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TGI: Goldene Versprechen, offene Rechnungen

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TGI-Gründer Helmut Kaltenegger ist auch Präsident des Fußballzweitligisten Austria Klagenfurt, wo TGI als Hauptsponsor auftritt.

©Gepa Pictures

Razzia in Vaduz, Ermittlungen wegen Betrugs- und Geldwäscheverdachts, dann ein „Umzug“ nach Mauritius, banges Warten auf Auszahlungen und ein massives Datenleck: Der Goldhändler TGI kommt nicht zur Ruhe. NEWS hat mit einer Kundin gesprochen, die seit Monaten auf knapp 70.000 Euro wartet. Sie ist mit ihren Problemen nicht allein.

News auf Google bevorzugen

Zuerst geht es um knapp 70.000 Euro. Dann um Vertrauen. Und schließlich um die Frage, ob Frau Tauber (Name von der Redaktion geändert) beides verloren hat. Mehrmals gerät ihr Bayerisch am Telefon ins Stocken.

Die alleinstehende Frau in ihren Sechzigern wollte ihr Erspartes kurz vor dem Ruhestand noch vermehren, weil ihre Rente nicht zum Leben reichen wird. Überzeugt hatte sie eine enge Freundin. Heute bangt Frau Tauber nicht nur um ihr Geld. Auch die Freundschaft liegt in Trümmern.

„Gold mit Rabatt“

In den ersten Monaten scheint noch alles nach Plan zu laufen. Auf Anraten ihrer Freundin kauft Frau Tauber für knapp 70.000 Euro Gold bei der TGI AG. Das Versprechen des Unternehmens: „Gold mit Rabatt“. Weil sie drei Jahre lang auf die Auslieferung verzichtet, soll sie monatlich zwei Prozent des Kaufpreises zurückerhalten.

Nach Ablauf der Frist verspricht TGI neben dem Gold eine weitere Einmalzahlung in Höhe von 36 Prozent der investierten Summe. Insgesamt sollen so 108 Prozent des Kaufpreises auf Frau Taubers Konto zurückfließen – vorausgesetzt, die TGI hält ihr Versprechen. Für sie wäre es ein beruhigendes Polster im Ruhestand.

Drei Monate lang gehen die versprochenen Rabatte auf Frau Taubers Bankkonto ein. Dann beginnen die Zahlungen zu schwanken: Mal erhält sie mehr als die erwarteten zwei Prozent, mal weniger, bis sie Ende Juli ganz versiegen.

Die Pyramiden von Vaduz

Im Juni durchsuchen die Liechtensteiner Behörden die Büros des Unternehmens. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Betrug und Geldwäsche und sieht Hinweise auf ein Pyramidensystem. Kontoanalysen hätten ergeben, dass nur ein sehr kleiner Teil der Kundengelder tatsächlich an jene Partnerunternehmen der TGI geflossen sei, deren Gewinne nach Darstellung des Goldhändlers das Rabattmodell finanzieren sollen.

Stattdessen sei das System mit den Einzahlungen neuer Kundinnen und Kunden finanziert worden. Die Staatsanwaltschaft gibt auf eine aktuelle News-Anfrage an, die Auswertung der beschlagnahmten Beweismittel werde „noch längere Zeit in Anspruch nehmen“.

TGI reagiert auf eine aktuelle Anfrage dazu nicht, wies aber in der Vergangenheit sämtliche Vorwürfe zurück. Unstimmigkeiten bei den Zahlungsflüssen erklärt das Unternehmen in öffentlichen Statements unter anderem mit „Gegenrechnungen“. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Flucht nach Mauritius

Am 24. Juli geht die vorerst letzte Zahlung auf Frau Taubers Konto ein. Fünf Tage später lädt TGI-Gründer Helmut Kaltenegger zu einem Kundenmeeting. Dort kündigt er – für viele überraschend – das Ende der Geschäftstätigkeit der TGI und die Gründung der „Trust Gold International Ltd.“ auf Mauritius an. Die offenen Verträge würden zum „tagesaktuellen Goldkurs“ angekauft. Der Kundschaft bleiben zwei Möglichkeiten: Sie kann ihr ausstehendes Guthaben binnen zwei Tagen auf die neue Gesellschaft übertragen lassen oder eine Auszahlung beantragen. Deren „Bearbeitungsdauer“ beziffert Kaltenegger mit sechs bis acht Wochen.

Für R., eine Freundin von Frau Tauber, bringt die Ankündigung das Fass zum Überlaufen. Auch sie war über dieselbe Person zur TGI gekommen. Am 1. August, dem frühestmöglichen Zeitpunkt, beantragt sie online die Auszahlung ihres Guthabens. Acht Wochen später wartet sie noch immer auf ihr Geld, wie ein News vorliegender E-Mail-Verkehr zeigt.

Inzwischen stellt die TGI ihre Kundschaft offenbar auf längere Wartezeiten ein. Statt sechs bis acht Wochen sei nun mit „mindestens acht Wochen“ zu rechnen. Als Grund nennt das Unternehmen „umfangreiche Prüfungs- und Abstimmungsprozesse im Zusammenhang mit den regulatorischen Maßnahmen und der Abwicklung der Auszahlungen“.

Kreative Rechenspiele

Frau Tauber dagegen hat den Auszahlungsbutton bis heute nicht gedrückt. Denn im TGI-Kundenbereich ist nicht ersichtlich, welche Summe sie damit überhaupt erhalten würde. Dort heißt es lediglich, die Verträge würden zum „tagesaktuellen Goldpreis“ abgerechnet. Gemeint ist damit offenbar ein interner Ankaufspreis vom 31. Juli in Höhe von 109,55 Euro pro Gramm, wie ein News vorliegender E-Mail-Verkehr nahelegt. Führende österreichische Goldhändler zahlten an diesem Tag zwei bis drei Euro mehr.

Frau Tauber schaltet deshalb einen Anwalt ein. Daraufhin unterbreitet ihr der Goldhändler ein Angebot: Ausbezahlt werde der Wert des von ihr gekauften Goldes zum genannten Kurs, abzüglich der bereits erhaltenen „Rabatte“. Frau Tauber lehnt ab. Sie verlangt ihren gesamten einbezahlten Betrag zurück, ohne Abzug der Rabatte und zuzüglich ihrer Anwaltskosten. Bislang ohne Erfolg.

Die Mittsechzigerin ist verzweifelt. „Für mich ist das sehr viel Geld“, sagt sie am Telefon. „Wenn das wegfällt und ich es nicht zur Rente habe, weiß ich nicht, was ich machen soll.“ Die Sache hat für sie auch persönliche Konsequenzen. Erst im Nachhinein erfährt sie, dass jene Frau, die sie von der TGI überzeugt hatte, über einen Empfehlungslink an ihrem Kauf mitverdiente – ohne dies offenzulegen. „Damit ist diese Freundschaft für mich Geschichte“, schreibt Frau Tauber nach dem Gespräch in einer E-Mail.

TGI schweigt gegenüber Anwälten

Frau Tauber und Frau R. sind keine Einzelfälle. Der Münchner Anwalt David Ritschel vertritt nach eigenen Angaben rund 20 Mandanten, die sich seit dem Umzug nach Mauritius ihr TGI-Guthaben auszahlen lassen wollen. Hinzu kämen mehr als 80 weitere Anfragen. „Mir ist keine Person bekannt, die eine Auszahlung ihres Guthabens erhalten hat“, sagt Ritschel.

Bis vor zwei Wochen habe er dazu noch mit dem Wiener TGI-Anwalt Robert Weik verhandelt. Dann sei die Kommunikation abgebrochen. Für Ritschel ein höchst ungewöhnlicher Vorgang.

Allein seine Mandanten würden auf Auszahlungen von insgesamt rund 500.000 Euro warten. Tatsächlich dürfte die offene Summe deutlich höher liegen. Ritschel berichtet von weiteren Betroffenen, die bei ihm angerufen hätten und um Millionenbeträge bangen.

TGI-Anwalt Robert Weik ließ bis Redaktionsschluss einen News-Fragenkatalog zum Verbleib ausstehender Kundengelder, der Liquidität des Unternehmens und der stockenden Kommunikation mit Kundinnen und Kunden und deren Anwälten unbeantwortet. Er gab an, der Auszahlungsprozess habe „bereits begonnen“ und werde „zügig“ abgewickelt.

Sensible Kundendaten im Umlauf

Eine weitere Causa beschäftigt Frau Tauber und andere TGI-Kundinnen und -Kunden: Ihre persönlichen Daten sind Teil eines umfangreichen Datensatzes der TGI und ihres Vorgängers GGMT, der News zugespielt wurde. Darin finden sich sensible Informationen von Zehntausenden Personen, überwiegend Kundinnen und Kunden: Kontodaten, Adressen und Telefonnummern, Passkopien und Kontoauszüge. Eine News-Anfrage dazu von Ende September ließ das Unternehmen unbeantwortet.

Bei derartigen Datenpannen sei üblicherweise Feuer am Dach, erklärt Anwalt Philipp L. Leitner von der Linzer Kanzlei Saxinger. „Wenn dem verantwortlichen Unternehmen eine Verletzung des Schutzes personenbezogener Daten bekannt wird, hat es diese unverzüglich und möglichst binnen 72 Stunden der zuständigen Aufsichtsbehörde zu melden, es sei denn, es besteht voraussichtlich kein Risiko für die Rechte und Freiheiten betroffener Personen.“ Besteht voraussichtlich ein hohes Risiko, müsse das Unternehmen laut DSGVO grundsätzlich auch die Betroffenen unverzüglich informieren, sagt Leitner.

Bei Verstößen gegen diese Pflichten drohen in Liechtenstein Geldbußen von bis zu elf Millionen Franken oder zwei Prozent des weltweiten Jahresumsatzes im Vorjahr, je nachdem, welcher Betrag höher ist. Dazu könnten Schadenersatzforderungen kommen.

Die Liechtensteiner Datenschutzstelle gab am Montag gegenüber News an, dass TGI „mittlerweile“ eine Datenschutzverletzung gemeldet habe. Die Behörde habe dazu eine Untersuchung eingeleitet. TGI habe bereits im Jahr 2024 einen ähnlichen Vorfall gemeldet, damals habe das Unternehmen Betroffene direkt informiert.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 41/2026 erschienen.

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