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Mr. Uniqlo: Wie Tadashi Yanai die Art verändert, wie wir uns kleiden

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Tadashi Yanai©Getty Images

Besitzen Sie eine der 40-Euro-Hosen, die man bei Fashionshows in der ersten Reihe sieht? Oder die 25-Euro-Tasche, die viral einen Hype ausgelöst hat? Dann haben Sie Japans reichstem Mann, Tadashi Yanai, geholfen, die Modemarke Uniqlo zum einflussreichsten Unternehmen in Japans Einzelhandel auszubauen.

Die Modebranche wird üblicherweise von Männern im Anzug dominiert. Einer der erfolgreichsten, der 77-jährige Gründer der japanischen Modekette Uniqlo, Tadashi Yanai, bevorzugt eine Strickjacke. „Normalerweise trage ich keine Jacke“, sagt er fast entschuldigend beim Treffen in seinem holzgetäfelten Büro am Stadtrand von Tokio.

„Aber diese hier ist von JWA, und ich sage es ungern, aber sie ist perfekt.“ Die Initialen sind jene des nordirischen Designers Jonathan William Anderson. Obwohl er seit letztem Jahr Kreativdirektor bei Dior ist, verantwortet er weiterhin die halbjährlich erscheinende Kollektion, die er seit 2017 für Uniqlo auf den Markt bringt. Bei Dior beginnen die Preise bei 2.300 Euro. Bei Uniqlo kosten seine Blazer 80 Euro .

1,57 m groß, 65 Milliarden Dollar schwer

„Sie ist aus synthetischem Material, das wie Wolle aussieht, aber noch leichter ist“, fährt Herr Yanai fort, der mit einem geschätzten Vermögen von 65 Milliarden Dollar der reichste Mensch Japans ist. „Wir haben diese Faser entwickelt, weil wir meinen, dass sich Kleidung weiterentwickeln sollte. Mein Ziel ist es, die beste Kleidung des Landes herzustellen und sie in den Rest der Welt zu bringen.“ Sein Hemd stammt von Jil Sander, der deutschen Ästhetin, deren minimalistischer Look die Mode der Neunzigerjahre geprägt hat. Ihre +J-Kollektion für Uniqlo war 2009 die erste namhafte Kooperation.

Yanai ist 1,57 Meter groß, mit kurzgeschnittenem grauem Haar und einer Herzlichkeit, die seine geschäftsmäßige Fassade oft durchbricht. Er hält immer wieder inne, um dem Übersetzer die Arbeit zu erleichtern.

Ein unauffälliger Erfolg

Früher erkannte man im Alltag einen Mantel oder ein Kleid von Topshop. Heute stammen die weltweit am meisten verbreiteten Kleidungsstücke von Uniqlo, obwohl ihr Design unauffällig ist. Der Mutterkonzern Fast Retailing ist nach Inditex (Zara) und H&M der drittgrößte Bekleidungskonzern der Welt. Auf den großen Einkaufsstraßen von Oxford Street bis Fifth Avenue sieht man häufiger die schlichten, braunen Papiertaschen von Uniqlo als jene der pres­tige­trächtigen Designermarken.

Der größte Uniqlo-Store der Welt befindet sich im Stadtteil Ginza in Tokio. Auf zwölf Etagen und über eine Brücke mit einer Filiale der avantgardistischen Modeboutique Dover Street Market verbunden, ist er Pilgerstätte für Fans der Marke. Hier findet man Limited-Edition T-Shirts lokaler Designer. Wie das T-Shirt, das zur Eröffnung eines Shop in Glasgow letztes Jahr erhältlich war und einen Kuchen des schottischen Süßwarenherstellers Tunnock’s zeigt.

Schlicht für jeden geeignet

Ein Reiseführer empfiehlt Touristen die Uniqlo-Filiale im historischen Viertel Asakusa. Danach kann man den nahe­gelegenen Senso-ji-Tempel besichtigen. Einheimische mögen die luftigere Filiale in Tokyo City. Das Sortiment gleicht sich. Die virale Halbmond-Schultertasche um 18 Euro tragen Babyboomer auf Reisen ebenso wie hippe Jugendliche und Väter und Mütter in Elternkarenz.

Ultraleichte Daunenwesten für 41 Euro wärmen Pensionisten zu Hause, Hundebesitzer unterwegs, Finanz­experten und Influencer. Die Jersey-Hosen mit weitem Bein, deren Schnitt Frauen und Männern jeden Alters, jeder Figur und jeder Größe schmeicheln, sind längst Markenzeichen von Büroangestellten, Studenten und Modejournalisten. Wer Uniqlo einmal kennt, sieht die Marke überall.

Von Meghan Markles Hochzeitskleid zur Jersey-Hose

Die Jersey-Hose war die Idee von Uniqlo-Kreativdirektorin Clare Waight Keller, die zuvor für Chloé und Givenchy gearbeitet und das Hochzeitskleid von Meghan Markle entworfen hat. „Uniqlo hat diese japanische Herangehensweise, die Dinge aus einer nachhaltigen Perspektive zu betrachten“, sagt sie. „Alltagsbasics mit dem gewissen Etwas, die sich gut kombinieren lassen.“

Früher entwarf Waight Keller zwölf Kollektionen pro Jahr für Luxusmarken. Dort umfasste jede Kollektion zwei Anproben, um den perfekten Sitz am Körper hinzukriegen. Für Uniqlo entwirft sie nur zwei Kollektionen pro Jahr und kann so viele Anproben durchführen, wie sie für nötig hält. Ihre Vorgabe sind ideal sitzende Schnitte für einen Größenbereich von XXS bis XXXL.

„Kaufe weniger, trage es länger“

„Kaufe weniger, kaufe besser, trage es länger“, lautet das durchdachte Motto der Marke, das deren Erfolg begründet. Im vergangenen Oktober durchbrach die Fast Retailing Group von Yanai mit einem Umsatz von rund 18 Milliarden Euro und einem Gewinnanstieg von 13 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro eine historische Marke. Ein Großteil des Wachstums stammt aus Nordamerika, Kontinentaleuropa und Großbritannien, wo Uniqlo im vergangenen Jahr Filialen in Liverpool, Glasgow, Edinburgh und Bristol eröffnet hat. Weitere Filialen in Leeds, Cambridge und Manchester sind geplant.

In den letzten Jahren mussten viele britische Marken schließen oder kämpfen ums Überleben. Der Onlinehandel und die Inflation machen sich bemerkbar, aber auch die Erkenntnis, dass wir alle viel zu viel besitzen. Uniqlo füllt die entstandenen Lücken mit einer Philosophie namens „LifeWear“, die sich gegen kurzlebige Trends richtet. „Die Modebranche konzentriert sich auf Oberflächlichkeiten“, sagt Yanai. „Aber wir müssen das Wesentliche erforschen. Das, was sich nicht ändern sollte.“

„Westlich sozialisierte Menschen können Kleidung nicht objektiv betrachten“, fährt er fort. „Aber wir Japaner trugen auch nach dem Krieg noch oft Kimonos. Während der Besatzungszeit hielt westliche Kleidung Einzug ins Land. Und weil jeder Haushalt eine Nähmaschine hatte, haben wir sie nachgenäht.“

Inspiration aus Großbritannien

Als Yanai sich vom Ledersessel erhebt, um ein Buch aus dem Regal zu holen, erheben sich auch alle Anwesenden. Royale Verhaltensmuster. Er kehrt zurück und präsentiert so etwas wie eine heilige Schrift: einen Katalog des britischen Modelabels Next aus dem Jahr 1987. Er zeigt lachende Models, fotografiert in Schwarz-Weiß vom nunmehr berühmten Vanity Fair-Fotografen Koto Bolofo. „Das hat mich in den Achtzigern am meisten inspiriert“, sagt Yanai. „Ganz normale Leute, die cool und lässig aussahen. Diese Art von Kleidung wollte ich entwerfen. Kleidung, die die Menschen glücklich macht.“

Zum ersten Mal kam Yanai 1968 im Rahmen einer 100-tägigen Weltreise nach Großbritannien, als die japanischen Universitäten nach Studentenprotesten gegen den Vietnamkrieg für 18 Monate geschlossen waren. Er reiste mit dem Schiff nach Hongkong, weiter nach Singapur und Honolulu, dann mit Greyhound-Bussen durch die USA und schließlich nach Europa. „Mein Vater hatte eine Schneiderei, ich habe erwartet, dass in London alles Gentlemen sein würden“, sagt er. „Stattdessen war die Stadt voller Arbeiter. Ich verstand kein Wort. Und: Ich sah einen neuen Kleidungsstil, der mich fasziniert hat!“

Unser Ziel ist es, Menschen glücklich zu machen. Ich habe die Welt durch Kleidung verbunden. Das ist meine Lebensaufgabe

Tadeshi Yanai

Ein Look, der nicht auffällt

Tadashi Yanai ist mit Kleidung aufgewachsen. Er kam 1949 in Ube zur Welt, einer Stadt im von Alliierten besetzten Yamaguchi. Die Eltern hatten eine Schneiderei, direkt darüber die Wohnung. Seine Jugend erlebte er in der Zeit des amerikanischen Preppy-Stils. Unter japanischen Jugendlichen, die sich gegen traditionelle Kleidung auflehnten, wurde er zunehmend beliebter. Als sich die Bedingungen der Kapitulation besserten und damit auch die Lebensmittel- und Textilknappheit, eröffnete Yanai Senior ein zweites Geschäft für legere Mode und baute es zu einer Kette von Läden in Yamaguchi aus.

„Mein Vater fuhr einmal nach Osaka, um einzukaufen“, beschreibt Yanai seine früheste Erinnerung an Mode. „Er brachte Kinderkleidung mit. Richtiger Ramsch, sehr bunt. Es war das Gegenteil von minimalistisch. Ich hasste es, aufzufallen.“ Auf dieser Reaktion basiert der Erfolg von Uniqlo, insbesondere bei Männern, für die schlichte, stilvolle Basics eine erschwingliche, unauffällige Wahl sind.

Es fällt leicht, zuzugeben, dass die Basics einer Garderobe von Uniqlo stammen. Die Marke genießt ein von Kunst, Architektur und Design anerkanntes Prestige, das sich deutlich von den kurzlebigen Modetrends abhebt. Im Japanischen beschreibt das Wort „unibare“ den Moment, in dem man erkennt, dass jemand Uniqlo trägt.

Ein kulturelles Ereignis aus Stoff

Nachdem Yanai 1984 das Schneidereigeschäft seines Vaters mit 22 Filialen übernommen hatte – er war bereits mit seiner Frau Teruyo Nagaoka verheiratet –, eröffnete er in Hiroshima ein größeres Geschäft. Unique Clothing Warehouse bot viele Marken zu günstigen Preisen an. Warteschlangen bildeten sich um den Häuserblock und Yanai warnte die Leute im lokalen Radio davor, sich anzustellen, da sie keinen Einlass mehr bekommen würden. Die Ankündigung hatte den gegenteiligen Effekt.

„Ich sage das ungern über mich, aber ich bin jemand, der sich extrem viel Mühe gibt. Trotzdem hatte ich Schwierigkeiten, das Unternehmen auszubauen. Ich habe all die erfolgreichen Firmen wie Marks & Spencer und Next gesehen und wollte in ihre Fußstapfen treten. Dann ist mir klar geworden, dass sie ihre Produkte selbst erzeugen.“

Von der Ladenkette zur nationalen Marke

Die nächste Phase des Unternehmens wurde zum kulturellen Ereignis, für das sich in Japan der Begriff Uniqlo-Boom dafür etabliert hat. Yanai beschloss, Polarfleece-Pullover herzustellen, da die warmen, praktischen Kleidungsstücke zwar beliebt, aber teuer waren und sich das Land in einer Rezession befand. Die Pullover wurden für 1.900 Yen, umgerechnet elf Euro, verkauft.

„Innerhalb eines Jahres hatten wir 26 Millionen Stück verkauft“, sagt Yanai. „Von einer Ladenkette wurden wir zur nationalen Marke.“ Eine Partnerschaft mit dem Ingenieurbüro Toray folgte, um Funktionskleidung zu entwickeln: die wärmende Linie HeatTech und die kühlende Linie Airism. Die HeatTech-Kollektion wird vom schwedischen Winterolympiateam getragen, die Airism-Kollektion zählt wegen ihrer schweiß­ableitenden Eigenschaften zu den meistverkauften Artikeln.

Uniqlo City

Ein weiterer Erfolg gelang 2014 mit der Einführung der leichten, dehnbaren AirSense-Chinos für 45 Euro. Die in Zusammenarbeit mit dem Golfer Adam Scott entwickelte Hose trägt Yanai auch selbst. Er besitzt zwei Golfplätze auf Hawaii. Weitere prominente Markenbotschaftern sind Tennis-Star Roger Federer und Schauspielerin Cate Blanchett.

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Zu den prominenten Uniqlo-Testimonials gehört auch Tennisstar Roger Federer.

 © Getty Images

Der Hauptsitz der Marke in Tokios Stadtteil Ariake trägt offiziell den Namen Uniqlo City. Seine Fläche gleicht der eines New Yorker Häuserblocks. Es gibt eine Bibliothek, eine Kantine und ein Café mit Vinyl-Plattenspielern, in dem Musik von Vashti Bunyan läuft, alles im Stil der 50er-Jahre. Yanai persönlich habe gebeten, die Kühlautomaten mit Holz zu verkleiden, damit sie sich in das Gesamtbild einfügen, wird erzählt.

Uniqlo City beherbergt das Designstudio, die Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Marke sowie einen Prototypen-Shop, in dem Artikel und Warenpräsentationen getestet werden. Auch andere Marken von Fast Retailing sind hier ansässig, wie Theory, J Brand und die günstigere Marke GU. Waschmaschinen und Trockner testen hier Prototypen von Kleidungsstücken.

32 Millionen Verbesserungsideen

Das Kundenzentrum sammelte im vergangenen Jahr über 32 Millionen Rückmeldungen zu Uniqlo-Produkten. Intern wird dies als „Stimme der Kunden“ bezeichnet. Die Rückmeldungen werden nicht als Beschwerden betrachtet, sondern als Verbesserungsvorschläge und wichtige Hinweise auf Schwachstellen. Dem Kundenzentrum und seinen Meldungen ist zu verdanken, dass die Ärmel von Daunenjacken nun elastisch sind, nachdem eine japanische Hausfrau bemängelt hatte, dass sie darin nur schwer aufwaschen konnte.

Die Tops mit integriertem BH gibt es nun in zwei Längen, nachdem manche Kundinnen auch den Bauch bedecken wollten. In britischen Geschäften werden vermehrt Artikel mit Kapuze angeboten, da „Briten nicht gerne Regenschirme mit sich herumtragen“.

„Wie wir im Vergleich zu anderen Marken abschneiden, ist für uns kein Thema“, sagt ein Sprecher von Uniqlo. „Wir konzentrieren uns darauf, unser Bestes zu geben. Wir wollen nicht nur Kleidung herstellen und verkaufen, sondern einen positiven Beitrag für die Gesellschaft leisten.“ Yanai stimmt zu: „Je größer ein Unternehmen wird, desto mehr sollte es sich als öffentliche Einrichtung verstehen. Solange man der Gesellschaft nichts zurückgibt, kann man das Unternehmen nicht ausbauen.“

Statt den Söhnen eine Nachfolgerin

Während sich die Tech-Elite vom Philanthropie-Modell abwendet, entwickelt Uniqlo mit internationalen Museen wie Tate Modern und Louvre Sponsoring-Programme, die Familien den Zutritt zu Kunst ermöglichen. Die T-Shirts im Souvenirshop sind von Uniqlo.

„Der Alltag wird von der Kultur anderer Länder ebenso geprägt wie von der eigenen Kultur“, sagt Yanai. Als seine Lieblingskünstler nennt er Edward Hopper und Hokusai. „Ich wünsche mir, dass Kunst mehr Wertschätzung erfährt, damit die Menschen sich gegenseitig stärker unterstützen und zu einer besseren Welt beitragen. Alle Unternehmen sollten sich für dieses Ziel einsetzen.“

Yanais zwei Söhne Kazumi (52) und Koji (49) sind leitende Angestellter bei Fast Retailing, bzw. Vorstandsmitglied. Koji Yanai ist nebenbei Filmproduzent, dessen Arbeit „Perfect Days“ mit Regisseur Wim Wenders in Cannes ausgezeichnet wurde und 2023 für einen Oscar nominiert war. Der Vater, der täglich von 7 bis 16 Uhr arbeitet, hat ausgeschlossen, den Söhnen das Unternehmen zu übergeben. Stattdessen konzentriert sich Yanai darauf, weibliche Talente im Unternehmen zu fördern. 2019 erklärte er, es wäre ihm lieber, eine Frau würde seine Nachfolge antreten.

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Uniqlo-Ausstellung im MoMa in New York mit Koji Yanai, Künstler Kaws und Präsident Global Creative John Jay.

 © Shutterstock

Er erlaubt sich Polit-Engagement

Yanai ist sich der Herausforderungen bewusst, denen sich Nachfolgende stellen müssen. In früheren Interviews bezeichnete er die Flüchtlingskrise als „das komplexeste Problem der Welt“. „Die ganze Welt ist miteinander vernetzt“, sagt er. „Informationen und Geld kümmern sich nicht um Grenzen.“

Politiker spalten uns und versuchen, Kriege anzuzetteln. Trump, Xi Jinping, Putin. Ich fürchte, wir fallen in alte Zeiten des Imperialismus zurück

Tadeshi Yanai

Uniqlo arbeitet seit 2006 mit dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, UNHCR, zusammen, um recycelte Kleidung bedarfsgerecht an weltweite Flüchtlingslager zu verteilen. Darüber hinaus spendet das Unternehmen Millionenbeträge für Hilfsprojekte in Syrien, Bangladesch und Somalia und bietet Vertriebenen Beschäftigung und Ausbildungsmöglichkeiten.

Bis Februar wurden durch das T-Shirt-Projekt „Peace For All“ 17 Millionen US-Dollar gesammelt. „Politiker spalten uns und versuchen, Kriege anzuzetteln“, fährt Yanai fort. „Trump, Xi Jinping, Putin. Ich fürchte, wir fallen in alte Zeiten des Imperialismus zurück. Die Zeiten nationaler Politik sind vorbei. Von nun an sollten auch private Unternehmen eine Hauptrolle spielen. Genau das wollte ich zum Ausdruck bringen.“

Für Uniqlo hat Yanais politisches Engagement Konsequenzen. Als er 2024 der BBC erklärte, sein Unternehmen verwende keine Baumwolle aus der chinesischen Region Xinjiang, in der es Vorwürfe von Zwangsarbeit der uigurischen Minderheit gibt, folgte daraus eine diplomatische Krise im größten Absatzmarkt der Marke mit rund 1.000 Filialen. Boykottaufrufe in den sozialen Medien haben sich seitdem gelegt.

Kein Interesse an Luxus

Auf einem Sideboard steht ein gerahmtes Foto von Barack Obama mit einer persönlichen Widmung. Ist Yanai optimistisch, was die Zukunft betrifft? „Ich habe große Bedenken, aber ich bete, dass sich die Dinge zum Guten wenden“, sagt er. Es gibt auch Kritik an der Marke. In den letzten Jahren wurde Uniqlo auf Social Media Thema Tausender „Haul-Videos“, in denen Kunden ihre Einkäufe präsentieren.

Die Läden sind stolz auf ihre üppigen Auslagen. Hinter Uniqlos minimalistischer Philosophie verbirgt sich ein Netzwerk von Fabriken, die riesige Mengen an Kleidung produzieren. Trotz des Mottos „Weniger ist mehr“ sehen manche die Marke lediglich als akzeptable Ausprägung von Fast Fashion. „Unser Ziel ist es, Menschen glücklich zu machen“, beharrt Yanai zum Abschluss des Gesprächs. „Ich habe die Welt durch Kleidung verbunden. Das ist meine Lebensaufgabe.“

Bleibt die Frage, welchen Luxus sich Japans reichster Mann gerne gönnt? „Luxus interessiert mich nicht“, sagt Tadashi Yanai. „Ich führe ein mehr als zufriedenstellendes, überdurchschnittliches Leben. Ich hatte das Glück, erfolgreich zu sein. Das genügt mir. Und ich liebe diese Jacke. Wirklich.“

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 30+31/2026 erschienen.

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