Die Lese ist vorbei, rund um Martini kommen die ersten Weine des neuen Jahrgangs ins Glas. Wie viel weniger Österreichs Winzerinnen und Winzer heuer geerntet haben, welche Region die Ausnahme ist und was sie von der Qualität erwarten.
Österreichs Weinjahrgang 2026 fällt deutlich kleiner aus als der des Vorjahres. Der Österreichische Weinbauverband rechnet laut dem Erntebericht der Österreich Wein Marketing (ÖWM) mit rund 1,7 Millionen Hektolitern. Das sind mehr als 30 Prozent weniger als 2025, auch den langjährigen Durchschnitt verfehlt die Menge deutlich. Die endgültige Zahl könnte sogar noch darunter liegen.
Hauptgrund ist die extreme Trockenheit des Sommers. „Die extreme Trockenheit hat deutliche Spuren hinterlassen“, sagte Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager. Bei der Qualität sind die Fachleute dagegen zuversichtlich: Die Trauben waren gesund, die Beeren klein und konzentriert. „Wir erwarten einen ausdrucksstarken, aromatischen Weinjahrgang“, so Schmuckenschlager.
Warum ist die Weinernte 2026 so klein?
Die Reben trieben laut ÖWM Mitte April aus und blühten Ende Mai und Anfang Juni. Mitte Juni kam die erste massive Hitzewelle, danach folgten viele Tage mit mehr als 30 Grad. Abgesehen von einzelnen Gewittern fiel in den Weinbaugebieten kaum nennenswerter Regen. Spätfrost spielte dagegen fast keine Rolle.
Die Folge sind vielfach sehr kleine Beeren mit wenig Saft. Am stärksten betroffen war der Osten Österreichs. Besonders litten junge Weingärten, deren Wurzeln noch nicht tief genug reichen, um an Wasser in tieferen Bodenschichten zu kommen. Dort mussten teils Trauben entfernt werden, damit die Rebstöcke die Trockenheit überstehen. Die Hauptlese begann in Niederösterreich, der Steiermark und Wien Anfang September, im burgenländischen Seewinkel war sie zu diesem Zeitpunkt schon fast abgeschlossen.
Steiermark als Ausnahme
Anders verlief das Jahr im Süden. Laut Wein Steiermark gab es dort kaum Ausfälle durch die Trockenheit, regionale Niederschläge entschärften die Lage. Für die rund 5.000 Hektar Rebfläche wird mit 230.000 bis 250.000 Hektolitern gerechnet, nach 244.717 Hektolitern im Jahr 2025. „Wir rechnen kaum mit Ernteausfällen durch die heurige Trockenheit“, sagte Geschäftsführer Martin Palz.
Rekordverdächtig war der Zeitpunkt: Noch nie hat die Weinlese in der Steiermark so früh begonnen. Die ersten Trauben für Sekt wurden bereits Ende August gelesen, viele Betriebe waren Mitte September schon weit fortgeschritten oder fertig. Den Steirischen Junker, den jungen Wein des Jahrgangs, gibt es laut Wein Steiermark seit 23. Oktober.
Wie wird der Jahrgang 2026 schmecken?
Die ÖWM erwartet besonders aromatische und ausdrucksstarke Weißweine, die kleinen Beeren sorgen für weniger Saft, aber mehr Konzentration. Vor allem beim Rotwein seien dichte, vollreife Weine zu erwarten. In der Steiermark sprechen die Winzerinnen und Winzer von einem lebendigen, frischen Stil. „Wir Winzer konnten uns über gesunde, aromaintensive Trauben mit sehr guten Zucker- und Säurewerten freuen“, sagte Stefan Potzinger, Obmann von Wein Steiermark.
Bei der Bundesweintaufe am 4. November nannte Schmuckenschlager das Jahr für die Betriebe sehr herausfordernd, die hohe Qualität der Trauben stimme aber zuversichtlich. Wirtschaftlich kommt der kleine Jahrgang in einer schwierigen Phase: Die ÖWM verweist auf sinkenden Weinkonsum und hohen Preisdruck. Für Weintrinkerinnen und Weintrinker bedeutet das vor allem eines: Vom Jahrgang 2026 wird es weniger Flaschen geben, dafür erwarten die Fachleute viel Charakter im Glas.
Quellen
Österreich Wein Marketing: Weinernte 2026: Kleine Beeren, große Aromatik (10. September 2026)
Österreich Wein Marketing: Bundesweintaufe 2026: Österreich begrüßt einen außergewöhnlichen Weinjahrgang (4. November 2026)
Wein Steiermark (APA-OTS): Weinernte 2026 in der Steiermark: Gesunde Trauben und erfreuliche Erntemenge (28. September 2026)
Wein Steiermark: Weinernte 2026 in der Steiermark (28. September 2026)
