Eine Zusammenarbeit mit einer mysteriösen malaysischen Offshore-Bank, ein rätselhafter neuer Geschäftsführer, falsche Bilder auf der Website: Neues aus der wunderlichen Welt der TGI.
Mit großen Worten spart die TGI AG selten. Einen „Monsterbond mit Goldassets von 750 Millionen“ wolle der Goldhändler der Kalteneggers noch diese Woche auf den Markt bringen, hieß es in einem aktuellen Youtube-Livestream.
Ein Bond oder hierzulande auch als Anleihe bekannt: Potenzielle Investoren könnten der TGI für einen vorher definierten Zeitraum Geld leihen und dafür Zinsen erhalten.
Diese Anleihe will die TGI nach eigenen Angaben bei Euroclear verwahren. Euroclear mit Sitz in Brüssel ist mit einem Vermögen von über 40 Billionen Euro einer der weltweit größten Wertpapierverwahrer. Solche Institute machen Staatsanleihen, Aktien und andere Vermögenswerte handelbar.
Und: Sie sind gesetzlich reguliert. Wer dort Anleihen verwahren will, muss gewisse formale Hürden nehmen. Für ein solches Unterfangen muss die TGI jedenfalls mit einer Depotbank oder einem Finanzinstitut zusammenarbeiten. Am besten mit einem, das bei Euroclear als offizieller Teilnehmer gelistet ist oder zumindest mit einer Teilnehmerbank zusammenarbeitet.
„Robert“ und der „Monsterbond“
„Please welcome: Robert!“ So präsentiert Moderator Manuel Ried den US-Amerikaner Robert Vashitsh in einer aktuellen Ausgabe der TGI-Youtube-Sendung. Neben Ried im Studio sitzt ein Mittfünfziger mit dunklen Sakko, bunten Socken und angestrengtem Lächeln. Und er ist Chief Operating Officer (COO) der Golden Touch Investment Bank (GTI), wie sich später herausstellen sollte. Sie ist in der malaysischen Sonderwirtschaftszone Labuan registriert – einem diskreten, schwach regulierten Offshore-Finanzplatz.
Bereits einmal war „Robert“ im Youtube-Format der TGI zu Gast, jedoch nur per Videocall. Auch dort wurde er nur mit seinem Vornamen vorgestellt – was für einige Verwunderung unter den Zusehern sorgte. Immerhin nennt „Robert“ nun den Namen seiner Bank, womit sein Nachname schnell herausgefunden ist: Vashitsh.
Die TGI möchte auf Anfrage nicht erklären, warum sie dem virtuellen Publikum den Banker nie mit seinem vollem Namen vorstellt. Ob das nur an der komplizierten Aussprache, Vashitshs fragwürdiger Rolle in einem neuseeländischen Finanzbetrugsfall oder an ganz anderen Gründen liegt, bleibt somit unklar.
Robert Vashitsh, COO der malaysischen Golden Touch Investment Bank (links), soll mit der TGI daran arbeiten, eine Unternehmensanleihe zu erstellen. Rechts im Bild: TGI-Moderator Manuel Ried.
© Screenshot Video TGI AG430 oder 750 Millionen Dollar an Assets
Robert Vashitsh soll nun dem Publikum auf Youtube erklären, was genau es mit dem Bond auf sich hat. „In diesen Bond haben wir alle TGI-Assets hineingegeben“, sagt er. 430 Millionen US-Dollar seien das. Und weiter: „Ich glaube, alle TGI-Goldkäufer sind Teil dieses Bondes“. Das Ganze funktioniere wie ein „Gürtel mit Hosenträger“, alle neuen Käufer seien deshalb nun doppelt „versichert“. Und weiter: „Jeder, der TGI-Gold besitzt, kann den Bond ansehen, es ist alles gelistet!“
Moderator Ried muss einhaken: Eigentlich laufe der Registrierungsprozess noch. „Absolutely“, sagt Vashitsh, ein paar Tage dauere es noch bis zur Listung. Dann könne aber jeder online nachsehen, wie das alles funktioniere.
Wie das nun mit dieser Versicherung sei, fragt Ried. Das sei „very unique“ und speziell für TGI entwickelt, sagt Vashitsh. Und er wiederholt: Jeder, der Gold kaufe, werde automatisch Teil des Bonds und damit auch der „Versicherung“. Zusätzlich habe die GTI-Bank eine Bankversicherung, somit biete man eine „doppelte und dreifache Absicherung“.
Weitere Erläuterungen bleiben aus – dabei soll diese „Versicherung“, die durch den Bond greifen soll, der von Hiobsbotschaften gebeutelten Kundschaft vermutlich ein Gefühl von Sicherheit vermitteln. Laufzeit, Zinsen, Zielvolumen des Bonds? All das spielt scheinbar keine Rolle.
Dabei hat die Herausgabe einer solchen Anleihe für ein Unternehmen genau eine Funktion: Frisches (geliehenes) Geld in die Kasse spülen. Zahlt niemand ein, ist der Bond wie ein Kreditvertrag ohne Unterschrift einer Bank – zwecklos.
Eine News-Anfrage, ob die TGI bereits potenzielle Investoren in Aussicht habe, lässt das Unternehmen auf mehrmalige Nachfrage unbeantwortet.
Millionen-Jongleur Helmut Kaltenegger
Noch mehr Rätsel geben auch die angeblichen Assets auf, die laut Vashitsh in den Bond „hineingegeben“ worden seien. Auch Helmut Kaltenegger erwähnt diese später mehrmals bei seinen Ausführungen über den „Monsterbond“, und beziffert sie mal auf 430, mal auf 750 Millionen US-Dollar.
Unklar bleibt, wie Vashitsh und Kaltenegger auf diese Zahlen kommen. Eine wichtige Frage, denn, Bond hin oder her: Sollte die TGI tatsächlich 430 oder gar 750 Millionen Dollar in Assets besitzen, wäre das für die Kundschaft eine gute Nachricht.
Die TGI gibt auf eine News-Anfrage nach dem genauen Parametern der Assets jedoch nur allgemein an: Bezüglich der Erweiterung des Angebotsportfolios stünden „finale Schritte noch aus“. Sobald diese abgeschlossen seien, werde man sich offiziell dazu äußern.
Wie viel die TGI tatsächlich wert ist, bleibt damit völlig unklar. Die letzte veröffentlichte Bilanz zum Geschäftsjahr 2023 weist Aktiva und Passiva von jeweils 7800 Franken und ein negatives Eigenkapital auf. Für die Geschäftsjahre 2024 und 2025 fehlen die Bilanzen, jene aus 2024 ist seit Jahresende 2025 überfällig.
Eine Frage nach dem Verbleib dieser Bilanzen ließ die TGI ebenfalls unbeantwortet, genauso wie Fragen nach der genauen Bezeichnung des „Monsterbonds“, dem Stand des Registrierungsprozesses bei Euroclear, der Verzinsung der Anleihe oder dem Anlageprospekt.
Noch weniger auskunftsfreudig ist Vashitshs malaysische GTI Bank. News wollte von ihr wissen, wie sie den TGI-Bond – sofern er bereits existiert – in das Euroclear-System bekommen will. Denn Euroclear führt die GTI nicht als offizieller Teilnehmer, eine Partnerbank wäre also notwendig. Ob eine solche existiert? Antworten auf diese Frage blieben aus.
Wieder ein neuer Geschäftsführer
Neben Vashitsh spielt in der Causa TGI ein zweiter Robert eine interessante Rolle: Robert Henny. Er wird auf der TGI-Website seit einiger Zeit als „CEO“ geführt. Wieder ein neuer Geschäftsführer?
Fragen zu seiner Person möchte die TGI gegenüber News nicht beantworten. Sie bestätigt lediglich: Er sei mittlerweile Geschäftsführer.
Laut Liechtensteiner Handelsregister ist Henny seit 9. Juni operativer Geschäftsführer der TGI. Zu Hennys Aufgaben zählen laut einem News vorliegenden Protokoll des TGI-Verwaltungsrates vor allem „die Wiederherstellung der Reputation der TGI AG bei den Behörden sowie die Einstellung und Lösung sämtlicher laufender und zukünftiger Verfahren gegen die TGI AG“. Sein Vorgänger Mark Bogen bleibt als gewerberechtlicher Geschäftsführer Teil des Verwaltungsrats.
Das falsche Foto
Skurriles Detail am Rande: In einer archivierten Version der TGI-Website vom 23. Juni war zu Hennys Eintrag als CEO ein Bild zu sehen, das einen Mitarbeiter einer Liechtensteiner Wirtschaftsprüfungskanzlei zeigt – der jedoch ganz anders heißt. Die betroffene Kanzlei zeigt sich auf News-Anfrage irritiert. Sie habe keinerlei Geschäftsbeziehung mit der TGI oder ihr nahestehenden Personen. Das Foto des Mitarbeiters sei ohne Genehmigung verwendet worden. Und: „Wir werden entsprechende rechtliche Schritte gegen die Gesellschaft prüfen.“
Die TGI gibt auf Nachfrage an, es habe sich um einen „technischen Fehler im Rahmen der Website-Bearbeitung“ gehandelt, der „nach Kenntnisnahme entsprechend korrigiert“ wurde.
News hat der TGI AG eine ganze Reihe weiterer Fragen gestellt – etwa zum Rückzug der Congenia AG als Revisionsstelle, dem Verbleib des seit Ende 2025 überfälligen Jahresabschlusses für 2024, der Fortsetzung der Reality-Show „Die Kalteneggers“. Auf all diese Fragen wollte die TGI AG nicht eingehen.
Über die Autoren
Sebastian Reinhart
Sebastian Reinhart ist Mitglied der Chefredaktion von News und für investigative Recherchen verantwortlich.
Zuvor war er unter anderem Referent für Untersuchungsausschüsse im österreichischen Nationalrat während der Aufarbeitung der Hypo-Affäre. Zudem war er mehrere Jahre für die Recherche-Plattform Addendum tätig und schrieb unter anderem für den Spiegel.
Jonas Heitzer
Jonas Heitzer hat Politikwissenschaft an den Universitäten Innsbruck und Wien studiert. Nach einem Praktikum bei der Tageszeitung Der Standard war er über das "360-Grad-Traineeship" der Wiener Zeitung bei News, Puls 24 und der Kleinen Zeitung tätig. Seit November 2025 ist er wieder zurück bei News.
