So wie Gernot Blümels Medienenquete lässt Andreas Bablers ORF-Konvent etwas Zutrauen zu der Lösung des gordischen Standort-Knotens keimen. Das große Palaver hat neben Reformansätzen vor allem Erwartungen produziert – an die Medienpolitik. Sie muss endlich wagen, den Knoten zu zerschlagen.
Am Anfang war das Wort: Andreas Babler eröffnete die zweitägige Expertenberatung zur öffentlich-rechtlichen Medienzukunft rhetorisch angemessen mit einer ideologiebefreiten, tiefgehenden Einladung zur tabulosen Diskussion. Es folgte das Missverständnis: Ingrid Thurnher beschwor in ihrem Auftakt-Statement die digitale Entfesselung des ORF. Prompt verflüchtigte sich bei den Vertretern der Privatmedien das Aufatmen nach dem Vizekanzler im Zähneknirschen zur Küniglberg-Generalin.
Doch was anders hätte sie fordern sollen? Die Mitbewerber haben das Zukunftsforum zum ORF offenbar mit einer Utopie-Enquete für die gesamte Medienbranche verwechselt, wie Gernot Blümel sie 2018 veranstaltet hatte. Außer kurzfristiger Zuversicht und schönen Kooperationsworten ist davon nichts geblieben. Deshalb vermied die Bablerista einen offiziellen Anspruch über den ORF hinaus, den sich manche Experten – wie Ihr Kolumnist – auch diesmal gewünscht hätten. Eine lautstarke Forderung der Privatmedien nach dieser Ausweitung gab es vorab aber nicht.
Arbeitsgruppe am Rande des Abbruchs
Da jede Reform des überdominanten ORF den nationalen Medienmarkt verändert, sind die Privaten ohnehin betroffen. Dass sie in eine Arbeitsgruppe – Kooperation – gezwängt wurden, ist angreifbar. Sie hätten viel zu Auftrag oder Digitalisierung beitragen können. Doch auch die Parteisprecher Henrike Brandstötter, Sigi Maurer, Klaus Seltenheim und Markus Gstöttner waren mit Armin Wolf in einem Workshop konzentriert, was Konsens zu Publikumsvertretung und Unternehmensstruktur mehr Verbindlichkeit beschert.
Bei fünf parallel arbeitenden Gruppen mit 200 Experten hatte niemand in Echtzeit den Gesamtüberblick. Warum ein Arbeitskreis fast geplatzt wäre, lässt sich aber bei Kronehit-Chef Philipp König auf LinkedIn nachlesen. Er setzte mit seinem Ausstieg jedoch bloß die Kampagne der Boulevardtitel Krone, Heute und Oe24 fort, die Babler und sein Forum vollkommen realitätsfern verunglimpften.
Letztlich wurde so das Gegenteil erreicht, dass neben dem Zeitungsverband VÖZ auch das Privatsenderpendant VÖP seine Leute am Konferenztisch beließ. ORF-General Clemens Pig und VÖZ-Präsident Rainer Nowak hatten dazu noch rechtzeitig das persönliche Gespräch unter Auch-Tirolern gesucht.
Gegenwind von FPÖ und Boulevard
Auf dem Spiel steht ein Kraftakt à la Schweiz. SRG-Chefin Susanne Wille erklärte in ihrer Keynote am zweiten Tag, dass 95 Prozent von politisch verordneten 285 Millionen Euro Kürzung bis 2029 durch Einsparung in Strukturen erreicht würden. Härter konnte die Vorbereitung auf Pigs Abschlussrede nicht sein. Seinem Versprechen einer Reform an Haupt und Gliedern folgten die Befürchtung eines Tals der Tränen und ein konkretes Kooperationsangebot an die Privaten: Media Connect.
Dieses Aufeinanderzugehen erklärt den Geifer vom Boulevard, der wie die FPÖ nicht teilgenommen hat. Sie initiiert lieber ein Volksbegehren gegen die Haushaltsabgabe und den ORF, wie wir ihn kennen. Unterstützt von Krone, Heute und Oe24? Das Ringen um den Küniglberg wird ein Team-Match um die Republik. Beider Morgen entsteht nicht dadurch, wie gut Experten beraten haben, sondern was Politik danach auch gegen Widerstand umsetzt. Zukunftsforen produzieren Erwartungen, Reformen bewirken Zumutungen. Sie sind mutig auszuhalten.
Was meinen Sie? Schreiben Sie mir: pp@plaikner.at
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 38/2026 erschienen.
