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Hannes Mlenek: Vorhang auf für Malerei

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Hannes Mlenek

©Louai Abdul Fattah

Am 15. Juni 2026 bietet das Stadttheater Wiener Neustadt der bildenden Kunst eine Bühne: In einer Malperformance greift der Künstler Hannes Mlenek, getrieben von Carl Orffs „Carmina Burana“, zur Ölkreide – und das coram publico.

„Zwei Fragen, die du einem Künstler nie stellen solltest“, holt Hannes Mlenek aus. Und bringt sie schmunzelnd auf den Punkt: „Was hast du dir dabei gedacht und wie lange hat es gedauert?“

Doch am 15. Juni scheint er seine Prinzipien über Bord zu werfen – zumindest für einen Abend: Auf Einladung der Sammlung Werner Trenker und des Stadttheaters Wiener Neustadt greift der Künstler vor Publikum zur ­Ölkreide – was die Frage zur Entstehungsdauer einer Arbeit geradezu demonstrativ beantwortet.

„Die bessere Frage ist, ob ich fertig werde“, hakt er ein. In seiner akribisch geplanten Performance „O Fortuna“ treffen Malerei und Zeichnung auf Musik und Tanz – wobei er mit konzeptueller Überlegung auch seiner ersten, nicht zu stellenden Frage widerspricht.

Interdisziplinäres Kunsterlebnis

Als musikalische Grundlage dieses interdisziplinären Kunsterlebnisses dient dem Künstler Carl Orffs szenische Musik aus der Kantate „Carmina Burana“. Musik sei im Schaffensprozess des Künstlers als treibende Kraft geradezu essenziell: „Die Rhythmik der Musik fördert die Bewegungsdynamik in meinen Bildern“, so der Künstler, der mit klassischer Musik sozialisiert wurde.

Doch ausgerechnet in Carl Orffs Musik scheint ebendieses Rhythmische zu fehlen. „Dabei geht es mir auch viel eher um die Narration“, betont er. „Geschlechtsunabhängig ist der Mensch von Illusionen und Wunschdenken getrieben – genau hier kommt Fortuna ins Spiel: Die römische Göttin des Schicksals und Glücks ist es, die über die Erfüllung unserer Wünsche richtet.“ Doch ihre Unberechenbarkeit fordert ihren Tribut: „Wir laufen Gefahr, unser eigenes Schicksal aus der Hand zu geben und damit alles zu verlieren.“

Mleneks Performance wird zu einem künstlerischen Duell mit Fortuna, das sich der übergeordneten Frage nach der Bedeutung des Glückes stellt. Getrieben durch Orffs Musik ist es das kontrastierte Zusammenwirken mit Joe Zawinuls Jazz-Klängen, das Mleneks grafischer Linie Leben einhauchen, sie auf der Leinwand und ihn auf der Bühne tanzen lassen soll.

In einem halbstündigen Hinterfragen wagt Mlenek einen höchst subjektiven Antwortversuch auf die „Glücksfrage“. Eine Eigeninterpretation seines Verständnisses, das Fortuna letztlich als Täuschung entlarven soll: „Als Richterin unseres Schicksals ist sie gleichermaßen eine falsche Reflexion von Hoffnung – die im Alter immer deutlicher wird“, lacht der ewig Junggebliebene. Eine Reflexion, die er durch motivische Spiegelung performativ erlebbar machen wird. „Jede Medaille hat schließlich ihre Kehrseite – jedes Ja erfordert auch ein Nein.“

Innovatives Theaterkonzept

Dass man dazu der bildenden Kunst im Stadttheater Wiener Neustadt Einzug gewährt, ist Teil eines innovativen Konzepts, das einen niederschwelligen Zugang zur Kunst im Allgemeinen ermöglichen soll.

„Ein Theater ist ein Ort der Begegnung, an dem unterschiedliche Künste aufeinandertreffen dürfen und sollen. Im Falle der Malperformance gelingt das ob der musikalischen Untermalung natürlich perfekt und damit setzen wir natürlich auch ein starkes Zeichen für zukünftige Projekte“, so Maria Großbauer, die im Herbst 2023 zur operativen Geschäftsführerin berufen wurde und das Theater im November 2024 nach umfassender Renovierung mit neuer Strategie wiedereröffnete.

Ein wesentlicher Eckpfeiler dieser Strategie ist die gezielte Ansprache jüngerer Generationen – abseits des klassischen Sprechtheaters: „Deshalb findet man in unserem Programm beispielsweise auch Popmusik, um einen niederschwelligen Zugang zur Kunst zu schaffen.“

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Geschäftsführerin des Stadttheaters Wiener Neustadt Maria Großbauer (links) mit Sammlerpaar Werner Trenker und Sonja Zsolnai-Kasztler.

 © Louia Abdul Fattah

Um auch für die bildende Kunst Begeisterung zu stiften, sind zwei Dauerleihgaben aus der Sammlung Werner Trenker im Foyer geplant. Mit der Performance schließt sich für den Initiator und Kunstmäzen ein Kreis.

„Hannes Mlenek, der übrigens in Wiener Neustadt aufgewachsen ist, hat in unserer Sammlung einen ganz besonderen Stellenwert – wir haben seine Arbeit im März 2025 bereits erfolgreich im Künstlerhaus in Wien gezeigt und präsentieren ihn gerade im Rahmen der KunstBurg in Gars am Kamp. Seine ­expressive Linienführung schafft es, Betrachtende sogleich in ihren Bann zu ziehen“, begründet Trenker, selbst Wiener Neustädter, seine Entscheidung. Dass zur Präsentation dieser Werke ein Zusammenwirken mit darstellender Kunst geradezu obligat ist, war rasch klar: „In klassischer Theatermanier bedarf es dafür schlicht und einfach einer Inszenierung.“

Und wäre Fortuna dem Künstler am Abend seiner Performance wohlgesonnen, so wäre Mleneks Wunsch der folgende: „Gut wäre, wenn meine Vorstellungen zumindest halbwegs aufgehen – aber ganz ohne Improvisation wird es nicht ablaufen. Soll es aber auch nicht.“

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 24/2026 erschienen.

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