Seit 1798 wird im Rules in Covent Garden gekocht, das Haus gilt als ältestes Restaurant Londons. Nun hat der Eigentümer das Gebäude samt historischer Sammlung dem National Trust geschenkt. Für die Denkmalschutzorganisation ist es eine Premiere.
Eine Schenkung mit Geschichte
Das Restaurant Rules in der Maiden Lane im Londoner Stadtteil Covent Garden bezeichnet sich selbst als ältestes Restaurant der britischen Hauptstadt. Nun ist es auch offiziell ein Stück Kulturerbe: John Mayhew, dem das Gebäude gehört, hat es samt der historischen Sammlung des Hauses dem National Trust geschenkt. Die britische Organisation kümmert sich um Hunderte historische Gebäude, Gärten und Landschaften.
Für den National Trust ist es eine Premiere. Das Haus in der Maiden Lane ist das erste Gebäude in seiner Obhut, in dem ein historisches Restaurant noch in Betrieb ist. Generaldirektorin Hilary McGrady nennt das Rules „ein herausragendes Stück lebendiger Geschichte“.
Was sich für Gäste ändert
Für Besucherinnen und Besucher bleibt das Rules, was es ist: ein Restaurant. Mayhew hatte den Restaurantbetrieb bereits an Ricky McMenemy verkauft, das Gebäude aber behalten. Mit der Schenkung soll die Nutzung als Restaurant auf Dauer gesichert werden. „Wir freuen uns auf weitere zwei Jahrhunderte in diesem, unserem Zuhause“, sagt McMenemy.
Mayhew begründet den Schritt mit dem Wunsch, das Haus dauerhaft zu bewahren. „Der Trust wird diesen Ort so schützen, wie es niemand sonst könnte“, sagt er.
Austern, Wild und britische Küche seit 1798
Gegründet wurde das Rules 1798 von Thomas Rule, zunächst vor allem als Austernbar. Bekannt ist das Haus heute für traditionelle britische Küche und besonders für Wildgerichte. Zum Restaurant gehört auch ein eigenes Gut in der nordenglischen Region Teesdale. Zu den Stammgästen zählten im Lauf der Zeit Schauspieler wie Henry Irving und Laurence Olivier.
In mehr als zwei Jahrhunderten hatte das Lokal nur wenige Eigentümer. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg tauschte Charles Rule, ein Nachfahre des Gründers, sein Geschäft mit Tom Bell, der in Paris ein Restaurant betrieb. Bells Tochter verkaufte das Rules 1984 an John Mayhew.
Ein Dichter rettete das Haus schon einmal
Dass das Rules heute noch existiert, verdankt es auch dem Dichter John Betjeman. Als 1971 Pläne zum Ausbau des nahen Strand zu einer mehrspurigen Straße das Gebäude bedrohten, setzte er sich vor den Planungsbehörden für das Restaurant ein. Sein Argument: Wo berühmte Menschen gespeist haben, entstehe eine „unsichtbare Atmosphäre“, die sich durch keinen Neubau ersetzen lasse. „Wir können sie spüren, und sie lässt sich nicht fotografieren“, sagte Betjeman damals.
Mayhew sieht seine Schenkung ausdrücklich als späte Antwort auf diesen Appell. Mehr als 50 Jahre nach Betjemans Einsatz ist das Haus damit erneut gesichert, diesmal auf Dauer.
