet-Holenia: "Der Graf Luna", Nachwort von Wynfrid Kriegleder, Verlag Das vergessene Buch, 288 Seiten, 26 Euro, Vorstellung heute, Freitag, 18 Uhr, im Österreichischen PEN-Club, Wien 7, Apollogasse 21)

WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/Das vergessene Buch

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