Auf den ersten Blick wirkt die Gastronomie im Museumsquartier lebendig und gut gewachsen. Tatsächlich ist es aber keine gute Museums-Gastronomie, sondern gute Gastronomie trotz der Museen. Der frühere Chef des ersten MQ-Lokals Bernd Schlacher erinnert sich.
Sie waren vor 25 Jahren mit der „Halle“ der Erste, der im soeben eröffneten MQ ein Lokal eröffnete. Man wusste damals noch nicht, wie das funktionieren würde und wer da kommen wird. Hatten sich Ihre damaligen Erwartungen erfüllt?
Wir hatten keine Ahnung, was da auf uns zukommt. Das Museumsquartier war eigentlich für Museumsbesucher konzipiert worden, nicht für Lokal-Besucher. Das änderte sich mit den Enzis dann aber schlagartig, auf einmal war das MQ so voll, dass man nicht mehr durchkam, Alte, Junge, Eltern, Kinder, es waren alle da und hatten eine gute Zeit. Das war ein Meilenstein für Wien, das war etwas, was man auch international herzeigen konnte.
Sie haben 2001 mit Frühstück, mit Hallenburger und Club Sandwich eine für Wien neue, „urbane“ Gastronomie definiert, heute würde man sagen: „typische Museumscafé-Küche“.
Die Küchen der Cafés und Lokale im Museumsquartier waren ursprünglich überhaupt nicht auf echte Gastronomie ausgelegt, das waren kleine Teeküchen mit Vitrinen, kaum Lagerräume, wie es damals in Museen halt üblich war. Aber ich habe mich international ein bisschen umgesehen und wusste daher: Es gibt noch mehr als nur Würstel und Schinkenbrot. Der Auftrag lautete „Für junge Menschen“, und ja, ich glaube, wir haben das ganz gut hinbekommen, haben eine moderne Museumscafé-Küche definiert.
Es gab sehr wenig Unterstützung seitens der Direktionen und auch vom Museumsquartier selbst – als Gastronom durftest du prinzipiell gar nichts
Von Kritikern wurde damals gewarnt, dass im Museumsquartier zu viele idente Lokalkonzepte miteinander konkurrieren. Tatsächlich gab es Probleme immer nur für die, die versuchten, qualitativ herauszustechen. Ist Fine Dining im MQ zum Scheitern verurteilt?
Una Abraham im Architekturzentrum war super, aber die hat auch irgendwann einmal das Handtuch geschmissen. Viele der Museumsdirektoren wollten uns nicht, wollten nur die hehre Kunst. Und bedachten nicht, dass nicht nur Museumsbesucher in die Lokale gehen, sondern auch Lokalbesucher neugierig auf die Museen wurden. Man muss sagen: Es gab sehr wenig Unterstützung seitens der Direktionen und auch vom Museumsquartier selbst – als Gastronom durftest du prinzipiell gar nichts.
Was in den MQ-Lokalen leider kaum stattfand, war künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Essen und Trinken oder Kooperationen zwischen Cafés und ausstellenden Künstlern. Warum nicht?
Bei uns schon, zumindest am Anfang, etwa ein Projekt mit der Slow-Food-Mitbegründerin Alice Waters während der Festwochen. Das änderte sich dann, als man Gerald Matt absägte, danach herrschte auch bei den Festwochen die anti-gastronomische Haltung.
War das der Grund, warum Sie sich 2019 aus dem Projekt Café Halle zurückzogen?
Ja. Wir hatten Meilensteine gesetzt, aber immer nur Gegenwind erfahren. Das war mir dann irgendwann zu blöd.
Steckbrief
Bernd Schlacher
Bernd Schlacher übernahm 1991 das damals schon legendäre Motto und machte daraus ein gastronomisches Multi-Unternehmen, das in weiterer Folge um ein Catering (2001), Cafés (Kunsthallencafé 2004), Restaurants (Motto am Fluss 2010, Cobenzl 2022-2023), eine Bäckerei (Motto Brot 2020) und ein Hotel (Hotel Motto 2021) vergrößert wurde.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 35/2026 erschienen.
