Franz Reinhard Weninger
©Nicole HeilingDas Mittelburgenland produziert schwere Rotweine, die Kunden trinken leichte Weißweine. Wie ist diese Diskrepanz zu lösen? Fragen an Franz Reinhard Weninger, der im Mittelburgenland einen etwas anderen Weg geht.
Warum werden im Mittelburgenland immer noch Weine produziert, die kaum noch wer trinken will?
Das liegt bis zu einem gewissen Grad auch an den österreichischen Wein-Medien: Wenn schwere, fette Rotweine in Bewertungen immer noch die Höchstpunkteanzahl erreichen, dann denken sich Winzer und Genossenschaften halt, dass das der richtige Weg ist.
Diese „Monsterweine“ sind natürlich keine Kandidaten für Krisendestillation, aber ein schönes Symbol für eine am Markt vorbeilaufende Produktion. Wo liegt die Lösung?
Eine Rodungsprämie bringt auf jeden Fall mehr, aber dagegen wehrt sich halt die lokale Politik, spricht von Vernichtung des Erbes von Generationen. Eine Marktbereinigung wäre aber auf jeden Fall gut.
Und stilistisch: Wenn ein sehr großes, sehr erfolgreiches Rotweingut wie Scheiblhofer aus Andau, dessen Zugpferd ein mächtiger Wein namens „Big John“ ist, auf einmal einen leichten, fruchtigen „Cool John“ herausbringt, sollte das den Genossenschaften vielleicht zu denken geben. Und sie reagieren ja auch schon: Heuer haben sie zum Beispiel erstmals Sektgrundwein gepresst.
Die Winzer müssen auf die geänderten Konsumgewohnheiten eh reagieren, da bleibt ihnen finanziell gar nichts anderes übrig
Kann es vielleicht auch daran liegen, dass die Rotwein-Kultur – anders als in Frankreich, Italien und Spanien – eben noch sehr jung ist, dass man eine Identität erst finden muss?
Sicher, ja. In Österreich sind etwa 80 Prozent der Rotweine fett und breit, 20 Prozent schlank und zart – wie soll sich ein Sommelier irgendwo auf der Welt da auskennen? Aber es liegt auch nicht nur an der Weinbau-Tradition, es ist auch eine Frage der Trinkkultur. In Italien hat man eine Weißwein- und eine Rotwein-Trinkkultur, je nach Region unterschiedlich, da weiß man genau, wovon man zu welcher Gelegenheit ein passendes Gläschen trinkt. In Österreich haben wir nur eine „leichte Weißwein“-Trinkkultur, sprich: Weißer Spritzer.
Das klingt ein wenig resignativ …
Aber nein. Es braucht halt etwas Geduld. Die Winzer müssen auf die geänderten Konsumgewohnheiten eh reagieren, da bleibt ihnen finanziell gar nichts anderes übrig. Es dauert halt vielleicht eine Generation.
Steckbrief
Franz Reinhard Weninger
Franz Reinhard Weninger übernahm 2011 das Horitschoner Weingut seines Vaters Franz Weninger, auch der schon strikter Qualitäts-Pionier. Weninger Junior stellte auf bio-dynamische Bewirtschaftung um, setzte nach französischem Vorbild auf Blaufränkisch mit Cru-Charakter, auf Weißweine und auf auch experimentelle Weine.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 42/2026 erschienen.
