ABO

„Schwarze Samstage“: Maxim Biller über alten und neuen Judenhass

Aktualisiert
Lesezeit
3 min
Artikelbild
Maxim Biller©GETTY IMAGES

Der Schriftsteller Maxim Biller verwebt virtuos im Roman „Schwarze Samstage" die Chronologie der Judenverfolgungen mit einem Familienepos.

News auf Google bevorzugen
Schwarze Samstage: Roman eines Jahres

Schwarze Samstage: Roman eines Jahres

Kiepenheuer & Witsch GmbH
EUR 24,00
Jetzt Kaufen

Wenige Monate nach Ausbruch des Kriegs in der Ukraine 2022 erklärte der Schriftsteller Maxim Biller in seiner „Zeit“-Kolumne, er werde keine Romane und Erzählungen mehr schreiben: Alle seine Geschichten, die weder Putin noch die sterbenden Ukrainer interessierten, seien umsonst gewesen. Dann kam der 7. Oktober 2023, der bestialische Angriff der Hamas auf Israel, gefolgt von einem globalen Tsunami an Antisemitismus.

Biller kehrte zurück zur Literatur. Streitbar, scharfsinnig, unerbittlich lässt er im Roman „Schwarze Samstage“ den Ich-Erzähler Ari auftreten. Der kommentiert das apokalyptische Massaker trocken: „Jedem, der mich in diesen Stunden panisch anrief, sagte ich, er solle sich und mich nicht so aufregen, das goldene Zeitalter für die Juden sei zu Ende. Finita la commedia.“ Ari ist wie Biller selbst mit seinen jüdischen Eltern Anfang der 1970er-Jahre aus Prag nach Hamburg emigriert.

In knappen Szenen werden die Ausgeburten des Judenhasses skizziert. Der linke Geschichtsprofessor Wurm fordert ihm ein Referat über die Geschichte der Juden vom brennenden Busch bis zur „völkerrechtlich unrechtmäßigen zionistischen Besetzung der Golanhöhen“ ab. Ari weigert sich, der Schuldirektor, ein ehemaliger Erz-Nazi ergreift für den Buben Partei. Der zieht nach dem Abitur nach München, weg von linken Antisemiten, wie er hofft. Sublim verwebt Biller die Gräuel der Gegenwart mit jenen der Vergangenheit. Am Ende des Romans sieht der Ich-Erzähler Bilder von Jugendlichen, die der Geiselhaft der Hamas entronnen sind. „Welcher Mensch mit Herz“, fragt er daraufhin, „konnte da nicht an Auschwitz denken?“.

Steckbrief

Maxim Biller

geboren 1960 in Prag, ist ein deutscher Schriftsteller und Kolumnist. Bekannt wurde er mit seinen pointierten, oft provokanten Texten. Zu seinen bekanntesten Werken zählen „Sechs Koffer“ und „Mama Odessa“.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 36/2026 erschienen.

Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Wenn Sie auf einen solchen klicken und über diesen einkaufen, bekommen wir von dem betreffenden Online-Shop oder Anbieter eine Provision. Für Sie verändert sich der Preis nicht.

Schriftsteller:innenKunst & Kultur

Über die Autoren

Logo
Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER