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Rourke schlägt sich unter den hart arbeitenden irischen Einwanderern in der Stadt Butte durchs Leben, hat Schulden in den Saloons, und an früheren Gedanken, dass ihn die Liebe irgendwann retten würde, zweifelt er längst. "Er wusste nicht einmal von ihrer Existenz, geschweige denn, dass sie bereits aus dem Zug gestiegen war", heißt es im Roman: Polly Gillespie ist angekommen, um ihrer Vergangenheit zu entkommen und in eine bessere Existenz zu heiraten.
Doch der sich beim Gebet selbst geißelnde Ehemann ist dann weit weniger attraktiv als Lebemann Rourke. Nach nächtlichen Schäferstunden entscheiden sich die sich immer inniger Liebenden zur Flucht. In San Francisco wollen sie gemeinsam das Glück finden. Aber wie früh in der Geschichte über Rourke zu lesen ist: "... in seinen Augen glomm düster die lyrische Poesie eines frühen Todes ..." Dem Paar folgte bald ein Trupp ziemlich verrückter Kopfgeldjäger. Blut wird fließen.
Ein wenig durchweht "Das Herz im Winter" der Geist von Cormac McCarthy, ohne dem Verfasser Eigenständigkeit absprechen zu wollen. Es mangelt nicht an schwermütiger Melancholie, bisweilen groteskem Humor, mitunter derber Sprache und expliziter Gewalt. Knappe Sätze wechseln sich mit ausschweifenden Passagen ab. Wie McCarthy verzichtet der 1969 in Limerick geborene Barry auf die Kennzeichnung von gesprochenen Sätzen. Wiederholt wechseln schlüssig Zeit, Perspektiven und vor allem Tempo der Handlung.
Es tauchen jede Menge herrlich skurriler Figuren auf. Selbst das Pferd macht der Autor zu einem eigenen Charakter. Barry versteht es, auf recht wenig Raum dichte Atmosphären zu schaffen. Nicht zuletzt bietet sein "Das Herz im Winter" neben erzählerischer Qualität eine hemmungslose Romanze in großartigen Kulissen.
(Von Wolfgang Hauptmann/APA)
(S E R V I C E - Kevin Berry: "Das Herz im Winter", aus dem Englischen von Thomas Überhoff, Liebeskind Verlag, 216 Seiten, 23,70 Euro)
WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/Liebeskind Verlag
