Fünf deutsche Autorinnen gegen einen Österreicher: Am 5. Oktober fällt die Entscheidung über den Deutschen Buchpreis 2026. Elias Hirschl geht mit seinem furiosen Sprachkunstwerk „Schleifen“ ins Rennen. Doch die Konkurrenz ist stark. Wir stellen die sechs Romane der Shortlist vor.
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Die Lücken: Roman | Shortlist Deutscher Buchpreis 2026
Warum sie nach ihrem Tod in ihr Dorf Heimesbach als Geist zurückkehren muss, weiß die Verstorbene nicht. Aber sie erfährt, was alles verschwiegen worden ist. In knappen Episoden schildert Shida Bazyar 100 Jahre aus der Geschichte eines Dorfes, das von den Nazis zum „Gaumusterdorf“ ernannt wurde. Die Autorin, die als Tochter iranischer Eltern 1988 in einem Ort mit ähnlicher Geschichte geboren wurde, schlägt den Bogen bis in die Gegenwart und legt nahe, dass Ausgrenzung stets nach denselben Mustern funktioniert. Für das deutsche Feuilleton ist dieser Roman der Favorit. Kiepenheuer & Witsch,

Orca: Roman I Nominiert für den deutschen Buchpreis 2026: Nominiert für den deutschen Buchpreis 2026 I Shortlist
Cora arbeitet in der Fleischabteilung eines Supermarkts. Einst hatte sie in Cambridge oder an der Sorbonne studieren wollen. Doch dann wurde sie von den Kindern reicher Eltern in der Klasse gemobbt, ehe die Pandemie den Unterricht stilllegte. Als sie auf ihre Schulfreundin Olympia trifft, folgt sie ihr zu einer Aktivistengruppe. Die Radikalisierung der jungen Frauen ist nicht mehr aufzuhalten. Wer sich fragt, wie so etwas geschehen kann, werde die Antwort in diesem Roman finden, bilanziert die Jury, die das klug komponierte „Radikalisierungsszenario“ dieses Romans hervorhebt. Kein & Aber

Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle: Roman | Shortlist Deutscher Buchpreis 2026. Ausgezeichnet mit dem Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung 2026
Die Zikade … entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle“. Ihre Erzählung über einen Putzneurotiker verschaffte der in Tübingen geborenen Tochter russischer Eltern 2023 den Bachmannpreis. Ihr Debütroman räumt ihr gute Chancen auf den Deutschen Buchpreis ein. Im Zentrum stehen die Geschwister Lada und Konstantin. Sie lebt als Künstlerin in Berlin. Nach Ausbruch des Krieges in der Ukraine hat sie den Kontakt zu ihrem Bruder abgebrochen, denn sie versteht nicht, warum er in Russland geblieben ist. Der Jury gefällt, wie die Autorin mit den Mitteln der Groteske die Absurditäten eines totalitären Regimes schildert. S. Fischer

Schleifen: Roman I Shortlist Deutscher Buchpreis 2026
Franziska Denk, eine passionierte Linguistin, ist davon besessen, das Werk ihres Vaters, eines Sprachforschers, fortzuführen. Sie will eine Sprache kreieren, die „sich schneller und effektiver analog zur Natur verändert als je eine Sprache zuvor“. Das würde „binnen weniger Monate den Weltfrieden herbeischaffen“. Im Mathematiker Otto Mandl findet sie einen Seelenverwandten. Spielerisch verwebt Hirschl Versatzstücke aus den Theorien der Mathematiker Kurt Gödel und Leonhard Euler mit historischen Fakten, surrealen Bildern und poetischen Momenten zu einem furiosen Sprachkunstwerk. Zsolnay

Selbstregulierung des Herzens: Roman | Shortlist Deutscher Buchpreis 2026
Auf der Longlist waren einige Romane zu finden, die das Leben in der ehemaligen DDR schildern. Die 1976 in Dresden geborene Autorin und Regisseurin überzeugte mit der Geschichte Georgs, der in den 1960er-Jahren mittels Computertechnologien die Wirtschaft der DDR vorantreiben will. Doch der Staat vereitelt seine Pläne, und Georg muss lernen, sich mit dem System zu arrangieren. In fein gearbeiteter Sprache führt Peggy Mädler ihre Figuren vom Mauerbau durch die Geschichte der DDR bis ins Jahr 2020, als der Ausbruch der Pandemie die Welt lahmlegt. Galiani

Anton und Alma: Roman | »Dana Vowinckel hat die Welt durch ihre leuchtende Literatur zu einem schöneren Ort gemacht.« Christian Kracht | Shortlist Deutscher Buchpreis 2026
Alma kann Anton nicht vergessen, seit sie ihm in der Bretagne begegnet ist. Beide sind Berliner und auf Sprachferien. Doch er reist plötzlich ab. Später erfährt sie, warum: Seine Gasteltern sind Antisemiten. Er ist Jude. Die Barriere ist aber nicht die Religion, sondern die Herkunft: Anna stammt aus einfachen Verhältnissen, ihr Stiefvater ist im Weinhandel, Anton ist der Sohn eines Literaturwissenschaftlers. Die beiden werden ein Paar. Da verändert der Terrorüberfall auf Israel vom 7. Oktober 2023 beider Leben. Eindrücklich führt der Roman vor, wie die Weltgeschichte ins Leben eingreift. Suhrkamp
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