ABO

Charisma und Affären: Bill Clinton wird 80

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
4 min
Artikelbild

Bill Clinton

©Imago / Everett Collection

Bill Clinton wird 80 und bleibt politisch präsent: Erfolge, Affären, Hillarys Niederlage gegen Trump und eine Freundschaft über Parteigrenzen hinweg prägen das Leben des Ex-Präsidenten.

von

„Ich bin immer noch jünger als Donald Trump“: Mit dieser Feststellung hat Bill Clinton bereits vor zwei Jahren für Lacher gesorgt. Am Mittwoch wird der frühere Präsident 80, gut zwei Monate nach Trump. Das Weiße Haus hat der Demokrat zwar schon vor einem Vierteljahrhundert verlassen, Clinton macht aber immer noch Schlagzeilen.

Wegbereiter für MAGA

„Bill Clinton hat die Sozialhilfe beendet und den Weg für MAGA bereitet“, titelte Ende Juli die Washington Post. Sie erinnerte daran, dass Clinton vor 30 Jahren ein Wohlfahrtsprogramm aus dem „New Deal“ der 1930er-Jahre abschaffte. Damit habe der Demokrat Trumps Sozialhilfekürzungen vorweggenommen, befand das Blatt.

Auch die Affäre um den verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein holte Clinton wieder ein. Fotos aus den kürzlich veröffentlichten Epstein-Akten zeigen ihn unter anderem in einem Pool neben Epstein-Komplizin Ghislaine Maxwell, die ihrem Freund jahrelang Minderjährige zugeführt hatte. Clinton musste deshalb zusammen mit seiner Frau Hillary eine Kongressanhörung über sich ergehen lassen. Er gab an, für seine politische Stiftung in Epsteins Privatflugzeug gereist zu sein, bestritt allerdings, von dessen Verbrechen gewusst zu haben.

Saxofon, Jus und Eliteuni

Geboren wurde William Jefferson Clinton am 19. August 1946 in der Kleinstadt Hope im Bundesstaat Arkansas. Nach dem Tod seines Vaters bei einem Autounfall wuchs er bei seiner Mutter und dem Stiefvater auf. Obwohl dieser Alkoholiker war, nahm Clinton seinen Nachnamen an. Bill Clinton spielte Saxofon in der Schulband, studierte Jus und lernte an der Eliteuniversität Yale Hillary Rodham kennen. Das Paar heiratete 1975.

Sein Charisma und sein Redetalent führten Bill Clinton in die Politik: Mit 32 Jahren wurde er der bis dato jüngste Gouverneur des südlichen Bundesstaates Arkansas, das Amt hatte er mehr als zehn Jahre inne. Nach seinem deutlichen Sieg gegen George H.W. Bush bei der Präsidentschaftswahl 1992 zog er mit nur 46 Jahren ins Weiße Haus ein.

Zu den Erfolgen seiner beiden Amtszeiten von 1993 bis 2001 zählen Historiker ein starkes Wirtschafts- und Jobwachstum sowie das Freihandelsabkommen mit Kanada und Mexiko (NAFTA). Kritiker werfen ihm einen Abbau der Sozialhilfe vor.

Wiederholt wegen Affären unter Druck

Seine Liebe zu Frauen machte Clinton dagegen Probleme: Wiederholt geriet er wegen Affären und Vorwürfen sexueller Belästigung unter Druck. Beinahe das Amt kostete ihn die Affäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky. Clintons Lüge, er habe „keine sexuelle Beziehung“ zu der 27 Jahre jüngeren Frau gehabt, gipfelte 1998 in einem

Amtsenthebungsverfahren des Repräsentantenhauses, der Senat sprach ihn jedoch frei. Sein Biograf Joe Klein sprach später von einem „Clinton-Dilemma“: „Solide Politik und brillantes politisches Geschick wurden von seinem anstößigen Verhalten überschattet.“

Nach Clintons Ausscheiden aus dem Amt musste er sich 2004 am Herzen operieren lassen, vier Bypässe wurden gelegt. Dafür startete seine Frau Hillary durch. Sie arbeitete im US-Senat, wurde Außenministerin unter Barack Obama und peilte selbst das Weiße Haus an. Als Präsidentschaftskandidatin der Demokraten unterlag sie jedoch 2016 Trump.

Rückzug ins Privatleben

Nach der verlorenen Wahl zogen sich die Clintons weitgehend ins Privatleben zurück und widmeten sich ihrer Tochter Chelsea und den drei Enkelkindern. Unter dem Titel „Citizen: Mein Leben nach dem Weißen Haus“, erschienen nach Trumps erneutem Sieg bei den Präsidentschaftswahlen 2024 Bill Clintons Memoiren auf Deutsch. Darin kritisierte er Trump als Autokraten, sprach aber vor allem von seinem eigenen gesellschaftlichen Engagement.

Eine enge Freundschaft verbindet Bill Clinton mit einem anderen Republikaner: Altpräsident George W. Bush. Diesem gratulierte der Demokrat bereits am 6. Juli zum 80. Geburtstag. Die Freundschaft über Parteigrenzen hinweg sei ihm besonders wichtig, erklärte Clinton in einem Seitenhieb gegen Trump. „Unser Land ist stärker, wenn wir uns an das erinnern, was uns eint. Denn es ist größer als das, was uns trennt.“

Über die Autoren

Logo
Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER