ABO

Besenreiser und Krampfadern an den Beinen - was hilft?

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
6 min
Beine mögen Bewegung, denn die bringt das Blut in Schwung
©APA/APA/dpa/gms/Christin Klose/Christin Klose
Feine rote, bläuliche oder violettfarbene Äderchen schimmern durch die Haut an den Beinen? Das ist typisch für Besenreiser. Oft treten sie zusammen mit dickeren und sich knotig zeigenden Venen auf. In der Alltagssprache nennt man sie Krampfadern, Ärztinnen und Ärzte sprechen von Varizen. 20 und bis 30 Prozent der Erwachsenen haben Experten zufolge Krampfadern, die behandelt werden sollten. Antworten auf sechs Fragen zum Thema.

von

Der Durchmesser. "Besenreiser sind feinste oberflächliche Hautvenen mit einem Durchmesser von unter einem Millimeter", sagt der Phlebologe Markus Stücker. Krampfadern dagegen sind größere Venen mit einem Durchmesser von um die drei Millimeter. Sie treten am Bein deutlich hervor. Besenreiser können einen ersten Hinweis auf ein Krampfaderleiden geben. "Meistens sind sie aber harmlos", sagt der niedergelassene Gefäßchirurg Siamak Pourhassan.

Krampfadern sind zwar auch häufig harmlos. Allerdings können sie Beschwerden wie schwere Beine, Spannungsgefühle oder Schwellungen im Gepäck haben. Ist das der Fall, ist es eine gute Sache, einen Arzt oder eine Ärztin aufzusuchen, um die Krampfadern behandeln zu lassen.

"Häufig sind Krampfadern genetisch bedingt", sagt Markus Stücker. Oft führt zudem eine angeborene Bindegewebsschwäche zu Krampfadern. Weitere Risikofaktoren sind neben Hormonschwankungen, etwa im Zuge einer Schwangerschaft, auch Übergewicht, Bewegungsmangel und Thrombosen in der Vergangenheit. Übrigens: Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, Krampfadern zu entwickeln. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer.

Dahinter steckt eine Schwäche der Venen. "Venen haben die Aufgabe, gegen die Schwerkraft aus den Beinen Blut zum Herzen zu transportieren", erklärt Siamak Pourhassan. Sogenannte Venenklappen sorgen dafür, dass das Blut nicht nach unten absackt. Schließen sie nicht mehr richtig, kommt es zu einem Blutstau in den Beinen. Das Blut dehnt dann mit der Zeit die Venen aus - sie treten sichtbar hervor.

Der gestörte Rückfluss führt zudem zu Schwellungen. Zudem gelangt durch den erhöhten Druck Blut in das Gewebe. Dort baut der Körper das Blut ab. Allerdings bleibt oft ein Teil des Hämoglobins, also des roten Blutfarbstoffs, im Gewebe. Die Haut kann sich zunehmend bräunlich verfärben und derber werden. Das führt oft zu dauerhaften, rostbraunen Flecken an den Unterschenkeln.

"In schweren Fällen entstehen sogenannte offene Beine, also ein Beingeschwür", sagt Siamak Pourhassan. Selbst bei kleineren Verletzungen heilen Wunden dann nicht oder nur sehr langsam. Ärzte sprechen dann von Ulcus cruris venosum. Entzünden sich solche Wunden etwa durch Bakterien, sind lebensbedrohliche Infektionen wie etwa eine Sepsis möglich.

Krampfadern bergen nicht nur das Risiko für offene Beine, sondern auch für Venenentzündungen oder Thrombosen. "Eine oberflächliche Venenthrombose äußert sich mit Schmerzen im betroffenen Bereich", sagt Markus Stücker.

Bleibt sie unbehandelt, kann sie sich ausbreiten und in das tiefe Venensystem vordringen. "Ein Blutgerinnsel in den tiefen Beinvenen, das sich mit muskelkaterähnlichen Schmerzen und Schwellungen bemerkbar macht, ist ein medizinischer Notfall", so der Mediziner. Denn es kann im Körper "wandern" und schlimmstenfalls eine lebensbedrohliche Lungenembolie auslösen.

"Zum einen mit dem Tragen von Kompressionsstrümpfen", sagt Markus Stücker. Zwar lassen sich Krampfadern dadurch nicht heilen. Die Strümpfe unterstützen jedoch den Blutfluss und lindern Beschwerden wie Schmerzen oder Schwellungen. So lassen sich Komplikationen ausbremsen.

Manchmal reichen Strümpfe allein nicht aus, dann müssen die beschädigten Gefäße behandelt werden. Anlaufstellen sind Fachärzte für Dermatologie mit der Zusatzbezeichnung Phlebologie oder Gefäßchirurginnen und -chirurgen. Für die Behandlung gibt es verschiedene Methoden.

Krampfadern können allerdings einige Jahre nach dem Eingriff wieder auftreten, wie Siamak Pourhassan sagt. Denn es besteht die Gefahr, dass sich die genetische Veranlagung an anderen Stellen manifestiert. Das gilt vor allem bei allen, die tagsüber überwiegend stehen oder sitzen.

Wer Krampfadern oder eine Neigung dazu hat, sollte sich viel bewegen, wie Markus Stücker rät. Wer im Beruf viel sitzen oder stehen muss, sollte zwischendurch immer mal wieder die Füße bewegen, damit sich das Blut in den Beinen nicht staut. "Wenn möglich, sollte man seine Beine des Öfteren hochlagern, um das Abfließen des Blutes zu unterstützen", so Siamak Pourhassan.

Auch Sportarten wie etwa Schwimmen oder Gymnastik unterstützen die Beinvenen. Und: Übergewicht besser vermeiden.

Ebenfalls wichtig ist es, viel zu trinken, etwa zwei Liter am Tag. Das wirkt sich positiv auf die Blutzirkulation aus. "Und gerade auch bei langem Stehen und Sitzen immer mal wieder Kompressionsstrümpfe tragen", rät Markus Stücker.

WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/dpa/gms/Westend61/Eloisa Ramos

Modellfreigabe vorhanden

BERLIN - DEUTSCHLAND: ++ ARCHIVBILD ++ (ARCHIVBILD VOM 12.7.2016) - FOTO: APA/APA/dpa/gms/Andrea Warnecke/Andrea Warnecke

ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit dem genannten Text

BERLIN - DEUTSCHLAND: FOTO: APA/APA/dpa/gms/Christin Klose/Christin Klose

Über die Autoren

Logo
Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER