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Jakob Pöltl: Österreichs NBA-Pionier

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Jakob Pöltl©APA-Images / APA / HELMUT FOHRINGER

Jakob Pöltl ist seit 2016 Österreichs erster und nach wie vor einziger Spieler in der National Basketball Association (NBA). Mit nunmehr zehn Saisonen in den Beinen übertrifft er die durchschnittliche Dauer von Karrieren in der nordamerikanischen Profiliga bereits deutlich. Der Center aus Wien ist nicht nur ein Pionier aus rot-weiß-roter Sicht. Er hat sich auch längst als fixe Größe in der NBA etabliert.

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Ernst Weiss

Die Nacht auf 24. Juni vor einem Jahrzehnt, in der Pöltl von den Toronto Raptors ausgewählt wird, hat nicht nur sportliches Gewicht hierzulande. Sie ist auch europapolitisch bedeutsam. Während heimische Basketball-Fans darauf warten, dass Österreich endlich seinen Platz auf der NBA-Landkarte findet, votiert in Großbritannien die Mehrheit für den „Brexit“.

Bei der Ziehung der vielversprechendsten Nachwuchs-Korbjäger kommt derweil im New Yorker Stadtteil Brooklyn der damals 20-jährige Pöltl an neunter Stelle an die Reihe. Der 2,13 Meter große Center wird zum heimischen NBA- Pionier. Der Österreicher ist auch zehn Jahre später allein auf weiter Flur in der weltbesten Liga. Im Schnitt dauern NBA-Karrieren übrigens nur viereinhalb bis fünf Jahre.

Verflixte Jubiläumssaison

„Es klingt, als würde ich alt werden“, kommentiert Pöltl sein Dezennium. „Ein paar Jahre mehr“ sollen es noch werden. Doch ausgerechnet die Jubiläumssaison erweist sich verletzungstechnisch ein wenig „verflixt“. Weil der Rücken immer wieder Probleme macht, kommt Pöltl im 82 Partien umfassenden NBA-Grunddurchgang auflediglich 46 Einsätze. Es sind die wenigsten bisher in einem Spieljahr für ihn. Allein 24 Begegnungen verpasst der Wiener am Stück.

Er habe die im vergangenen Herbst erstmals aufgetretenen Beschwerden „gegen Ende der Saison sehr gut im Griff gehabt“, lässt der Center wissen. Es habe einige Zeit gebraucht, um „ein System zu entwickeln, mit dem ich hoffentlich langfristig eine Lösung für das Problem finden konnte“. Er werde wohl auch sein Trainingsprogramm im Sommer anpassen. „Grundsätzlich geht es mir gut“, beruhigt er. „Ich hoffe, dass es so bleiben wird.“

Scouts bei Nachwuchsturnier

Pöltl startet mit sieben Jahren bei den Red Panthers Wien, wo ihm die Liebe zum Basketball mitgegeben wird. Nach vier Jahren wechselt er zu den Vienna Timberwolves, mit denen er bis heute verbunden ist. Ehe er 2014 ans College und damit nach Übersee geht, folgt noch eine Saison bei den Traiskirchen Lions. Dass es Pöltl letztlich in die NBA schafft, ist umso bemerkenswerter, als Österreich definitiv nicht zur internationalen Basketball-Elite zählt. Die bis dato letzte Teilnahme an einer Europameisterschaft datiert aus 1977. Weltmeisterschaften und olympische Spiele erlebt Rot-Weiß-Rot bisher ausschließlich aus der Zuschauerperspektive – was wohl nicht nur in naher Zukunft so bleiben wird.

Pöltl macht nordamerikanische Scouts bei einem kontinentalen Nachwuchsturnier auf sich aufmerksam. Das gelingt ihm 2013 bei der U18-Europameisterschaft der Division B in Strumica in Nordmazedonien mit Nachdruck: Während Österreich abgeschlagen an 20. und damit drittletzter Stelle landet, ragt er aus seinem Team heraus. Er liefert im Schnitt 15,4 Punkte und damit die sechstmeisten im Bewerb ab, ist bester Rebounder (12,3 pro Partie) und verbucht die zweitmeisten Blocks (2,6 pro Begegnung).

Ab 2014 macht sich der Wiener für die University of Utah in der National Collegiate Athletic Association (NCAA) auf Korbjagd – und startet voll durch. 2016 wird er nicht nur als „Spieler des Jahres“ der Pacific-12-Conference ausgezeichnet. Für durchschnittlich 17,2 Punkte, 9,1 Rebounds und 1,6 Blocks pro Partie erhält er auch den prestigeträchtigen „Kareem Abdul-Jabbar Award“ als bester Center aller Universitätsmannschaften. Der Wiener ist der bisher einzige Spieler, dem die Auszeichnung bereits im zweiten College-Jahr zugesprochen wird. Es folgt der Wechsel in die NBA.

Ich will immer noch NBA-Champion werden

Jakob Pöltl

Championat bleibt Ziel

In der nordamerikanischen Profiliga bringt es Pöltl seit seinem Debüt in der Nacht auf 27. Oktober 2016 auf mittlerweile 641 reguläre Saisonspiele. 9,1 Punkte, 7,0 Rebounds sowie 1,2 Blocks im Schnitt hat er dabei verbucht. Hinzu kommen 29 Einsätze in den Play-offs und drei im Play-in. In der NBA wird streng nach den Phasen im Spieljahr getrennt. Seine statistisch bis dato beste Saison hat der Center 2024/25 mit durchschnittlich 14,5 Zählern und 9,6 Rebounds pro Partie. Danach verlängert er seinen Vertrag vorzeitig und für 104 Mio. US-Dollar bis 2030. Wenn es Nachholbedarf für Pöltl gibt, dann in den NBA-Play-offs. Weiter als in die zweite Runde – 2017 und 2018 jeweils mit Toronto – hat der Weg bei bisher vier Teilnahmen nicht geführt.

„Ich will immer noch NBA-Champion werden“, sagt der Wiener auf die Frage nach seinen Zielen zu News. „Das ist das A und O im Endeffekt.“ Pöltl gibt sich zuversichtlich, stelle Toronto doch eine „junge und sehr hungrige Mannschaft“. Obwohl in den diesjährigen Play-offs das Aus bereits in der ersten Runde gekommen ist, hätten sich die Raptors „sehr gut verkauft“. „Potenzial nach oben“ sei da.

Seinen Platz in den Geschichtsbüchern hat sich der Wiener sowohl bei Toronto (2016– 2018, Comeback im Februar 2023) als auch bei den San Antonio Spurs (2018–Februar 2023) längst gesichert. In den Reihen der Raptors ist er zum Ende der Saison 2025/26 mit 2.945 erzielten Punkten als 24. auf dem besten Weg in die Top 20. Mit 2.094 Rebounds scheint er im entsprechenden Ranking ebenso bereits als Zehnter auf wie mit 333 Blocks. Bei den Spurs steht Pöltl mit 2.859 Zählern an 34. Stelle der „ewigen“ Rangliste. 2.382 Rebounds bedeuten Platz 16 in der Reihung der Texaner. Und mit 456 Blocks findet sich der oft als „defensiver Anker“ bezeichnete Wiener als Neunter sogar unter den Top 10. Nicht zuletzt verzeichnet Pöltl in 121 seiner 641 Partien im NBA-Grunddurchgang sogenannte Double-Doubles. Es handelt sich dabei um zweistellige Werte in zwei Kategorien, beim 30-jährigen Wien bisher stets Punkte und Rebounds.

Ganz vorne dabei

Wie sehr er sich in der NBA etabliert hat, zeigt auch ein Rückblick auf den Draft 2016. Von den vor zehn Jahren an vorderer Stelle (Top 12, Anm.) ausgewählten Spielern haben lediglich drei bisher mehr Einsätze als Pöltl auf dem Konto: der an sechster Stelle selektierte Buddy Hield (765), der an Position drei verpflichtete Jaylen Brown (674) sowie der Litauer Domantas Sabonis (665) als damaliger elfter Pick. Um einst höher eingeschätzte Profis ist es hingegen teils sehr oder überhaupt ganz ruhig geworden.

Für Dragan Bender etwa ging die NBA-Karriere bereits 2020 zu Ende. Der vor einem Jahrzehnt als vierter Spieler ausgewählte Kroate darf auflediglich 187 Einsätze zurückblicken. Bis 2021 war Thon Maker (263 Partien) aktiv, ein Jahr länger Marquese Chriss (292). Der Südsudanese und der US-Amerikaner sind an achter bzw. zehnter Stelle und somit unmittelbar vor bzw. nach Pöltl gezogen worden. Der erste Pick aus 2016, Ben Simmons, ist seit dem vergangenen Jahr kein NBA-Spieler mehr. Der verletzungsanfällige Australier hat 383 Einsätze in den Beinen.

Eingeschlagen haben aus dem Draft-Jahrgang 2016 neben dem rot-weiß-roten Pionier u. a. der an Position drei ausgewählte Brown, der 2024 mit Boston die Meisterschaft gewann, und Jamal Murray, der an siebenter Stelle selektiert mit den Denver Nuggets 2023 den Titel holte. Pöltls ehemaliger Teamkollege Pascal Siakam wurde 2019 mit Toronto Meister. Er ist vor einem Jahrzehnt erst an 27. Stelle von den Kanadiern gezogen worden. Mit Brandon Ingram ist der zweite Pick im Draft 2016 und AllStar 2020 seit Februar dieses Jahres Teamkollege des Wieners. Er hat bisher 572 Partien in der regulären NBA-Saison absolviert.

Kindercamp eine Herzensangelegenheit

Definitiv eine Herzensangelegenheit ist Pöltl sein Camp für Kinder und Jugendliche von acht bis 14 Jahren, das er bisher vier Mal in Kooperation mit seinem Stammverein Timberwolves abgehalten hat. „Es macht mir extrem viel Spaß.“ Der NBA-Profisteht nicht nur jeden Tag selbst in der Halle oder auf den Freiplätzen, er nimmt zur Freude der Buben und Mädchen auch aktiv an Übungen teil. Selbstverständlich ist zudem, dass er Foto- und Autogrammwünsche erfüllt und viele Fragen geduldig beantwortet. Das Camp soll zudem einen positiven Effekt auf Basketball in Österreich haben und Nachwuchsspieler motivieren, so Pöltl.

Sind im Heimaturlaub auch diverse Medientermine absolviert, verbringt der NBA-Profidie verbleibende Zeit am liebsten mit der Familie und mit Freunden. Starallüren kennt er definitiv nicht. Es kann daher passieren, dass man dem Basketball-Profiin der U-Bahn begegnet, wenn er zum Training in die Donaustadt fährt, ihn auf dem Scooter in der Mariahilfer Straße oder im Tretboot auf der Alten Donau sieht. Besucht er Sportveranstaltungen, zieht Pöltl die Zuschauertribüne mit seinen Kumpels dem VIP-Bereich vor.

Im österreichischen Nationalteam debütierte der Wiener im Sommer 2015. Dass er es in bald elf Jahren auf bisher „nur“ 19 Einsätze bringt, liegt an den Spielplänen in der NBA und in Europa, die nicht kompatibel sind. Der Center steht daher stets nur in den Sommermonaten zur Verfügung. Aber wenn er dabei ist, erhöht das die Siegchancen der rot-weißroten Auswahl und sorgt bei Heimspielen für „Pöltl-Hype“. Für Österreich erzielt der 30-Jährige im Schnitt 15,2 Punkte pro Partie, in Bewerbspielen sind es sogar 16,6.

Trotz NBA-Karriere ist es für den Wiener „etwas Besonderes“, den Dress des Nationalteams zu tragen. Demnach wäre es auch für ihn „sehr reizvoll“, an der Europameisterschaft 2029 teilzunehmen. Es sei das Ziel, bei einem großen Turnier dabei zu sein. „Wir haben die Spieler dafür, wir haben das Talent. Es ist nur eine Frage der Umsetzung.“ In einer Qualifikation komme es in wenigen Spielen „auf alles“ an. Da müsse man „Leistung bringen“, was natürlich auch von der Tagesform abhänge.

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 © APA-Images / AP / Frank Gunn

Impact groß

„Jakobs Impact ist groß“, sagt Aldin Saracevic, Generalsekretär des Österreichischen Basketballverbands (ÖBV). Es in die NBA zu schaffen, sei „ein gewaltiger Schritt“ gewesen. Der Center habe sich das „hart erarbeitet“. Und er sei „immer bodenständig und charakterlich gleich geblieben“, weiß Saracevic. Pöltl stelle sich nie in den Mittelpunkt, dränge sich „ausschließlich mit Leistung in den Vordergrund“ und habe seine Wurzeln nicht vergessen. Dazu zähle etwa die Unterstützung seines Wiener Stammvereins.

„Wir sind nicht so weit, NBA-Profis am Fließband zu produzieren“, beantwortet der Generalsekretär die Frage, wann denn mit einem zweiten oder dritten heimischen Spieler in der weltbesten Basketball-Liga zu rechnen sei. Saracevic spricht diesbezüglich von Schritten nach vorne, die hierzulande in der Nachwuchsarbeit und im Recruiting zu setzen seien, „um Talente zum Basketball zu bringen“. Auch Pöltl hätte durchaus beim Volleyball landen können, sind seine Eltern doch ehemalige Nationalteamspieler in dieser Sportart.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 24/2026 erschienen.

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