Am 2. September eröffnete die Ausstellung GASTEIGER im Museum St. Peter an der Sperr in Wiener Neustadt. Gezeigt werden Arbeiten des Künstlers Jakob Gasteiger aus der Sammlung Werner Trenker – eine malerische Sinfonie.
Als das Licht der tiefstehenden Abendsonne durch die gotischen Spitzbogenfenster der Ausstellungskirche St. Peter an der Sperr fällt, taucht sie den polygonalen Altarraum in warmes Spätsommerlicht. Und erweckt das Relief der zeitgenössischen Malerei am alten Gemäuer zum Leben: „Genau das, was dieser Raum braucht“, freut sich Initiator Werner Trenker über sein bereits drittes Heimspiel. Nach Nitsch und Prachensky in den Vorjahren, zeigt der Wr. Neustädter Unternehmer und Kunstmäzen nun Arbeiten einer weiteren Gegenwartsposition aus der Sammlung Werner Trenker: Jakob Gasteiger.
v.l. Sportwissenschaftlerin Nina Schröder, Eva Schoba, Sonja Zsolnai-Kasztler (Sammlerin) und Künstlerin Michela Ghisetti
© NEWSAnalytisches Ausloten
Im Konflikt mit der klassischen Malerei entwickelt der 1953 in Salzburg geborene Künstler in den 80er Jahren eine unverwechselbare Bildsprache. Mit der expressiven Figuration hadernd, begibt er sich dazu auf die Suche nach einer Möglichkeit, die Malerei und Grafik vereint: Er malt mit Ölfarbe, die er pastos aufgetragen als Material verwendet, und beginnt darin zu kratzen. Der künstlerische Heureka-Moment: Gasteiger nutzt ein herumliegendes Sägeblatt, um die Farbe auf der Leinwand durch wiederholte, meditative Bewegungen zu strukturieren. Diese Anonymität seines Malwerkzeuges beginnt er über die Jahre zu kultivieren, fertigt seine Kammspachteln schon bald selbst und lotet in seiner Post-Radikalen Malerei – einer Schnittstelle zwischen Malerei, Grafik und Skulptur – mit Konsequenz auf eine Neues aus, was Malerei überhaupt definiert.
v.l. die Künstler Hannes Mlenek und Robert Comploj, Grabmayr Estate CEO Jakob Grabmayr
© NEWSRhythmisches Staccato
„Zuerst ist es die Farbe, die auffällt. Danach die Form. Und dann stellt sich vielleicht die Frage, was man da eigentlich sieht“, zeigt sich Werner Trenker mit ungebrochener Begeisterung für Gasteigers Werk, das dazu einlade, zu erkunden – ohne dabei zu erzählen. Stellt man Kurator Klaus Albrecht Schröder, der dem singulären OEuvre als ehemaliger Direktor der Albertina eine große Einzelpräsentation widmete, ebendiese Frage, so ist die Antwort folgende: „Eine malerische Sinfonie – ein rhythmisches Staccato, das es ermöglicht, mit den Augen zu hören.“
Der feierlichen Eröffnung durch Wr. Neustadts Kulturstadtrat Franz Piribauer folgte der Ausklang des Abends – bei Schmankerln aus dem Burgenland.
v.l. Dompfarrer Toni Faber, Verfassungsrechtlerin Gabriele Kucsko-Stadlmayer und Konzeptkünstler Guido Maria Kucsko
© NEWSKUNSTTIPP
Erlebbar sind Jakob Gasteigers visuelle Klänge, die den körperlich-gestischen Malprozess sichtbar machen, noch bis 1. November im Museum St. Peter an der Sperr in Wiener Neustadt.
