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Jensen Huang in Berlin: Vom Tellerwäscher zum Chef des wertvollsten Konzerns der Welt

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Jensen Huang
©ZUMA Wire

Nvidia-Chef Jensen Huang hat in Berlin mit Bundeskanzler Friedrich Merz eine KI-Partnerschaft besiegelt und eröffnet die Konferenz GTC Berlin. Wie der Sohn taiwanischer Eltern vom Tellerwäscher zum Chef des wertvollsten Konzerns der Welt wurde.

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Jensen Huang tritt am Mittwoch in Berlin vor großes Publikum. Der Gründer und Chef des Chipkonzerns Nvidia hält um 11 Uhr im Tempodrom die Eröffnungsrede der Konferenz GTC Berlin, zwei Tage nachdem er mit Bundeskanzler Friedrich Merz eine KI-Partnerschaft zwischen Nvidia und der deutschen Bundesregierung besiegelt hat.

Der 63-Jährige ist eine der zentralen Figuren im Geschäft mit künstlicher Intelligenz. Die Grafikchips seines Unternehmens stecken in den Rechenzentren, in denen Chatbots und KI-Modelle trainiert werden. Mit einem Börsenwert von rund 5,2 Billionen US-Dollar ist Nvidia das wertvollste Unternehmen der Welt. Begonnen hat die Geschichte 1993 mit drei Ingenieuren in einem Schnellrestaurant in Kalifornien.

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Jensen Huang (Mitte) beim Staatsdinner zu Ehren von Chinas Präsident Xi Jinping im Weißen Haus in Washington am 24. September 2026.

 © AFP, APA, BRENDAN SMIALOWSKI

Der KI-Pakt mit Merz und die GTC Berlin

Am Montag unterzeichneten die Bundesregierung und Nvidia beim Invest-in-Germany-Gipfel in Berlin eine gemeinsame Absichtserklärung. Neben Bundeskanzler Merz waren das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt beteiligt. Im Mittelpunkt steht sogenannte physische KI, also künstliche Intelligenz für Roboter, autonome Fahrzeuge und Fabriken. Rechenleistung soll unter anderem aus der Industrial AI Cloud der Deutschen Telekom kommen, die mit Nvidia-Chips der Blackwell-Generation arbeitet.

Huang kündigte zudem Beteiligungen an vier deutschen Start-ups an: am Münchner Robotikunternehmen Agile Robots, am Münchner Gesundheits-IT-Anbieter Avelios Medical, an Mirelo, das mit KI Töne und Geräusche erzeugt, sowie am Berliner Satellitenbauer Reflex Aerospace. Sie sind Teil von Investitionen von fast zehn Milliarden US-Dollar, die Nvidia in Europa zugesagt hat. Mit Siemens arbeitet der Konzern an KI-gesteuerten Fabriken.

Bei einem Gespräch mit Merz im ehemaligen Kraftwerk Berlin wandte sich Huang an die deutsche Industrie: „KI kann Ihre Fähigkeiten nur erweitern, sie wird Ihre Fähigkeiten nicht ersetzen.“ Wenige Tage zuvor hatte er vor Journalistinnen und Journalisten in London gewarnt, Deutschland drohe im Wettlauf um KI zurückzufallen.

Die GTC ist Nvidias Konferenzreihe für Entwicklerinnen und Entwickler, Forschende und Unternehmen. In Berlin stehen von 20. bis 22. Oktober mehr als 100 Sessions auf dem Programm, von der Programmierplattform CUDA über KI-Agenten bis zur Robotik.

Herkunft: Von Taiwan über Thailand nach Kentucky

Jensen Huang kam am 17. Februar 1963 als Jen-Hsun Huang in Tainan in Taiwan zur Welt, als zweiter Sohn von Huang Hsing-tai und Lo Tsai-hsiu. Als er fünf Jahre alt war, zog die Familie nach Thailand. Mit neun Jahren schickten die Eltern ihn und seinen älteren Bruder in die USA zu einem Onkel nach Tacoma im Bundesstaat Washington.

Der Onkel brachte die beiden Buben im Oneida Baptist Institute in Kentucky unter, das er für ein angesehenes Internat hielt. Tatsächlich war es eine Schule für schwer erziehbare Jugendliche. Nach rund zwei Jahren holten die Eltern ihre Söhne zu sich, die Familie ließ sich in der Nähe von Portland in Oregon nieder.

Dort besuchte Huang die Aloha High School, die er 1981 abschloss. Er spielte auf Wettkampfniveau Tischtennis und nahm mit 15 Jahren seinen ersten Job an: In einer Filiale der Restaurantkette Denny's in Portland arbeitete er als Tellerwäscher, Abräumer und Kellner. „Ich war Tellerwäscher, ich war Abräumer, ich habe bedient“, erzählte er 2023 bei einem Auftritt in einem Denny's-Lokal im Silicon Valley.

Studium und erste Jahre in der Chipbranche

Huang studierte Elektrotechnik an der Oregon State University und schloss 1984 mit dem Bachelor ab. Dort lernte er auch seine spätere Frau Lori kennen. Nach dem Studium arbeitete er rund ein Jahr beim Chiphersteller AMD, von 1985 bis 1993 dann in verschiedenen Positionen beim Chipentwickler LSI Logic, wo er bis zum Leiter eines Geschäftsbereichs aufstieg. Parallel erwarb er an der Stanford University einen Master in Elektrotechnik.

Die Gründung von Nvidia in einem Schnellrestaurant

Im April 1993 gründete Huang gemeinsam mit den Ingenieuren Chris Malachowsky und Curtis Priem das Unternehmen Nvidia. Die Idee entwickelten die drei bei Treffen in einem Denny's-Lokal im Silicon Valley: einen Chip, der realistische 3D-Grafik auf Personal Computer bringt. Das Startkapital betrug 40.000 Dollar, bald darauf kamen rund 20 Millionen Dollar von Risikokapitalgebern. Huang wurde Chef des Unternehmens und ist es seither geblieben. 2023 überreichte ihm die Restaurantkette in eben jenem Lokal eine Gedenktafel zur Gründung.

1999 ging Nvidia an die Börse und brachte im selben Jahr die GeForce 256 auf den Markt, die das Unternehmen als ersten Grafikprozessor (GPU) der Welt vermarktete. Die Grafikkarten machten Nvidia zu einer festen Größe im Markt für Computerspiele. 2006 folgte mit CUDA eine Programmierplattform, mit der sich Grafikprozessoren auch für allgemeine Rechenaufgaben nutzen lassen.

Diese Entscheidung gilt als Grundlage für Nvidias heutige Rolle in der künstlichen Intelligenz. Das Training großer KI-Modelle erfordert eine enorme Zahl gleichzeitiger Rechenschritte, und genau dafür sind Grafikchips gebaut.

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Keine Keynote ohne Lederjacke. Nvidia-CEO Jensen Huang bei einer Rede im Jahr 2018. Sein Tattoo am Oberarm, das dem Logo der Firma ähnelt, zeigt er ein anderes Mal

Jensen Huang bei einer Keynote im Jahr 2018.

 © AFP, Getty Images

Der Aufstieg zum wertvollsten Konzern der Welt

Mit dem KI-Boom nach der Veröffentlichung von ChatGPT Ende 2022 stieg die Nachfrage nach Nvidia-Chips für Rechenzentren sprunghaft. Im Mai 2023 überschritt der Börsenwert erstmals eine Billion Dollar, im Oktober 2025 wurde Nvidia zum ersten Unternehmen mit einem Börsenwert von mehr als fünf Billionen Dollar.

Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027, das am 26. Juli 2026 endete, setzte Nvidia laut eigenen Angaben 96,2 Milliarden Dollar um, 106 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Nettogewinn lag bei 59,7 Milliarden Dollar. Für das dritte Quartal stellte der Konzern einen Umsatz von 108 Milliarden Dollar in Aussicht, ohne Erlöse aus Rechenzentrumschips in China einzurechnen. „KI hat ihren Wendepunkt erreicht. Sie leistet nützliche Arbeit“, erklärte Huang bei der Vorlage der Zahlen.

Lederjacke, Bühnenauftritte und Politik

Auf der Bühne tritt Huang fast immer in schwarzer Lederjacke auf. Seine Keynotes bei Messen wie der CES in Las Vegas oder der Computex in Taipeh, bei denen er neue Chipgenerationen vorstellt, gehören zu den meistbeachteten Terminen der Technologiebranche.

Als Chef eines Schlüsselunternehmens bewegt er sich zunehmend auf politischem Parkett. 2026 wurde er in den Beraterrat des US-Präsidenten für Wissenschaft und Technologie (PCAST) berufen, im September 2026 war er Gast beim Staatsdinner für Chinas Präsidenten Xi Jinping im Weißen Haus. Die US-Exportbeschränkungen für leistungsfähige KI-Chips betreffen Nvidia direkt, an der Börse wird zugleich diskutiert, ob die hohen Investitionen in KI-Rechenzentren auf Dauer tragfähig sind.

Auszeichnungen und Familie

Huang ist gewähltes Mitglied der US-amerikanischen National Academy of Engineering. 2025 wurde er gemeinsam mit Nvidia-Chefwissenschafter Bill Dally und weiteren Pionieren des maschinellen Lernens mit dem Queen Elizabeth Prize for Engineering ausgezeichnet, König Charles III. überreichte den Preis im November 2025 im St James's Palace in London. Mehrere Universitäten verliehen ihm Ehrendoktorate.

Mit seiner Frau Lori gründete Huang 2007 die Jen-Hsun and Lori Huang Foundation. Das Paar hat zwei Kinder, Sohn Spencer und Tochter Madison.

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