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Karl Bushby ist nach 28 Jahren zu Fuß heimgekehrt: Was ihn antrieb und was es ihn kostete

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Karl Bushby

©Anadolu Agency

Am Montag hat der frühere Fallschirmjäger Karl Bushby nach rund 50.000 Kilometern ohne Transportmittel seine Heimatstadt Hull erreicht. Hinter der Expedition stehen eine Idee aus Soldatentagen, alte Selbstzweifel und ein hoher persönlicher Preis.

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Ankunft vor dem Rathaus von Hull

Am Sonntag überquerte Karl Bushby im dichten Nebel die Humber Bridge, am Montagvormittag stand er auf dem Queen Victoria Square vor dem Rathaus von Hull. Bis zu 1.000 Menschen empfingen den 57-Jährigen im Nordosten Englands. Grauer Bart, kurze Hose, ein Lächeln. „War's das schon?“, scherzte er.

Dann der Satz, der seine Reise zusammenfasst: „Man sagt, es braucht ein Dorf, um ein Kind großzuziehen. Mich hierherzubringen, hat eine ganze Welt gebraucht.“ Nach einem kurzen Empfang ging er die letzten rund fünf Kilometer zum Haus seiner Mutter Angela im Stadtteil Sutton Park. Genau dort hatte er sich am 5. Oktober 1998 mit einem Flugticket nach Patagonien und 500 US-Dollar verabschiedet.

Am 1. November 1998 war er im chilenischen Punta Arenas losgegangen. Seine zwei Regeln: Kein Transportmittel, um voranzukommen. Und keine Rückkehr nach Hause, bevor er es zu Fuß erreicht. Geplant waren rund zwölf Jahre. Es wurden 28, mit rund 50.000 Kilometern durch 29 Länder auf vier Kontinenten.

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Karl Bushbys Weltumrundung zu Fuß – 16. Oktober 2026. Unterwegs mit Karl Bushby, der die letzten 28 Jahre damit verbracht hat, im Rahmen seiner „Goliath Challenge“ zu Fuß die Welt zu umrunden.

Ein Junge, der sich beweisen wollte

Bushby wurde am 30. März 1969 in Hull geboren. In der Schule wurde er wegen einer schweren Legasthenie gemobbt, diagnostiziert erst mit 13 Jahren. Er selbst nannte diese Zeit später „die Hölle“. Halt fand er draußen, beim Vogelbeobachten in der Nähe seines Elternhauses.

Mit 16 ging er zur Armee und diente mehr als ein Jahrzehnt im Parachute Regiment. In die Eliteeinheit schaffte er es erst im fünften Anlauf, und die Zweifel, ob er wirklich genügt, begleiteten ihn lange. Später sagte er, er habe seinen Kameraden bei den Fallschirmjägern etwas beweisen wollen.

Die Reise

1998 verließ Karl Bushby seine Heimat. 28 Jahre später ist er zurück. Rund 50.000 Kilometer, 29 Länder, vier Kontinente – ohne Transportmittel. Am 2. November 2026 erreichte der 57-Jährige seine Heimatstadt Hull in England.

Die Idee nach der Scheidung

Mitte der 1990er-Jahre war Bushby noch Soldat und regelrecht besessen von Ausdauerprüfungen. Nach der Scheidung von seiner Frau 1995, die mit dem gemeinsamen Sohn Adam nach Nordirland zurückging, begann er, die Route zu planen. Als Soldat war er unter anderem für die Bestellung von Landkarten zuständig. Er zog eine einzige Linie über den Globus, von der Südspitze Südamerikas bis nach Hull.

Ursprünglich wollte er die ersten Jahre noch im Dienst bleiben und die Expedition mit Prämien der Armee finanzieren. Die Zusage wurde kurz vor dem Start zurückgezogen. Bushby ging trotzdem. Rückblickend sprach er von einem fast wahnsinnigen Selbstvertrauen, das ihm als Fallschirmjäger eingedrillt worden sei. Die Mittel für ein solches Vorhaben habe er nicht gehabt.

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Dschungel, Packeis und Behörden

Die größten Hürden waren nicht immer Berge oder Wüsten, sondern oft Grenzen und Visa. Einige Stationen der Goliath Expedition:

  • 2001: Durchquerung des Darién Gap zwischen Kolumbien und Panama, einem Dschungelgebiet ohne Straßen. In Panama saß er 18 Tage in Haft, weil er ohne Visum eingereist war.

  • März 2006: Mit dem französischen Abenteurer Dimitri Kieffer überquerte er in 14 Tagen die zugefrorene Beringstraße von Alaska nach Sibirien. Russische Grenztruppen hielten beide fest, weil sie nicht an einem offiziellen Grenzübergang eingereist waren.

  • 2008 bis 2010: In der Finanzkrise verlor er Sponsoren und musste in Mexiko warten.

  • 2013: Russland verhängte ein fünfjähriges Einreiseverbot. Bushby protestierte, indem er mehr als 4.800 Kilometer von Los Angeles bis zur russischen Botschaft in Washington ging. Im Oktober 2014 wurde das Verbot aufgehoben.

  • 2024: Weil Russland und der Iran für ihn nicht passierbar waren, schwamm er in 31 Tagen rund 288 Kilometer über das Kaspische Meer von Kasachstan nach Aserbaidschan.

  • 2026: Im März führte ihn sein Weg auch durch Österreich, entlang der Donau bei Tulln. Die Schengen-Regeln erlaubten ihm als Briten nur 90 Tage innerhalb von 180, weshalb er Europa mehrmals verlassen musste. Den Fußweg durch den Ärmelkanaltunnel lehnte der Betreiber ab. Also schwamm er rund 20 Stunden, verteilt auf drei Tage, und erreichte am 5. Oktober den Shakespeare Beach bei Dover.

Gehen hasste er, die Menschen trugen ihn

Romantisch fand Bushby das Gehen nie. Das Leben auf der Straße sei „absolut, wahnsinnig langweilig“, sagte er. Zu Beginn schaffte er rund 30 Kilometer am Tag, später etwa 24. Immer wieder legte er Pausen von Wochen oder Monaten ein. Jede Etappe begann exakt dort, wo die letzte geendet hatte.

Was ihn weitertrieb, waren zwei Dinge. Zum einen seine Familie: Ihr Verzicht sollte nicht umsonst gewesen sein. Zum anderen die Begegnungen unterwegs. „99,99 Prozent der Menschen, die ich getroffen habe, waren freundlich, großzügig und hilfsbereit“, sagte er. Hunderte boten ihm ein Bett, Essen oder einfach eine Umarmung an. Gastfreundschaft habe er in jeder Kultur und jedem Land erlebt.

Der Preis: ein Sohn, eine Enkelin, verlorene Jahre

Als Bushby aufbrach, war sein Sohn Adam acht Jahre alt. Heute ist er 36 und selbst Vater. Getroffen haben sich die beiden in all den Jahren nur ein paar Mal. Seine zwölfjährige Enkelin sollte Bushby am Montag zum ersten Mal sehen. Seine Mutter kaufte ihm jedes Jahr ein Weihnachtsgeschenk und hob es für den Tag seiner Rückkehr auf. Auch Beziehungen zerbrachen an der Distanz.

Bushby spricht darüber offen. Die Menschen, die einem am meisten bedeuten, zahlten den Preis für die eigenen Ambitionen, sagte er. Diese Last werde mit der Zeit schwerer. Zwischen ihm und seinem Sohn gebe es noch offene Fragen.

Was nach dem letzten Schritt kommt

Ganz loslassen fällt ihm schwer. Kurz vor dem Ziel sagte er, er würde die Reise am liebsten noch in die Länge ziehen. Großbritannien sei für ihn zunächst „nur ein weiteres Land“, das er neu kennenlernen müsse. Und praktisch: „Ich komme mit nichts nach Hause.“

Begleitet wurde er auf den letzten Metern vom Regisseur Werner Herzog, der einen abendfüllenden Dokumentarfilm mit dem Titel „Walk of Life“ dreht. Die Produktionsfirma unterstützt Bushby seit 16 Jahren finanziell und logistisch. Er selbst will sich nun dem Film, Vorträgen und einem Buch widmen. Seine Botschaft an junge Menschen hat er schon unterwegs formuliert: offen sein für Neues und hinausgehen in die Welt.

Weitere Quellen: AFP, BBC, NPR

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