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"Meist nach zwei Jahren wird die rosarote Brille abgesetzt", beobachtet Neurologin sowie Paar- und Sexualtherapeutin Heike Melzer. Die eine hätte ihn am liebsten dreimal die Woche, dem anderen reicht dreimal im Monat. Ein Dilemma - und "ein typischer Fall", wie die Therapeutin bestätigt.
Für Melzer gibt es eine klare Regel: "Wer weniger Sex möchte, bestimmt die Anzahl." Dabei sei das aber auch wie ein Tanz zu zweit. Es gibt einen, der führt und der gleichzeitig die Challenge hat, dass durch seine Künste der Appetit beim Essen kommt - ohne zu viel Druck auszuüben.
Die Sexualtherapeutin schätzt, dass in 80 Prozent der Partnerschaften der Sex hoch ritualisiert ist. Der Idealfall sähe so aus, dass er mal von einem, mal vom anderen initiiert wird. "Aber es gibt nun mal keine Lust auf Knopfdruck", erinnert Heike Melzer an die Realität.
Eine Alternative für denjenigen, der mehr Sex möchte, sei dann, ruhig auf "Handbetrieb", also Solo-Sex, umzuschalten. Allerdings rät Melzer in dem Zusammenhang von regelmäßigem Pornokonsum oder der Nutzung eines High-Tech-Sex-Toys ab und erklärt: "Da muss man aufpassen, weil die Gefahr besteht, dass man abstumpft."
Wenn ein Partner seiner Ansicht nach zu wenig Sex bekommt, steigt erfahrungsgemäß auch das Risiko, dass er seine Lust vielleicht in fremden Betten befriedigt. Um aber keine außerpartnerschaftlichen Liebesausflüge zu riskieren, sollten Paare einen offenen Dialog darüber führen, so Melzer. Das Ergebnis könnte sein, dass man vereinbart, neue Impulse zu setzen.
Sie fragen sich, wie solche Impulse aussehen könnten? Die Paartherapeutin nennt drei Beispiele:
Sex ist eine lebenslange Reise, so Heike Melzer. Verändern sich die Umstände, so bedarf es Adaptationsprozessen. Gerade, wenn man zusammen alt wird und körperliche Funktionen nachlassen. "Wenn man nicht mehr in der Phase des Schneller-Höher-Weiter ist, muss man ein neues Kapitel aufschlagen. Denn Sex auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner geht meist mit Lustlosigkeit einher", so die Expertin.
Dagegen helfe nur, immer wieder neue Impulse zu setzen. Damit die von beiden Seiten kommen, habe sich die Einteilung in gerade und ungerade Wochen bewährt. Beispiel: In der geraden Woche ist einer dran, sich einen Impuls auszudenken, in der ungeraden Woche der andere. Es sei laut Heike Melzer vor allem das Stetige, was zum Erfolg führt - statt eines jährlichen Wellness-Wochenendes. Da habe man dann vielleicht viermal Sex, aber dann wars das wieder für Monate.
ILLUSTRATION - Ganz normal: Nicht immer haben in einer Beziehung beide gleich viel Lust. (zu dpa: «Einer will viel Sex, einer weniger - wie damit umgehen?») Foto: Joseffson/Westend61/dpa-tmn - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit dem genannten Text und nur bei vollständiger Nennung des vorstehenden Credits - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++
