Vor 200 Jahren erfand James Sharp den ersten Gasherd mit verstellbarer Gaszufuhr. Zunächst stieß die Idee auf Skepsis, doch im 20. Jahrhundert war der Gasherd aus Küchen kaum mehr wegzudenken.
Im Jahr 1826 begann der Engländer James Sharp in Northampton mit einer Idee zu experimentieren, die das Kochen grundlegend verändern sollte. Statt Holz oder Kohle zu verbrennen, wollte er Gas als Wärmequelle verwenden. Sharp arbeitete für die Northampton Gas Company.
Die Verwendung von Gas war damals keine neue Entdeckung. In den schnell wachsenden englischen Städten während der industriellen Revolution wurde aus Kohle sogenanntes Stadtgas hergestellt und durch Leitungen transportiert, diente jedoch ausschließlich der Beleuchtung.
London hatte bereits 1807 die ersten Straßen-Gaslaternen. Bald beleuchteten sie Fabriken, Theater, Geschäfte, luxuriöse Wohnungen und Paläste. Sharp wagte den Versuch von der Lampe zum Kochtopf.
Umsetzung
Sharp war allerdings nicht der Erste. Bereits 1802 experimentierte der deutsch-mährische Erfinder Zachäus Winzler mit einem gasbetriebenen Kochapparat. Er scheiterte mit der Umsetzung. Erst Sharp präsentierte den ersten Gasherd mit verstellbarer Gaszufuhr und patentierte seine Idee 1826.
Doch die Briten, die seit Jahrhunderten mit Kohle und Holz das Kochen kontrollierten, waren skeptisch und lehnten die Umstellung ab. Die ersten Gasherde waren zu groß, ungewohnt und für viele beängstigend. Stadtgas roch unangenehm, war giftig und konnte bei falscher Handhabung Explosionen verursachen. In den größeren Städten fehlte die notwendige Infrastruktur. Ein Kohleherd funktionierte überall. Feuer zum Kochen konnte in den einfachsten Hütten und Wohnungen gemacht werden.
Sharp ließ sich nicht entmutigen. Zehn Jahre lang arbeitete er an seinem Modell. Der Gasherd wurde kleiner und Sharp verbesserte die Sicherheitsvorkehrungen. Er reiste durchs Land, veranstaltete öffentliche Kochvorführungen, bis er 1834 einen Investor überzeugen konnte, und 1836 in Northampton die erste Fabrik zur Produktion von Gasherden eröffnete.
Herdplatte
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert setzte sich der Gasherd langsam durch. Die ersten Geräte unterschieden sich nicht wesentlich von modernen Gasherden. Sharp baute einen Herd mit vier Flammen und einem Backrohr. Eine Sensation im Vergleich zu den rauchenden Kohle- und Holzherden, auf denen nur durch Verschieben der Töpfe und Pfannen auf der Herdplatte die Temperatur verändert werden konnte.
Sharp suchte einen „Star“, um seine Idee durchzusetzen. Er überzeugte Alexis Soyer, einen der berühmtesten Köche des viktorianischen England und Chef de Cuisine des vornehmen Reform Club in London. Der Reform Club war das erste Nobel-Restaurant, das Gasherde in der Küche einbauen ließ.
Selbstverständlichkeit
Sharp verstand es auch, sich selbst wirkungsvoll zu inszenieren. 1850 demonstrierte er, was seine neue Technik leisten konnte. Im Anschluss an einen Vortrag über Gastronomie bereitete er auf seinen Gasherden ein vollständiges Essen für die 120 anwesenden Gäste.
Mit Beginn des 20. Jahrhunderts war der Gasherd in jeder Küche eine Selbstverständlichkeit. Sein Erfinder, James Sharp, vergessen. Es existiert keine Biografie, kein genaues Geburtsdatum, kein Todestag.
