Der britische Musiker feiert das Jubiläum mit einer Karriere voller Hits, Grammys und ausgedehnter Tourneen. Doch der ehemalige Police-Sänger ist auch politisch engagiert, Winzer, Biobauer und Musical-Autor.
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Allzu viele Dinosaurier, die nach wie vor überall auf der Welt die Hallen füllen können, gibt es nicht mehr. Eines dieser Reptilien heißt Sting – Musiker, Schauspieler, ein bisschen auch soziales Gewissen.
Mit einer Stimme, die immer nach Halsentzündung klingt, hat er 17 Grammys und 350 Millionen verkaufte Tonträger zu Buche stehen. Mit The Police war er mindestens so erfolgreich wie jetzt als Solokünstler. Am 2. Oktober wird Superstar Sting 75.
Sohn einer Friseurin und eines Milchmanns
Geboren wurde Sting als Gordon Matthew Sumner am 2. Oktober 1951 im Schatten einer Schiffswerft im nordostenglischen Wallsend nahe Newcastle als Sohn einer Friseurin und eines Milchmanns. Als Englisch- und Musiklehrer machte er erste musikalische Gehversuche in örtlichen Jazzbands – in dieser Zeit entstand dank eines gelb-schwarz-gestreiften Pullovers der Spitzname Sting („Stachel“). Sogar seine Mutter nannte ihn fortan Sting.
Im Jänner 1977 gründete er mit Stewart Copeland und Henry Padovani (der im August durch Andy Summers ersetzt wurde) die Gruppe The Police. In den folgenden sechs Jahren, die fünf Studioalben hervorbrachten, galt das New-Wave-Trio als einer der weltweit heißesten Acts. Mit dem Abgang von Sting 1986 war The Police Geschichte, mit einer nie für möglich gehaltenen Reunion 2007 kam nochmals kurzzeitig Leben in die Ordnungshüter.
Die Bühne als Lieblingsarbeitsplatz
Von 1985 bis 2003 legte Sting sieben Edelpopalben nach, von denen zwar jedes Platinstatus erreichte, jedoch Single-Auskoppelungen kaum nennenswerten Niederschlag in den internationalen Chartlisten fanden. Die Bühne ist sein liebster Arbeitsplatz, weshalb seine Konzertreisen auch immer ausgedehnter wurden: Rund 300 Auftritte bei nur einer Tour hat er bereits geschafft, das aktuelle Programm „3.0“ listet bis Jahresende auch schon über 200 Termine auf. Insgesamt hat er als Solokünstler ca. 2.500 Gigs zu Buche stehen.
Schaffbar ist dieses Pensum deshalb, „weil wir alle zehn Jahre mit den Songs einen Halbton tiefer gehen“, wie Gitarrist Dominic Miller 2024 in einem Interview verriet. In Wien war nicht nur die Stadthalle Schauplatz seiner Darbietungen, sondern auch Konzerthaus, Gasometer und Schloss Schönbrunn. Auch für die Provinz war er sich nie zu schade – in den vergangenen 30 Jahren spielte er in Linz, Wels, Salzburg, Innsbruck, Rankweil, Lienz, Eisenstadt, Klagenfurt, Schladming sowie auf Burg Clam und im Römersteinbruch St. Margarethen.
Symphonisches, ein Musical und andere Musikgrößen
2006 verließ er den Mainstream und widmete sich dem englischen Lautenmusiker John Dowland, danach reduzierte er sich auf winterlich-weihnachtliche Volksweisen. 2010 kleidete er sein Solowerk in symphonisches Gewand und konzertierte mit Riesenorchester allerorts. Und wenn man schon in anderen Genres wildert, dann darf's auch ein Musical sein. In „The Last Ship“ erzählt Sting, dereinst selber ein Kind des Hafens, von einer schließenden Werft, deren Arbeiter sich selbst ein letztes Schiff bauen wollen.
Die Produktion ging unter, nach nur vier Monaten und trotz seiner Mitwirkung auf der Bühne bei acht Aufführungen pro Woche war der millionenschwere Broadway-Flop besiegelt. Dafür bedeutete der musikalische Output das Ende einer zehnjährigen Schreibblockade des Briten. Dieses Jahr gab es Wiederbelebungsversuche für „The Last Ship“ in Form von Aufführungsserien in Paris, Amsterdam, Brisbane, London und abermals New York.
Immer wieder suchte Sting die Nähe anderer Musikgrößen, vereinzelt tröpfelten interessante und ungewöhnliche Duette auf die Musiklandschaft. 2014 tat er sich mit Paul Simon zusammen, zwei Bands wurden auf die Bühne gepackt, weltweite, sehr erfolgreiche Auftritte waren die Folge. Zwei Jahre später wiederholte er das Format mit Peter Gabriel, da kam allerdings nur nordamerikanisches Publikum in den Genuss der Darbietung, weil Gabriels Frau erkrankte und somit weitere Tourpläne vereitelt waren. Wieder zwei Jahre später frönte Sting mit „Mr. Boombastic“ Shaggy seiner alten Leidenschaft, dem Reggae – Album und Tour inklusive.
Politisch und gesellschaftlich engagierter Winzer und Biobauer
Politisches und gesellschaftliches Engagement zählen zu den sympathischen Markenzeichen des oft als unnahbar und arrogant beschriebenen Superstars. In den 80er-Jahren setzte er sich mit einer tourenden Allstar-Band für Menschenrechte und die Anliegen von Amnesty International ein, 1989 gründete er die „Rainforest Foundation“ gegen die Abholzung der Regenwälder und für den Erhalt der Lebensräume für indigene Völker.
Sting, Vater von sechs Kindern, ist seit 1992 in zweiter Ehe mit der Filmproduzentin Trudie Styler verheiratet. Die meiste Zeit des Jahres lebt er in der Villa Il Palagio nahe Florenz und betätigt sich als Winzer und Biobauer. Seine Produkte – Wein (u.a. namens „Message In A Bottle“), Oliven, Honig – werden via Onlineshops vertrieben und waren auch schon als Zutaten in Kreationen des heimischen Schokogottes Josef Zotter zu finden. Sein Leben – genauer gesagt seine Kindheit bis zum Ende von The Police – hat er schon längst eigenhändig zu Papier gebracht, nachzulesen in der sehr unterhaltsamen Autobiografie „Broken Music“.
Keine neuen Bassgitarren
Ein neues Instrument zum Geburtstag? – Keine gute Idee! „Ich hasse neue Bassgitarren. Ich denke, die sind furchtbar. Nicht einmal angreifen möchte ich eine“, sagte er einst gegenüber einem Fachmagazin. Seit jeher bevorzugt zum Einsatz kommt eine „Fender 1953 Precision“, ramponiert, farblos, abgenudelt, was man vom ewig jungen Sting nicht behaupten kann.
