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"Wenn man Mitte der 90er, als wir angefangen haben, drei Jahrzehnte zurückgeblickt hat, war man in den 60ern. Das war damals so weit weg, so Großelterngeneration. Da wird einem die Dimension erst bewusst", sagt Frontmann Gaissmaier im APA-Interview. Ihren Bühnen-30er feiert das heimische Quartett am 10. September mit einem großen Open-Air-Gig in der Wiener Arena - und kehrt damit zu den Anfängen zurück. Denn genau dort spielten Heinz am 14. Juni 1996 ihr allererstes Konzert als Vorgruppe der deutschen Indierockband Selig.
"Wir haben das damals abgefeiert, als hätten wir drei Mal die Stadthalle ausverkauft", erinnert sich Schlagzeuger Bernd Jungmair. Sein Arbeitsgerät habe er sich damals vom Drummer der Wiener Rock-Combo Alkbottle ausleihen müssen: "Das habe ich immer noch, er wollte es bis heute nicht zurück." Gaissmaier weiß von dem Auftritt selbst nicht mehr viel, "aber danach waren wir mit Selig noch im Chelsea und die haben uns nicht geglaubt, dass das unser allererster Gig war".
Gegründet hatte sich die Band ein Jahr zuvor, 1995. Gaissmaier, Jungmair, Bassist Conny Dix und Gitarrist Lelo Brossmann - nach seinem Ausstieg 2003 übernahm Markus Gartner den Job - waren alle irgendwie mit der Szene verbandelt. Man kannte sich und verbrachte Zeit miteinander: "Wir waren alle in dieser Wiener Musikblase aktiv", erzählt Gaissmaier. Irgendwann kam die Idee auf, gemeinsam Musik zu machen - und zwar mit deutschen Texten zu einer Zeit, als das nicht gerade wahnsinnig cool war. Einen großen Plan gab es nicht, man sei da mehr "hineingestolpert": "Im Chelsea haben wir mal ein paar Bier zu viel getrunken und beschlossen: Wir fahren jetzt zu mir und schreiben die erste Nummer. Das ist recht locker flockig von der Hand gegangen. Und dann ist eins nach dem anderen passiert", resümiert der Sänger lakonisch.
Ein erster kleiner Hit gelang dem Quartett mit "Alles Gute FM4" zum ersten Geburtstag des 1994 gegründeten ORF-Jugendradiosenders, der die Nummer freilich prompt spielte. "Conny und Lelo haben das damals als Fahrradboten verkleidet ins Funkhaus gebracht", lacht Gaissmaier. Man wollte "ein kleines Mysterium" daraus machen, wer hinter dem Song steckt. 1996 kam die Debüt-LP "Welsfischen am Wolgadelta" heraus. Der Titel sei von einer VHS-Kassette seines Stiefvaters inspiriert, erzählt der Sänger. "Die Anforderung war, dass nicht nur der Bandname scheiße sein soll, sondern auch der Titel des ersten Albums", erklärt Schlagzeuger Jungmair: "Also Downgrading, Downgrading, Downgrading!"
Auf dem Erstling ist auch das Stück "Ich hab mit Tocotronic Bier getrunken" zu finden. So etwas wie Vorbilder waren die Helden der Hamburger Schule in puncto Musik oder Deutschsprachigkeit für Heinz "in keinster Weise eine Inspirationsquelle" wie Größen des Austropop. Eher seien Bands wie Weezer der gemeinsame Nenner gewesen, sagt Gaissmaier: "Laut-leise, fette Gitarrenwände, relativ simpel, aber melodiös und doch ausgeflippter als gedacht", fasst er zusammen. "Es war uns auch nicht wichtig, eine Message mitschwingen zu lassen wie so viele andere Bands zu der Zeit." Unterhaltung war auch im Eigeninteresse: "Wir hatten eine Gaudi, das kann sich keiner vorstellen", schwärmt der Drummer.
Schnell hatten die Jungs einen Major-Vertrag in der Tasche und spielten nicht nur außerhalb Wiens - "das war damals schon ein Wahnsinn", so Jungmair -, sondern gleich auch eine Deutschland-Tour. Im legendären Hamburger Pudel Club, eine Art Wohnzimmer von Bands wie Tocotronic, Die Sterne oder Blumfeld, habe man sich "offiziell einen Teil der Bar ertrunken", beschreibt Gaissmaier das "sehr schöne Reinrutschen in den Business-Wahnsinn". Ein Jahr nach dem Debüt folgte das Album "Elektroboot, bitte", dann "Pasadena" (2000), "Karate Karate" (2002) und "Live in Mexico" (2003). Ab Mitte der 2000er-Jahre begann es etwas ruhiger zu werden um die Band, die letzte Platte "Grau in Grau in Stadt" erschien 2017. Im Lauf der Jahre seien eben andere berufliche Tätigkeiten und Familiengründungen dazu gekommen, meint der Frontmann: "Das sollte alles seinen Platz haben. Uns war immer wichtig, dass wir nicht nur von der Musik leben wollen und müssen."
Aufgelöst haben sich Heinz aus Wien nie. Aber neben Veröffentlichungen gab es viele Jahre lang auch kaum Auftritte. Die Freundschaft ist geblieben, aber der Biss zum gemeinsamen Musikmachen fehlte. 2022 kam dann eine Auftrittsanfrage für ein Fridays For Future-Event, dann spielte man im selben Jahr eine kleine Show im Flucc. Seither spielen die Herren jedes Jahr ein Weihnachtskonzert, wobei die Locations immer größer wurden - im Vorjahr stand schließlich die ausverkaufte Arena am Programm. "Das war schon absurd für uns, aber hat uns natürlich gefreut. So ist der Drive wieder gekommen und deshalb gibt's auch die neue Platte", erzählt der Heinz-Sänger.
Warum aber ausgerechnet ein Cover-Album zum Bühnenjubiläum? "Wir hätten schon auch selber schreiben können, aber dann hätte es die Gefahr gegeben, dass wir auch ab und zu streiten", formuliert es Gaissmaier diplomatisch. "Es ist nicht mehr so, wie es vor 30 Jahren war, weil wir erwachsener geworden sind und uns weiterentwickelt haben", ergänzt Jungmair. Also haben sich die vier für einen anderen Zugang entschieden: "Wir hatten die Idee, nach Liedern zu suchen, die - wenn wir sie auf Deutsch covern - so klingen, als wären sie eigentlich von uns. Dieses Album klingt nach Heinz", versichert der Schlagzeuger, der "selbst überrascht" war, "wie großartig es geworden ist".
Die Nummern sind ein wildes Potpourri aus Popsongs, für deren Aufnahme man sich eine Reihe von Gästen eingeladen hat. So singt Manuel Rubey beim Pink-Song "Try" mit, Marco Pogo steuert sein Organ für "Bohemian wie du" (Original: "Bohemian Like You" von den Dandy Warhols) bei, Ex-Bandmitglied Lelo Brossmann supportet beim Lemonheads-Klassiker "It's a shame about Ray" ("Es ist so schade um Ray") und Naked Lunch-Mastermind Oliver Welter ist bei der Coverversion seines eigenen Lieds "Military of the Heart" ("Soldaten des Herzens") an Bord. Es habe auch Vorschläge für Songs gegeben, die man dann wieder verworfen habe - etwa "Roxanne" von The Police. "Es ist sich einfach nicht ausgegangen, dass wir das leiwand hinkriegen", räumt Gaissmaier ein.
Sehr wohl ausgegangen ist sich "Thank you for being a Friend", das man gemeinsam mit den Sportfreunden Stiller zu "Du warst mir immer ein Freund" gemacht hat und danach auch das Album betitelt hat. Freundschaft sei das Grundfeeling des Albums, meinen die beiden Gesprächspartner. Dass man dieses Lied dann auch noch mit einer Band gemeinsam performt, der man seit drei Jahrzehnten amikal verbunden sei, "ist schon eine sehr runde Geschichte".
Mit "Gezeichnet für's Leben" wagen sich Heinz aus Wien auch an eine Austropop-Großtat heran. "Ambros ist der Godfather, die wichtigste Person für die österreichische Popmusik", lässt Gaissmaier keinen Platz für Zweifel. Für die Heinz-Version dieses Lieds "mit so einem deepen Text" (Gaissmaier) haben die Musiker sogar bei Ambros selbst angefragt, ob er nicht mitwirken möchte. Mochte er nicht. Mit dem Nino aus Wien war aber schnell würdiger Ersatz gefunden. Leicht war die Aufgabe aber nicht. "Es ist schon eine große Herausforderung, als österreichische Indie-Rock-Band Austropop zu covern."
Viele Gastsängerinnen und -sänger des Albums werden auch bei der Arena-Show dabei sein, dazu kommen noch "ZiB"-Anchorman und Nebenerwerbsmusiker Tobias Pötzelsberger, Humorist Clemens Haipl und die heimischen Hip-Hop-Pioniere Schönheitsfehler. "Es wird lang werden", prognostiziert Gaissmaier eine Mischung aus Altem und Neuem. Zweieinhalb bis drei Stunden werde der Abend schon dauern. Danach sei "Sauerstoffzelt" angesagt, scherzt Gaissmaier. Aber freilich spüren die Herren, dass sie nicht mehr Mitte 20 oder Anfang 30 sind. "Bei den Konzerten geb' ich Vollgas. Das tut halt dann nicht einen Tag weh, sondern vier." Auch Bassist Conny werde auf seinen früher legendären Handstand verzichten. "Und ich werd' es mir auch zweimal überlegen, ob ich mein Rad schlage", so Jungmair.
Wie es mit Heinz aus Wien weitergeht, steht in den Sternen. Die beiden Viertel der Band lassen die Fans jedenfalls hoffen. "Wir haben jetzt einen Workflow, der es vielleicht leichter macht als in den fast zehn Jahren davor, wo wir nicht wirklich reingekommen sind. Ich will nicht sagen, dass wir nie wieder was machen", drückt es Jungmair aus. Kollege Gaissmaier setzt nach: "Vielleicht kommen auch noch einmal selbst geschriebene Nummern. Who knows."
(Das Gespräch führte Thomas Rieder/APA)
(S E R V I C E - https://heinzauswien.com/ )
Michi Gaissmaier von der Band "Heinz aus Wien" am Montag, 03. August 2026, im Rahmen eines Interviews mit Heinz aus Wien anl. des 30-jährigen Bandjubiläums.
