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Ayumi Kondo: „Matcha mit Hafermilch zu mischen ist ein Sakrileg“

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Ayumi Kondo©Beigestellt

Der ursprünglich als Zeremonial-Tee gedachte Matcha geht seit Jahren weltweit durch die Decke. Mit interessanten Folgen, von denen die „Nippon Ya“-Chefin zu erzählen weiß.

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Wie konnte es sein, dass gerade in Japan, wo Traditionen sehr hochgehalten werden und Respekt nachgerade Pflicht ist, ein zeremonieller Tee zum popkulturellen Massenkonsumprodukt wird?

Matcha wurde in Japan schon seit Jahrzehnten auch für Süßigkeiten und Schokolade verwendet, Farbe und Geschmack sind schließlich auch für Konditoren sehr attraktiv, vor allem matchagrünes Softeis war und ist in Japan seit jeher sehr populär. Vor 25 Jahren tauchte dann erstmals „Matcha au lait“ auf, das war etwa der Zeitpunkt, als ich mich mit dem Thema zu beschäftigen begann. Und der Importeur, mit dem ich da zusammenarbeitete, erklärte mir: „In den USA trinken die Manager jetzt keinen Kaffee mehr, sondern Matcha.“

Das heißt, auch dieser Trend, ähnlich wie Sushi oder Teppanyaki, kam über die USA wieder nach Japan zurück?

In gewisser Weise ja, und zwar zuerst einmal über den Gesundheits- und Diät-Aspekt. Wobei wir Japaner natürlich auch sehr gesundheitsbewusst sind. Mein Onkel sagte über Matcha immer „Das Zeug ist so gesund, das sollte man jeden Tag trinken.“ Das haben wir natürlich immer im Hinterkopf, den Hype, den Matcha gerade in Europa und den USA erfährt, gibt es in Japan aber nicht. An jeder Ecke ein Matcha-Café? In Tokio definitiv nicht der Fall. Oder zumindest nur dort, wo die Touristen sind …

Jetzt ist Matcha ein aufwendig herzustellendes Spitzenprodukt. Wo kommen all die Tonnen Matcha plötzlich her?

In der Tat braucht ein Tee-Strauch, bis man von ihm Matcha ernten kann, fünf Jahre. Dazu kommt, dass sich die Mühe, die Tee-Gärten zu pflegen und die Blättchen zu ernten und zu verarbeiten, in Japan kaum mehr wer antun will, viele Gärten liegen also brach. Und nicht zuletzt stirbt auch das traditionelle Handwerk der Herstellung der Granitmühlen aus.

Mit dem Effekt, dass es für japanische Zeremonienmeister mittlerweile schwer wird, höchste Matcha-Qualitäten zu bekommen – ein ziemliches Chaos. Dabei ist es meiner Meinung nach ein Sakrileg, Matcha der höchsten Güte mit Hafermilch zu vermischen, nur weil er so schön grün ist. Die feinen Aromen dieser Spitzentees gehen dabei sowieso verloren. Matcha Latte kann und soll man wirklich mit kleineren Qualitäten machen.

Apropos kleinere Qualitäten: Auch in China wird mittlerweile Matcha hergestellt.

Ja, japanische Matcha-Unternehmen investieren seit einiger Zeit in China und man muss sagen: Die Chinesen haben ganz schön aufgeholt, sind aber auch nicht mehr billig.

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Steckbrief

Ayumi Kondo

Ayumi Kondo wurde 1965 in Tokio geboren, lebt seit ihrer Kindheit in Wien und ist Geschäftsführerin des von ihrem Vater 1974 gegründeten japanischen Feinkostladens „Nippon Ya“. 2006 eröffnete sie außerdem Wiens erstes Fachgeschäft für Matcha und japanische Teekultur „Cha No Ma“. Ayumi Kondo ist Vizepräsidentin der Österreichisch-Japanischen Gesellschaft und wurde 2024 vom japanischen Botschafter als „Japanese Cuisine Goodwill Ambassador“ ausgezeichnet.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 36/2026 erschienen.

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