Patrick Stewart ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Wie der Sohn eines Berufssoldaten und einer Weberin aus Yorkshire vom Shakespeare-Darsteller zu Captain Picard und Professor X wurde.
Patrick Stewart ist tot. Der britische Schauspieler, der als Captain Jean-Luc Picard in Star Trek: The Next Generation und als Professor Charles Xavier in den X-Men-Filmen zu einem der bekanntesten Gesichter des Kinos und Fernsehens wurde, starb im Alter von 86 Jahren. Marvel Studios zeigte sich in einem Nachruf auf seinen Professor X tief erschüttert und sprach von einem unauslöschlichen kulturellen Vermächtnis.
Dabei war Stewart nie nur ein Star der Science-Fiction. Er wuchs in einfachen Verhältnissen in Nordengland auf, verließ die Schule mit 15 Jahren und spielte jahrzehntelang Shakespeare, bevor ihn Hollywood entdeckte. Seine Karriere umspannte mehr als 60 Jahre. Zuletzt war er heuer in Avengers: Doomsday zu sehen, laut Marvel sein letzter Auftritt vor der Kamera.
Der Abschied: Tod nach kurzer Krankheit
Stewart starb am Mittwoch zu Hause, seine Frau Sunny war bei ihm. Sein Sprecher bestätigte den Tod am Donnerstag. In einer Erklärung auf Stewarts Social-Media-Kanälen hieß es, er sei nach einem kurzen und bewegenden Weg mit der Alzheimer-Krankheit und Lewy-Körperchen-Demenz gestorben. Er sei bis zuletzt von Familie und Freunden umgeben gewesen, „von Livemusik, Gebet, Tränen, Lachen und jener tiefen Emotion, die nur er nach einem Leben voller Hingabe an uns alle auslösen konnte“.
Noch am selben Tag würdigten Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter, Studios und Fans den Schauspieler. Marvel Studios erinnerte daran, dass Stewart der Figur des Professor X mehr als 25 Jahre lang Würde und Tiefe verliehen und das Erzählen von Superheldengeschichten nachhaltig verändert habe.
Patrick Stewart auf der San Diego Comic-Con im Juli 2013, wo er für den Film X-Men: Zukunft ist Vergangenheit warb.
© Flickr/Gage Skidmore/CC BY-SA 2.0Herkunft: Ein Soldatensohn aus Mirfield
Patrick Stewart kam am 13. Juli 1940 in Mirfield in der Grafschaft Yorkshire zur Welt. Sein Vater war Berufssoldat, seine Mutter Weberin, wie die Universität Huddersfield in ihrer Würdigung ihres früheren Kanzlers festhält. Ein Lehrer weckte in dem Buben die Liebe zu Shakespeare und zur Bühne.
Mit 15 Jahren verließ Stewart die Schule und arbeitete kurz als Reporter bei der Lokalzeitung. Laut der Organisation Humanists UK, deren Unterstützer er war, verlor er diesen Job, weil er zu viel Zeit im Theater verbrachte. Ein Stipendium des damaligen West Riding County Council ermöglichte ihm schließlich die Ausbildung an der Bristol Old Vic Theatre School.
Shakespeare und die Royal Shakespeare Company
Nach ersten Engagements an einem Repertoiretheater in Lincoln kam Stewart 1966 an das Royal Shakespeare Theatre. Viele Jahre gehörte er der Royal Shakespeare Company an und machte sich dort als Shakespeare-Darsteller einen Namen. 1979 gewann er den Laurence Olivier Award als bester Nebendarsteller für seine Rolle in Antonius und Cleopatra, einer Produktion der Royal Shakespeare Company im Londoner Aldwych Theatre.
Auch als Weltstar kehrte er immer wieder auf die Bühne zurück. Für seine Leistung in Hamlet am Londoner Novello Theatre erhielt er bei der Olivier-Verleihung 2009 erneut den Preis für die beste Nebenrolle. 2016 stand er mit seinem langjährigen Bühnenpartner Ian McKellen in einer Tourneeproduktion von Harold Pinters Niemandsland auf der Bühne.
Captain Picard: Die Rolle, die ihn weltberühmt machte
Der große Durchbruch kam spät. 1987 besetzten Star-Trek-Erfinder Gene Roddenberry und sein Team den britischen Bühnenschauspieler als Captain Jean-Luc Picard, Kommandant der Enterprise in der neuen Serie Star Trek: The Next Generation. Stewart spielte die Rolle sieben Staffeln lang und anschließend in vier Kinofilmen. Mit seiner ruhigen Autorität und seiner klassisch geschulten Stimme wurde Picard für eine ganze Generation zum Inbegriff des besonnenen Anführers.
Am 4. August 2018 überraschte er die Fans bei einer Convention in Las Vegas mit der Ankündigung, in einer eigenen Serie zu seiner Paraderolle zurückzukehren. Star Trek: Picard setzt laut der offiziellen Star-Trek-Seite 20 Jahre nach dem letzten Kommando des Captains ein und lief über drei Staffeln. Laut der Universität Huddersfield hatte Stewart das Angebot zunächst zweimal abgelehnt.
Patrick Stewart und Ian McKellen auf der San Diego Comic-Con im Juli 2013 bei der Präsentation von X-Men: Zukunft ist Vergangenheit.
© Flickr/Gage Skidmore/CC BY-SA 2.0Professor X: Mehr als 25 Jahre im X-Men-Universum
Seine zweite große Kinorolle fand Stewart im Jahr 2000. Im Film X-Men spielte er erstmals Professor Charles Xavier, den telepathisch begabten Mentor der Mutanten. Stewart kehrte in mehreren Fortsetzungen in die Rolle zurück. Als Höhepunkt gilt Logan, der am 3. März 2017 in die Kinos kam und an der Seite von Hugh Jackman einen gealterten, kranken Professor X zeigt.
2022 trat er in Doctor Strange in the Multiverse of Madness als Professor X aus einem Paralleluniversum auf und kam damit im Marvel Cinematic Universe an. Avengers: Doomsday, heuer im Kino, wurde laut Marvel Studios sein letzter Filmauftritt. Daneben zeigte Stewart immer wieder seine Bandbreite, etwa in der Komödie Robin Hood: Helden in Strumpfhosen oder mit einer beklemmenden Rolle im Thriller Green Room.
Ritterschlag, Grammy und ein Ehrenamt in der Heimat
2010 schlug ihn Königin Elisabeth II. für seine Verdienste um das Schauspiel zum Ritter, zuvor war er bereits mit dem Order of the British Empire ausgezeichnet worden. Bei den Grammy Awards 1996 gewann er laut Recording Academy in der Kategorie Spoken Word Album für Kinder, für seine Erzählung in Prokofjews Peter und der Wolf.
Seiner Heimat blieb er eng verbunden. Von 2004 bis 2015 war er Kanzler der Universität Huddersfield, für den gebürtigen Mirfielder praktisch die Hochschule seiner Heimatstadt. Im Kanzlertalar führte er Promotionsumzüge durch die Straßen und warb bei Reisen ins Ausland für die Universität. Seit 2016 trägt ihr Theater- und Schauspielgebäude seinen Namen. 2023 erschienen seine Memoiren Making It So beim Verlag Gallery Books, auf der Lesereise kehrte er auch nach Huddersfield zurück.
Haltung: Einsatz gegen häusliche Gewalt
Abseits von Bühne und Kamera setzte sich Stewart über Jahrzehnte für Menschenrechte ein. Er unterstützte Amnesty International und trat als Schirmherr von Refuge auf, einer britischen Organisation gegen häusliche Gewalt und für Frauenrechte. Das Thema war für ihn ein persönliches: 2009 schrieb er öffentlich über die häusliche Gewalt, die er als Bub miterlebt hatte.
Steckbrief
Name
Sir Patrick Stewart
Geboren
13. Juli 1940 in Mirfield, Yorkshire (England)
Gestorben
28. Oktober 2026 im Alter von 86 Jahren
Ausbildung
Bristol Old Vic Theatre School
Beruf
Schauspieler, ab 1966 am Royal Shakespeare Theatre
Bekannteste Rollen
Captain Jean-Luc Picard (Star Trek: The Next Generation ab 1987, vier Kinofilme, Star Trek: Picard), Professor Charles Xavier (X-Men ab 2000, Logan 2017, Doctor Strange in the Multiverse of Madness 2022, Avengers: Doomsday 2026)
Auszeichnungen
Laurence Olivier Awards 1979 und 2009, Grammy 1996, Ritterschlag 2010
Ämter
Kanzler der Universität Huddersfield 2004 bis 2015, danach Ehrenkanzler
Buch
Making It So, Memoiren (2023)
Quellen
Marvel Studios: Marvel Studios Remembers Patrick Stewart, Our Professor X (29. Oktober 2026)
Universität Huddersfield: A day of drama for Sir Patrick (10. August 2016)
Official London Theatre: Olivier Winners 1979 (1979)
Recording Academy: Patrick Stewart, Grammy-Nominierungen und Auszeichnungen (1996)
Simon & Schuster: Making It So, A Memoir (3. Oktober 2023)
Weitere Quelle: CBS News, Patrick Stewart, best known for Star Trek and X-Men, dies at 86 (29. Oktober 2026)
