ABO

Zwischen Sport und Kultur: Pig wirbt für starke ORF-Partnerschaften

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
5 min
Artikelbild

Clemens Pig

©ORF, Thomas Ramstorfer

Der designierte ORF-Generaldirektor Clemens Pig will die Zusammenarbeit mit Sport, Kultur und anderen Gesellschaftsbereichen vertiefen. Bei einem ersten Dialog mit ÖFB, ÖSV, Wiener Symphonikern und „Woodstock der Blasmusik“ betonte er die Bedeutung starker Partnerschaften für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

von

News auf Google bevorzugen

Der ORF startet in einen umfassenden Dialogprozess mit seinen Partnern aus verschiedenen Gesellschaftsbereichen, um von ihren Schwierigkeiten zu erfahren und die künftige Richtung der Zusammenarbeit auszuloten. Starke Partnerschaften seien wesentlich, um von einer „zersplitterten, polarisierten Welt identitätsstiftend zu sein“ und für Momente zu sorgen, über die man am nächsten Tag spricht, hielt der designierte ORF-Generaldirektor Clemens Pig am Montag fest.

Er hatte gemeinsam mit ORF-Stiftungsratsvorsitzenden Heinz Lederer zuvor das Gespräch mit ÖFB-Aufsichtsratsvorsitzenden Josef Pröll, ÖSV-Präsidentin Roswitha Stadlober, Wiener-Symphoniker-Intendanten Jan Nast und „Woodstock der Blasmusik“-Festivalchef Simon Ertl gesucht. Sie alle versicherten bei einem anschließenden Pressegespräch, wie wichtig der ORF für ihren jeweiligen Bereich sei.

Pröll: „ORF enorm wichtig“

Rund 45.000 Zuschauer waren am Sonntagabend beim Heimsieg von Österreichs Fußball-Herren-Nationalteam im Ernst-Happel-Stadion dabei, vor den Fernsehgeräten erreichte der ORF mit seiner Übertragung im Schnitt 934.000 Personen. „Für uns ist der ORF aber auch abseits des Nationalteams enorm wichtig“, sagte Pröll. Die Entwicklung des Frauenfußballs in der Breite wäre ohne den ORF so nicht möglich gewesen. Auch brauche man die reichweitenstarke Werbung für den Sport, um Nachwuchs zu generieren.

„Wir hätten den Nachwuchs ohne die Sichtbarkeit durch den ORF so nicht“, bestätigte auch ÖSV-Präsidentin Stadlober. Zudem sei man ein Garant für hohe Einschaltquoten. Die positiven Effekte dadurch würden auch auf andere Branchen übergreifen. Wenn die Bilder des ORF von diversen Wintersportereignissen nach draußen gehen, müssten Rezeptionen doppelt besetzt werden, um die Buchungen abzufangen, sah sie etwa einen positiven Effekt für die Tourismusbranche gegeben.

26 Prozent bzw. knapp 12.000 Stunden entfielen 2025 im ORF-Programm auf den Sportbereich. Mehr als 80 Prozent des Werbewerts des Männer-Fußball-Nationalteams seien auf die TV-Verwertung zurückzuführen, wovon wiederum ca. 60 Prozent durch die TV-Berichterstattung des ORF generiert werden, wird in den Presseunterlagen exemplarisch der finanzielle Nutzen der Zusammenarbeit hervorgestrichen.

Ertl: ORF trägt Kulturgut ins Land hinaus

Das Festival „Woodstock der Blasmusik“ würde es auch ohne ORF geben. Der ORF habe aber die Möglichkeit, das Kulturgut Volksmusik ins Land hinauszutragen, so Ertl. Dank der Partnerschaft mit dem ORF habe sich die Wahrnehmung der Blasmusik in den vergangenen Jahren verändert. „Blasmusik ist wieder hip“, freute er sich. Man selbst könne ein Erlebnis vor Ort schaffen, „aber nur mit dem ORF ist es möglich, ein Erlebnis für Österreich zu schaffen“, unterstrich der Festivaldirektor.

Auch für die Wiener Symphoniker ist der ORF ein „sehr treuer Begleiter“, sagte Intendant Nast. Er verwies auf das Adventskonzert im Stephansdom oder auch das „Praterpicknick“. Der ORF schaffe Sichtbarkeit und sei Kooperationspartner auf Augenhöhe.

In Summe berichtet der ORF über 1.000 kulturelle Veranstaltungen pro Jahr. In den in Summe 19 Prozent des Fernsehprogramms ausmachenden Kulturbereich investiert das öffentlich-rechtliche Medienhaus jährlich rund 120 Millionen Euro.

Blurred image background

Der designierte ORF-Generaldirektor Clemens Pig, Josef Pröll (ÖFB-Aufsichtsratsvorsitzender), Roswitha Stadlober (ÖSV-Präsidentin), Jan Nast (Intendant Wiener Symphoniker), Simon Ertl (Festivalchef „Woodstock der Blasmusik“), ORF-Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer.

 © ORF, Thomas Ramstorfer

Pig: „Wir brauchen uns gegenseitig“

Wenn es den ORF nicht gäbe, würde eine große Bühne für österreichischen Sport und Kultur verloren gehen, fasste der designierte ORF-Chef Pig zusammen. Gemeinsam mit den Privatsendern könne man von allen Facetten, die das Land ausmachen erzählen. Große internationale Plattformen würden diese Rolle jedenfalls nicht übernehmen, so Pig. „Wir haben uns vergewissert, wo wir stehen und wollen Partnerschaften stärker vor den Vorhang holen“, sagte er und stellte fest: „Wir brauchen uns gegenseitig.“

Um relevant zu bleiben, solle der öffentlich-rechtliche Rundfunk künftig mutiger im Programm werden, junge Künstlerinnen und Künstler in die „Auslage stellen“. ORF Sport+ sieht Pig als „starken Hebel, um die Breite abbilden zu können“. An der Formel 1 will er in Kooperation mit ServusTV festhalten. „Wir dürfen Lagerfeuermomente auf keinen Fall zu früh aufgeben“, so Pig.

Lederer: ORF soll „positive Vibes“ verbreiten

Man habe nun vor, auch andere Stakeholder-Gruppen anzusprechen und generell als ORF nach außen zu gehen und „positive Vibes“ zu verbreiten, sagte ORF-Stiftungsratsvorsitzender Lederer. „Wir brauchen den Austausch, müssen wissen, wo der Schuh drückt und in welche Richtung es geht“, will er auch „harte Fakten“ – wie die Disruption am Sportrechtemarkt und knappe ORF-Finanzen – diskutieren.

Über die Autoren

Logo
Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER