Sylvester Stallone und 50 Jahre Rocky: Hollywood wollte das Drehbuch, nicht ihn
Vor 50 Jahren kam „Rocky“ ins Kino, jetzt läuft der Boxerfilm wieder und ein Spielfilm erzählt seine Entstehung. Hinter dem Erfolg steht ein Kampf, den Sylvester Stallone abseits des Rings ausfechten musste.
Sylvester Stallone ist in diesen Tagen wieder auf der großen Leinwand zu sehen, ohne einen neuen Film gedreht zu haben. Zum 50. Jubiläum läuft „Rocky“ in den USA von 7. bis 11. November 2026 in einer restaurierten 4K-Fassung erneut in den Kinos, wie der Verleih Fathom Entertainment ankündigt. Am 20. November folgt dort landesweit „I Play Rocky“, ein Spielfilm über die Entstehung des Boxerdramas, in dem Anthony Ippolito den jungen Stallone verkörpert.
Dass es diese Geschichte überhaupt zu erzählen gibt, liegt an einer Hartnäckigkeit, die längst zur Filmgeschichte gehört: Das Studio wollte Stallones Drehbuch kaufen, den unbekannten Autor aber keinesfalls in der Hauptrolle sehen. Stallone bestand darauf, den Boxer Rocky Balboa selbst zu spielen, und setzte sich durch. Der Film wurde ein weltweiter Kassenerfolg und gewann den Oscar als bester Film. Für Stallone, der am 6. Juli 2026 seinen 80. Geburtstag feierte, war es der Beginn einer Karriere, die bis heute andauert.
Sylvester Stallone, Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur.
© Zuma Press WireWarum läuft Rocky jetzt wieder im Kino?
Das Jubiläum fällt in den November, weil „Rocky“ im November 1976 in den US-Kinos anlief. Für die Wiederaufführung haben Amazon MGM Studios, Park Circus und Fathom Entertainment den Film in 4K aufbereitet. Zu sehen ist laut Fathom zusätzlich ein exklusiver Einblick in „I Play Rocky“ samt Einführung durch die Besetzung. Der Spielfilm des Oscar-Preisträgers Peter Farrelly erzählt, wie Stallone darauf beharrte, die Rolle selbst zu übernehmen. Er startet am 13. November in ausgewählten US-Kinos und eine Woche später landesweit.
Welchen Rang das Boxerdrama in den USA hat, zeigen zwei Listen. Die Library of Congress nahm „Rocky“ 2006 in das National Film Registry auf, in dem Filme von besonderer kultureller, historischer oder ästhetischer Bedeutung bewahrt werden. Das American Film Institute führt den Film auf Platz vier seiner Liste der 100 mitreißendsten US-Filme.
Dreharbeiten zu „I Play Rocky“ in Paterson, New Jersey: Anthony Ippolito spielt in Peter Farrellys Film den jungen Sylvester Stallone.
© PPSWoher kommt Sylvester Stallone?
Stallone kam am 6. Juli 1946 in New York zur Welt. In seiner Autobiografie „The Steps“, die Ende September 2026 auch auf Deutsch erschienen ist, schildert er eine schwierige Kindheit. Eine Zangengeburt habe ihm einen schiefen Mund und bleibende Probleme beim Sprechen hinterlassen, die Eltern hätten ihn zeitweise in ein Internat für schwierige Jugendliche gegeben. Seine Mutter verließ die Familie, als er elf Jahre alt war.
Der Weg zur Schauspielerei verlief zäh. Stallone erzählt von Jobs als Reiniger des Löwengeheges in einem Zoo und als Platzanweiser in einem Kino, von winzigen Zimmern und einer Ernährung aus Hüttenkäse und Eiern. Bei Agenturen stellte er sich mit billigen Automatenfotos vor. Anfang der 1970er-Jahre hielt er sich mit Kleinstrollen über Wasser, etwa als Schläger in Woody Allens „Bananas“, ehe er in „The Lords of Flatbush“ seine erste Sprechrolle bekam.
Wie wurde Rocky zum Durchbruch?
Frustriert von der schleppenden Karriere, verlegte sich Stallone aufs Schreiben. Die Geschichte des abgehalfterten Boxers, der sich noch einmal nach oben kämpft, habe er in wenigen Tagen zu Papier gebracht, schreibt er in seinen Memoiren. Die Produzenten bei United Artists konnte er zum Kauf des Skripts überreden, dann stellte er seine Forderung: Er wollte den Rocky selbst spielen. Den Neuling mit der leichten Gesichtslähmung und der Sprachstörung wollte als Hauptdarsteller niemand. Stallone blieb hart und bekam am Ende die Rolle. Wie sein Filmheld habe er damals um Würde und Stolz geboxt, beschreibt er das Tauziehen.
Unter der Regie von John G. Avildsen entstand ein Film, der bei der Oscar-Verleihung im März 1977 drei Preise gewann: bester Film, beste Regie und bester Schnitt, wie die Datenbank der Academy of Motion Picture Arts and Sciences ausweist. Stallone selbst war als Hauptdarsteller und für das Originaldrehbuch nominiert, ging aber leer aus. Bei den Golden Globes erhielt er im selben Jahr ebenfalls zwei Nominierungen. Bekannt machte ihn der Erfolg trotzdem auf einen Schlag.
Welche Rollen machten Stallone zum Actionstar?
Aus „Rocky“ wurde eine der langlebigsten Filmreihen Hollywoods, in der Stallone über Jahrzehnte als Rocky Balboa zurückkehrte, bei mehreren Teilen auch als Regisseur. Mit „Rambo“ schuf er in den 1980er-Jahren eine zweite Kultfigur, den Vietnamveteranen John Rambo. Damit wurde er zu einem der prägenden Gesichter des Actionkinos jener Jahre.
Späte Anerkennung brachte ihm „Creed“, der Ableger der Boxerreihe, in dem er den gealterten Rocky Balboa als Trainer spielt. Dafür gewann Stallone 2016 den Golden Globe als bester Nebendarsteller und erhielt eine Oscar-Nominierung, fast vier Jahrzehnte nach seinen ersten Nominierungen für dieselbe Figur.
Seit 2022 spielt er in der Serie „Tulsa King“ des Streamingdienstes Paramount+ den New Yorker Mafioso Dwight Manfredi, der nach Tulsa geschickt wird. Die vierte Staffel ist seit Oktober 2026 zu sehen.
Sylvester Stallone bei Dreharbeiten zur Serie „Tulsa King“ in Little Italy, Manhattan, im April 2024.
© Photo Press ServiceWas verbindet Stallone mit Arnold Schwarzenegger?
Der Österreich-Bezug in Stallones Karriere hat einen Namen. In den 1980er-Jahren galt Arnold Schwarzenegger als sein größter Konkurrent im Kampf um den Titel des erfolgreichsten Actionstars. Stallone hat später offen beschrieben, wie sehr ihn dieser Konkurrenzkampf unter Druck setzte. Heute sind die beiden befreundet und standen gemeinsam für die Actionreihe „The Expendables“ vor der Kamera.
Wofür steht Stallone heute?
Im Dezember 2025 überreichte US-Präsident Donald Trump Stallone im Oval Office die Medaille der Kennedy Center Honors, mit denen in den USA Künstlerinnen und Künstler für ihr Lebenswerk geehrt werden. Unter den Ausgezeichneten des Jahrgangs war auch die Rockband Kiss.
Mit 80 Jahren steht Stallone weiter vor der Kamera und zieht zugleich Bilanz. „The Steps“, im Deutschen mit dem Untertitel „Die Geschichte meines Lebens“ bei C. Bertelsmann erschienen, ist nach den berühmten Stufen des Philadelphia Museum of Art benannt, die Rocky Balboa beim Training hinaufläuft. Statt in Kapiteln erzählt Stallone in Stufen, das Buch endet mit dem Oscar-Triumph von „Rocky“. Im Nachwort fasst er zusammen, worum es in der Geschichte des Boxers für ihn geht: nicht aufzugeben, wenn es schwierig wird.
Steckbrief
Name
Sylvester Stallone
Geboren
6. Juli 1946 in New York
Beruf
Schauspieler, Drehbuchautor, Regisseur
Durchbruch
„Rocky“ (1976), Drehbuch und Hauptrolle; Oscar für den besten Film 1977
Bekannte Rollen
Rocky Balboa, John Rambo, Dwight Manfredi („Tulsa King“)
Auszeichnungen
Golden Globe als bester Nebendarsteller für „Creed“ (2016), Kennedy Center Honors (2025), Oscar-Nominierungen 1977 und 2016
Autobiografie
„The Steps“ (2026)
Quellen
Fathom Entertainment: Rocky 50 in Theatres, Pressemitteilung (15. April 2026)
Academy of Motion Picture Arts and Sciences: The 49th Academy Awards (1977)
Golden Globes: Sylvester Stallone, Nominierungen und Auszeichnungen (2016)
Library of Congress: Complete National Film Registry Listing (2006)
Quelle: APA
