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Für die Jubiläumsshow kündigt Gitarristin Miki Liebermann "schon ein bisserl ein Best-of" an. Auch wenn viel Bekanntes aus den inzwischen sieben Alben der Truppe zu hören sein wird, will man dem geneigten Publikum die Songs in speziell angefertigten Arrangements kredenzen. Denn immerhin feiert man mit einigen Freunden und Wegbegleiterinnen auf der Bühne. Die Neo-Wienerlied-Macher Strottern, die in der Anfangszeit so etwas wie Vorbilder waren, werden ebenso kommen wie Austropop-Urgestein Marianne Mendt und die Rapperinnen Yasmo und Fiva. Mit letzterer werden die 5/8erl den kürzlich gemeinsam releasten Song "Wir" erstmals live performen. Support kommt außerdem vom Jazzorchester Vorarlberg, mit dem die Band vor einigen Jahren gemeinsam auf Tour war und 2023 ein Live-Album herausgebracht hat. Vorprogramm und Moderation übernimmt David Scheid. "In der Arena kann man ja etwas dicker auftragen", freut sich Wenger.
Begonnen hat alles 2006 und viel kleiner. Damals fanden die beiden Leadsänger Max Gaier und Robert "Bobby" Slivovsky, Bassist Hanibal Scheutz sowie Wenger und Liebermann zu den 5/8erl in Ehr'n zusammen. "Am Anfang haben wir drei Jahre nur gespielt - in Wirtshäusern und so. Irgendwann haben wir dann gesagt: Wir brauchen ein Album. Dann haben wir in zwei Tagen eins rausgeschossen. Einen Tag aufnehmen, einen Tag mischen", erinnert sich Liebermann an die wilde Anfangszeit. Das Debüt von 2008 trug den Titel "Es muss was Wunderbares sein" und ist inzwischen vergriffen. Zwei Jahre später kam der Nachfolger "Bitteschön" heraus. Darauf findet sich auch "Siasse Tschick", der auf FM4 viel Airplay erhielt und so etwas wie den Durchbruch markiert.
Die Wiener Mundart war von Anfang an fix verankert im Oeuvre des Quintetts. Dazu kam der unverwechselbare Sound, den Wenger als "souligen Groove ohne Schlagzeug, ausgehend von einer komplett akustischen Besetzung" beschreibt. Ursprünglich kam man nur mit Akkordeon, akustischer Gitarre und Kontrabass aus. "Die beiden Sänger haben sich die Seele aus dem Leib geschrien", lacht Wenger. Im Laufe der Jahre sind die Instrumente mehr und elektrischer geworden. Klavier, Synthesizer und Orgel kamen ebenso dazu wie Banjo, Ukulele, E-Gitarre und etwa auf Saiteninstrumenten geklopfte Percussionsounds.
Inspiration holt sich die Truppe aus den unterschiedlichsten Ecken. "Unsere Musik ist total durchlässig für Einflüsse", zählt Wenger etwa Jazz, Swing, Calypso, Bossa Nova oder den "Stevie Wonder Groove" auf. "Wenn wer von uns in Brasilien auf Urlaub war, hört man das auf unseren Platten. Hanibal hat einmal im Tourbus eine Zeit lang die Foo Fighters aufgelegt - da entsteht dann eine Nummer, die zwar nicht nach Foo Fighters klingt, aber doch ein bisserl einen härteren Zugang hat", erklärt der Musiker.
Und wie übersteht man 20 Jahre Bandgeschichte menschlich? Liebermann spricht vom "alten Ehe-Quintett": "Man kennt schon die Macken, die man dann auch liebevoll betrachten kann oder muss", sagt sie. An der Kippe seien die 5/8erl noch nie gestanden. "Aber wir haben schon Phasen gehabt, wo wir wussten: So geht's nicht weiter", erzählt Wenger. Anfang der 2010er-Jahre habe man etwa irrsinnig viele Konzerte gespielt: "Da haben wir gemerkt: Das ist zwar erfolgreich, aber das wird die Band nicht aushalten." Heutzutage gebe es statt Bands immer öfter Projekte mit Leadern. "Die geben das Tempo und die Belastbarkeitsgrenze vor. Wenn da jemand nicht mitkann, wird er oder sie ausgetauscht. Das ist bei uns nicht der Fall. Wir sind eine wirkliche Band. Wir haben zu fünft quasi eine Firma, sind voneinander abhängig. Wenn jemand sagt, ich kann so nimmer, dann muss die Band darauf reagieren. Es geht sehr demokratisch zu - auch mit allen damit verbundenen Schwächen", analysiert Wenger.
Ein Lieblingslied aus dem eigenen Schaffen haben die beiden Achterl nicht. "Aber wenn ich ein Lied retten müsste, dann wäre es 'Frühstück ans Bett', weil es diesen Groove hat, der uns so speziell macht und weil es Liebe und Zuneigung und ein entspanntes Lebensgefühl transportiert." Und Songs, die einem im Rückblick peinlich sind? "Ich möchte jetzt keine Lieder, die sich nicht wehren können, hinterm Rücken ausrichten. Aber es gibt doch das eine oder andere, wo ich leichte 'Eigenfremdscham' entwickelt habe", gesteht Wenger. Kommen derlei Lieder auf aktuellen Setlists vor? "Nein, da gibt's schon ein Vetorecht", lacht der Tastenvirtuose. Liebermann treiben eher visuelle Artefakte aus der Bandhistorie die Schamesröte ins Gesicht: "Die Fotos im Schwimmbad (für das 2017 erschienene Album "Duft der Männer", Anm.) bereue ich sehr."
Auf ein Ziel, wohin man mit der eigenen Kunst will, wollen sich die beiden Mitglieder nicht festlegen. "Wir wollen im besten Sinn zeitgenössisch sein, unsere Welt und Mitmenschen beobachten und in Songs reflektieren", sagt Wenger nach einer Nachdenkpause. "Was wir nicht machen, ist, Leute zu belehren mit dem erhobenen Zeigefinger", ergänzt Liebermann - auch wenn einige Songs sehr wohl einen deutlichen politischen oder gesellschaftskritischen Anstrich haben. "Man muss schon auch demütig sein", mahnt Wenger. "Es ist eh ein Wahnsinn, dass man eine Band 20 Jahre lang durchträgt und davon leben kann. Wenn man sich krampfhaft hohe Ziele setzt, ist man nur frustriert. Ich glaube, dieses Lebensgefühl steckt auch in unserer Musik: Schauen, was passiert, die Welt auf sich einwirken lassen und verarbeiten."
Auf ein achtes Studioalbum müssen Fans jedenfalls noch eine Zeit lang warten. Laut Liebermann hat man sich 2028 als Zieldatum für eine neue Platte gesetzt. Und was die weitere Zukunft anbelangt? Wird es 5/8erl in Ehr'n auch in 20 Jahren noch geben? "Wir haben zumindest nix Gegenteiliges geplant", verspricht Wenger.
(Das Gespräch führte Thomas Rieder/APA)
(S E R V I C E - "20 Jahre Wiener Soul" - Geburtstagskonzert von 5/8erl in Ehr'n, 12. September in der Wiener Arena; Weitere Termine der Jubiläumstour: https://www.5achterl.at/ )
Miki Liebermann und Clemens Wenger, Mitglieder der Band 5/8erl in Ehr'n, am Montag, 13. Juli 2026, im Rahmen eines Interviews mit der APA-Austria Presse Agentur in Wien.
