ABO

Hakeem Jeffries nach den Midterms: Warum seine Wahl zum Speaker historisch wäre

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
11 min
Hakeem Jeffries spricht an einem Rednerpult
Hakeem Jeffries am Rednerpult. Foto:©Office of the Democratic Leader/Public Domain

Nach dem Sieg der Demokraten bei den Midterms ist Hakeem Jeffries der Favorit für das dritthöchste Amt der USA. Warum seine Wahl zum Speaker eine Premiere in 237 Jahren wäre und welcher Weg den Anwalt aus Brooklyn so weit geführt hat.

News auf Google bevorzugen

Die Demokraten haben bei den Midterms am 3. November 2026 nach den Hochrechnungen der Wahlnacht die Mehrheit im US-Repräsentantenhaus zurückerobert, und damit rückt Hakeem Jeffries ins Zentrum der Macht in Washington. Der 56-jährige Abgeordnete aus Brooklyn führt seit Jänner 2023 die demokratische Fraktion und gilt nun als klarer Favorit für das Amt des Speakers, also des Vorsitzenden der Kammer. Nach Präsident und Vizepräsident steht der Speaker an dritter Stelle der Nachfolge im Staat.

Gewählt wird er erst, wenn der neue Kongress Anfang Jänner 2027 zusammentritt. Gelingt das, schreibt Jeffries Geschichte: Er wäre der erste Schwarze Speaker in der 237-jährigen Geschichte des Repräsentantenhauses und der 57. Amtsinhaber seit 1789. „Heute beginnt das große amerikanische Comeback“, rief er in der Wahlnacht seinen Anhängerinnen und Anhängern zu.

Die Wahlnacht: Ein Comeback mit Ansage

Für die Mehrheit sind 218 der 435 Sitze nötig. Erste Hochrechnungen sahen die Demokraten in der Wahlnacht deutlich darüber, einige Projektionen gingen von bis zu 244 Mandaten aus. Auch im Senat zeichnete sich eine demokratische Mehrheit ab, unter anderem mit dem Sieg von James Talarico in Texas. Für Präsident Donald Trump, dessen Republikaner beide Kammern kontrolliert hatten, bedeutet das Ergebnis das Ende der vollen Kontrolle über den Kongress.

Jeffries deutete den Ausgang als Abrechnung mit der Regierung. „Das amerikanische Volk hat gesprochen und klargemacht, dass es genug hat vom Extremismus, genug von der Korruption“, sagte er in seiner Siegesrede. Die Menschen wollten einen Kongress, der für sie liefere. Schon im Wahlkampf hatte er das Thema vorgegeben. „Ein dramatischer Wandel ist notwendig. Die Amerikanerinnen und Amerikaner wissen, dass es nicht gut läuft“, sagte er am 21. Oktober, wie sein Büro als Fraktionschef dokumentiert, und forderte unter anderem den massiven Bau leistbarer Wohnungen.

Trump selbst reagierte auf seiner Plattform Truth Social mit dem Hinweis, er sei nicht auf dem Stimmzettel gestanden, sonst hätten die Republikaner haushoch gewonnen.

Blurred image background
Hakeem Jeffries, Fraktionschef der Demokraten im US-Repräsentantenhaus, vor der US-Flagge

Hakeem Jeffries vor der US-Flagge, Bild aus dem Amt des demokratischen Fraktionsführers im Repräsentantenhaus.

 © Office of the Democratic Leader/Public Domain

So läuft die Wahl zum Speaker

Formal ist Jeffries noch nicht am Ziel. Zunächst bestimmt die neue demokratische Fraktion hinter verschlossenen Türen ihre Kandidatin oder ihren Kandidaten, das soll noch im November geschehen. Die eigentliche Wahl findet im Plenum statt, sobald der neue Kongress Anfang Jänner vereidigt ist. Dort braucht der Speaker die Mehrheit der abgegebenen Stimmen, bei einer knappen Mehrheit kann jede Abweichlerin und jeder Abweichler entscheidend sein.

Ernsthafte Konkurrenz gilt nach Angaben aus Parteikreisen als unwahrscheinlich. Ganz geschlossen ist der linke Flügel aber nicht: Einzelne progressive Neuzugänge haben sich noch nicht festgelegt, ob sie für Jeffries stimmen werden. Rückhalt in der Fraktion hat er bisher stets gehabt, laut seinem offiziellen Lebenslauf wählten ihn seine Kolleginnen und Kollegen 2022 und 2024 jeweils einstimmig zum Fraktionsführer. Damit ist er bereits der ranghöchste Demokrat im Repräsentantenhaus.

Herkunft: Aus Crown Heights an die Eliteuniversitäten

Hakeem Jeffries kam laut seiner offiziellen Biografie im Brooklyn Hospital zur Welt und wuchs im Stadtteil Crown Heights auf, das Geburtsjahr 1970 verzeichnet die Kongressdatenbank Voteview der University of California. Nach der Midwood High School studierte er Politikwissenschaft an der State University of New York in Binghamton und schloss mit Auszeichnung ab. Es folgten ein Master in Public Policy an der Georgetown University in Washington und das Jusstudium an der New York University, das er mit magna cum laude abschloss. Dort arbeitete er auch an der Law Review mit.

Seine juristische Laufbahn begann er als Mitarbeiter von Bundesrichter Harold Baer Jr. am Bezirksgericht für den Süden New Yorks. Danach war er einige Jahre Anwalt bei der international tätigen Kanzlei Paul, Weiss, Rifkind, Wharton & Garrison, später Justiziar in der Prozessabteilung von Viacom und CBS. Erst danach wechselte er in die Politik.

Blurred image background
Hakeem Jeffries im Plenarsaal des US-Repräsentantenhauses

Hakeem Jeffries im Plenarsaal des US-Repräsentantenhauses.

 © Office of the Democratic Leader/Public Domain

Werdegang: Vom Landesparlament in den Kongress

Politisch begann Jeffries im Landesparlament des Bundesstaats New York, dem er sechs Jahre angehörte. 2010 setzte er dort die erste nennenswerte gesetzliche Einschränkung der umstrittenen Stop-and-Frisk-Praxis der New Yorker Polizei durch: Seither darf die Polizei keine elektronische Datenbank mit persönlichen Daten von Menschen führen, die angehalten und durchsucht, aber nicht angeklagt wurden.

Seit 2013 sitzt er laut Voteview im Repräsentantenhaus, wo er den achten Wahlbezirk New Yorks vertritt. Laut dem Büro des Parlamentsschreibers legte er den Amtseid für die laufende Periode am 3. Jänner 2025 ab. In seinen ersten Jahren saß er unter anderem im Justiz- und im Haushaltsausschuss. Als führender demokratischer Unterstützer des überparteilichen FIRST STEP Act brachte er eine Strafrechtsreform mit auf den Weg, die Trump im Dezember 2018 unterzeichnete.

Parallel stieg er in der Partei auf. Er war Whip des Congressional Black Caucus, Ko-Vorsitzender des demokratischen Politik- und Kommunikationsausschusses und in zwei Legislaturperioden Vorsitzender der demokratischen Fraktionsversammlung. Im Jänner 2020 holte ihn die damalige Speakerin Nancy Pelosi in das Team der sieben Anklagevertreter im Senatsverfahren zur Amtsenthebung Trumps. Er war laut seiner Biografie der erste afroamerikanische Mann in dieser Rolle.

Blurred image background
Hakeem Jeffries bei einer Pressekonferenz der Demokraten im Repräsentantenhaus auf den Stufen des Kapitols

Hakeem Jeffries bei einer Pressekonferenz der Demokraten im Repräsentantenhaus auf den Stufen des Kapitols in Washington.

 © Office of the Democratic Leader/Public Domain

An der Spitze der Fraktion: Nachfolger von Nancy Pelosi

Nach den Midterms 2022 wählten ihn die Demokraten im Repräsentantenhaus zum Nachfolger von Nancy Pelosi an der Fraktionsspitze. Zwei Jahre lang führte er die Opposition gegen eine knappe republikanische Mehrheit und wurde nach der Wahl 2024 erneut einstimmig bestätigt.

In Trumps zweiter Amtszeit trat Jeffries als einer der wichtigsten Gegenspieler des Präsidenten im Kongress auf. Zuletzt kritisierte er in Houston die Abschiebepolitik der Regierung. „Wir sind überzeugt, dass die Durchsetzung der Einwanderungsgesetze fair, gerecht und menschlich sein sollte“, sagte er am 26. Oktober laut einer Mitteilung seines Büros. Als Schwerpunkt für die neue Mehrheit nannte er im Wahlkampf wiederholt die Lebenshaltungskosten, die Demokraten wollten sich mit aller Kraft auf leistbares Leben konzentrieren.

Blurred image background
Hakeem Jeffries spricht bei der Kundgebung Healthcare Over Billionaires

Hakeem Jeffries bei der Kundgebung „Healthcare Over Billionaires“.

 © Office of the Democratic Leader/Public Domain

Haltung und Kritik

Inhaltlich setzte Jeffries im Wahlkampf auf Alltagsthemen wie Wohnen, Gesundheitskosten und Kaufkraft. Gleichzeitig kündigte er eine harte Gangart gegenüber der Regierung an: Kurz vor der Wahl sagte er, eine demokratische Mehrheit werde als eine der ersten Maßnahmen Verteidigungsminister Pete Hegseth aus dem Amt drängen wollen. Trump wiederum spielte die Niederlage seiner Partei herunter und verwies darauf, dass er selbst nicht zur Wahl gestanden sei.

In der eigenen Partei steht Jeffries vor einer anderen Aufgabe: Einzelne progressive Neuzugänge wollen sich ihre Unterstützung für ihn erst noch überlegen. Wie er diese Spannungen in einer Mehrheit austariert, dürfte über seinen Erfolg als Speaker entscheiden.

Familie

Jeffries lebt nach eigenen Angaben mit seiner Familie im Brooklyner Stadtteil Prospect Heights und damit in jenem Bezirk, den er seit 2013 in Washington vertritt.

Quellen

Office of the Democratic Leader: About the House Democratic Leader (2026)

Office of the Clerk, U.S. House of Representatives: Hakeem S. Jeffries, 119th Congress Profile (2026)

UCLA Voteview: Jeffries, Hakeem (1970-) (2026)

Office of the Democratic Leader: Leader Jeffries on News 12: Dramatic Change Is Necessary (21. Oktober 2026)

Office of the Democratic Leader: Leader Jeffries in Houston (26. Oktober 2026)

Weitere Quelle: Reuters über Arab News, Siegesrede und Ablauf der Speaker-Wahl (4. November 2026); CBS News, Wahlergebnis Texas (3. November 2026)

Politik Ausland
Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER