Dem ORF fehlen künftig 93 Millionen Euro pro Jahr. Generaldirektorin Ingrid Thurnher kündigt Einschnitte bei Führungskräften, Pensionskassen und Zusatzleistungen an. Auch der ORF-Shop und die Abteilung „ORF-Stars“ sollen eingestellt werden. Die Gewerkschaft kritisiert den Umgang mit den Beschäftigten.
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Die von ORF-Chefin Ingrid Thurnher bereits avisierten harten Einschnitte aufgrund des hohen, recht kurzfristigen Sparbedarfs nehmen langsam Gestalt an. So teilte sie in einer der APA vorliegenden Mitarbeiterinformation mit, dass in der Marketing-Tochter OMC etwa der ORF-Shop und die Abteilung „ORF-Stars“ eingestellt werden müssen. Auch werde es künftig weniger Führungskräfte geben und somit auch „viel weniger Hauptabteilungen“.
Generell werde es auch in allen anderen Bereichen zu „strengen Einsparungsvorgaben“ kommen. Um die Last auf möglichst viele Schultern zu verteilen, seien bereits erste Maßnahmen gesetzt worden. „Die Zahlungen an die Pensionskassen werden ausgesetzt, bei Mehrdienstleistungen und Pauschalen müssen ganz harte Grenzen gesetzt werden, alle Zusatz-Zahlungen werden strikt evaluiert“, schreibt Thurnher. Und: „Wir werden auch über Nulllohnrunden nachdenken müssen.“ Nicht jeder, der gegenwärtig im ORF beschäftigt sei, werde seinen Job behalten können, bedauerte die ORF-Generaldirektorin.
93 Mio. Euro weniger pro Jahr erschüttern ORF „in Grundfesten“
Hintergrund ist, dass der ORF künftig 93 Mio. Euro pro Jahr weniger zur Verfügung hat, da die Bundesregierung die Kompensation für den Entfall des Vorsteuerabzugs mit dem Umstieg auf den ORF-Beitrag gestrichen hat. „Ich habe von Anfang an gesagt: Diese Kürzungen werden den ORF in seinen Grundfesten erschüttern, und ja: das Publikum wird es spüren“, betonte Thurnher erneut. Zunächst treffe es aber die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, was aber „nichts mit der Qualität ihrer Arbeit zu tun“ habe.
Der Geschäftsführung ab 2027 unter Clemens Pig zeige man auch weitere Möglichkeiten für Einsparungen auf. Beschlossene Sache sei noch nichts. Man suche nach Antworten – etwa auf Fragen wie „Wie führen wir ORF III als Sender weiter? Können wir uns das Orchester noch leisten? Welche Sendungen werden wir einstellen müssen? Wie viele Mitarbeiter werden uns verlassen müssen?“
Finales Budget für 2027 Ende November fixiert
Das finale Budget für 2027 und eine Finanzvorschau für die folgenden Jahre wird am 26. November in einer Sitzung des ORF-Stiftungsrats beschlossen. Am Donnerstag traf sich der Finanzausschuss des obersten ORF-Gremiums zu einer Sondersitzung, um sich über den Budgetpfad unterrichten zu lassen. Bis Ende November werde es noch viele Gespräche und Abstimmungsrunden geben. Man wolle jedenfalls „möglichst rasch Klarheit“ schaffen.
Laut einem Artikel der Salzburger Nachrichten von Mittwochabend werden in der ORF-Marketingtochter OMC u.a. durch das nun von Thurnher angeführte Aus für den ORF-Shop und die Abteilung „ORF-Stars“ 20 Stellen abgebaut. Die Gewerkschaft GPA reagierte in einer Aussendung empört. Die gesetzlich abgesicherten Rechte des zuständigen Betriebsrats seien ignoriert worden. Auch der Umgang mit den Beschäftigten sei inakzeptabel, kritisierte Gewerkschaftsvorsitzende Barbara Teiber. Die Kürzungen seien schlimm genug. „Die Betroffenen haben sich zumindest eine Umsetzung auf Augenhöhe und im Rahmen einer fair gelebten Sozialpartnerschaft verdient“, so Teiber. Man werde jede Kündigung bekämpfen, hielt OMC-Betriebsratsvorsitzende Isabella Switil fest.
