Wer regelmäßig nach dem Abendessen oder sogar nach dem Zubettgehen noch isst, erkrankt laut einer großen US-Auswertung häufiger an der Leber. Das Risiko für Fettleber und Zirrhose lag um 20 bis 30 Prozent höher. Was hinter dem Befund steckt und was die Studie nicht zeigen kann.
Ein Viertel mehr Risiko für die Leber
Ein später Snack aus dem Kühlschrank gehört für viele Menschen zum Abend dazu. Für die Leber könnte die Uhrzeit aber eine Rolle spielen. Eine im Fachjournal Clinical Gastroenterology and Hepatology veröffentlichte Auswertung bringt spätes Essen mit einem höheren Risiko für Lebererkrankungen in Verbindung. Wer regelmäßig spät am Abend aß, hatte ein um 20 bis 30 Prozent höheres Risiko als Menschen, die das vermieden.
Untersucht wurden zwei Krankheitsbilder: die Fettleber, die Fachleute heute als metabolisch bedingte steatotische Lebererkrankung oder MASLD bezeichnen, und die Leberzirrhose, bei der das Organ zunehmend vernarbt. Geleitet wurde die Untersuchung von Robert Wilechansky an der Oregon Health & Science University, beteiligt waren Forschende des Massachusetts General Hospital in Boston.
Daten aus drei großen Langzeitstudien
Grundlage sind drei bekannte US-Kohorten, die Nurses' Health Study, die Nurses' Health Study II und die Health Professionals Follow-up Study. Darin werden seit Jahrzehnten Pflegekräfte sowie Ärztinnen, Ärzte und andere Gesundheitsberufe zu ihrem Lebensstil befragt. Insgesamt flossen Angaben von fast 200.000 Menschen in die Analyse ein.
Die Teilnehmenden machten selbst Angaben zu ihren Essgewohnheiten, ihrem Tagesablauf und weiteren Lebensstilfaktoren. Die Forschenden teilten sie danach ein, wann sie üblicherweise aßen, und verglichen das mit den gemeldeten Diagnosen von Fettleber und Zirrhose. Als spätes Essen galt dabei vor allem das Essen nach dem Abendessen oder nach dem Schlafengehen.
Die Leber folgt einer inneren Uhr
Als mögliche Erklärung nennen die Forschenden den Tag-Nacht-Rhythmus. Die Leber reagiert besonders empfindlich auf die innere Uhr des Körpers. Wird zu biologisch ungünstigen Zeiten gegessen, könnte das Stoffwechselprozesse im Organ stören.
„Wir sehen immer wieder, dass das Timing von Verhaltensweisen, ob Schlaf, Essen oder Bewegung, wirklich eine Rolle spielt“, sagt Koautor Andrew McHill. Der Befund passt damit zu einer wachsenden Zahl von Arbeiten zur sogenannten Chronoernährung, die untersuchen, wie sich der Zeitpunkt von Mahlzeiten auf die Gesundheit auswirkt.
Warum die Fettleber so verbreitet ist
Die Fettleber ist eine der häufigsten Lebererkrankungen. In den USA ist laut den Forschenden bis zu 30 Prozent der Bevölkerung betroffen. Sie hängt eng mit Übergewicht, Diabetes und Bewegungsmangel zusammen und verläuft oft lange ohne Beschwerden.
Nur ein kleiner Teil der Betroffenen entwickelt allerdings schwere Verlaufsformen wie eine Zirrhose, betont Studienleiter Wilechansky. Die wichtigste Botschaft sei, dass es hilfreich sein könnte, die Kalorienaufnahme auf einige Stunden vor dem Schlafengehen zu beschränken.
Was die Studie nicht beweist
Die Autorinnen und Autoren weisen selbst auf deutliche Einschränkungen hin. Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, sie zeigt einen Zusammenhang, aber keinen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang. Die Angaben zum Essverhalten beruhen auf Selbstauskünften und eher groben Beschreibungen der Essenszeiten, eine genaue Uhrzeit als Grenze wurde nicht festgelegt.
Auch andere Faktoren könnten den Zusammenhang erklären, räumen die Forschenden ein. Ob früheres Essen die Leber tatsächlich schützt, sollen nun kontrollierte Studien klären. An der Oregon Health & Science University werden dafür bereits Teilnehmende mit Fettleber gesucht, deren Essenszeiten gezielt beobachtet werden.
Studie: Wilechansky, R. M. et al., Clinical Gastroenterology and Hepatology, 2026
