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Auch wenn's nicht sexy klingt: TK-Beeren unbedingt erhitzen

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Listerien-Bakterien können zu grippeähnlichen Symptomen führen
©APA/APA/dpa-tmn/Franziska Gabbert/Franziska Gabbert
Sackerl aus dem Eisfach holen, ein paar Beeren für Smoothies oder Shakes in den Mixer schütten oder als Topping auf Müslis, Joghurt oder Hefekloß verteilen: Tiefkühlbeeren sind eine schnelle, praktische und vor allem köstliche Variante. Doch auch wenn es nicht auf der Packung steht, sollten die gefrorenen Beeren laut Verbraucherschützern unbedingt vor dem Verzehr erhitzt werden.

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Auch wer davon schon einmal gehört hat, denkt bei dem Gedanken an Mehraufwand und vor allem an einen warmen Beerenmatsch. Doch diese Vorsichtsmaßnahme hat ihren Grund: TK-Beeren können mit Noro- oder Hepatitis-Viren belastet sein. Immer mehr Handelsunternehmen rufen deshalb die tiefgekühlten Beeren derzeit zurück.

"Doch trotz des Rückrufs veröffentlichen viele Lebensmittelhändler auf ihren Internetseiten gleichzeitig weiter Rezepte, in denen Tiefkühlbeeren ohne vorheriges Erhitzen verwendet werden", warnt Ernährungsexpertin Daniela Krehl.

Dass die Rückrufe immer mehr Handelsunternehmen betreffen, sei für sie nicht überraschend gekommen. "Denn wenn ein Hersteller für mehrere Handelsketten produziert, ist damit zu rechnen, dass nach und nach weitere betroffene Produkte bekanntwerden", so Krehl.

Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) skizziert mögliche Kontaminierungswege:

Auch zunehmende Starkregenereignisse und damit einhergehende Überschwemmungen seien idealer Nährboden für die Verbreitung von Erregern wie Hepatitis-A- sowie Noroviren. Gerade Beeren-Importe könnten laut Professor Jürgen Wenzel von der Uniklinik Regensburg als Träger diese Viren in unsere Tiefkühltruhen bringen. Er denkt vor allem an Importe aus tropischen Gebieten, Teilen des Mittelmeerraumes und Osteuropa sowie aus Ländern mit unzureichenden Hygienebedingungen, die oft eine hohe Virenlast aufweisen.

"Etwa 30 Prozent der zu uns importierten Beeren, wie Heidelbeeren, Himbeeren, Erdbeeren, kommen aus potenziellen Risikogebieten. Somit steigt natürlich auch bei uns das Risiko, sich mit Hepatitis- oder Noroviren anzustecken", erklärt der Forscher.

"Durch das Frosten finden nicht nur die Früchte, sondern auch anhaftende Viren ideale Bedingungen vor, um sich nach dem Auftauen den Menschen als Wirt zu suchen und Erkrankungen auszulösen", erklärt Wenzels Uni-Kollege Mathias Schemmerer.

"Noroviren verursachen bei Menschen aller Altersgruppen akut beginnende Brechdurchfälle, die zu einem erheblichen Flüssigkeitsverlust führen können", warnt das deutsche BfR. Bei Säuglingen, Kleinkindern sowie alten und kranken Menschen könnten die Erkrankungen auch schwer verlaufen und vereinzelt tödlich enden, so die Gesundheitsexperten.

Hepatitis-A-Viren wiederum können schlimmstenfalls eine Leberentzündung verursachen, wie das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) schreibt.

Die Gesundheitsexperten beider Behörden von LAVES und BfR weisen zudem darauf hin, dass nicht nur von rohen, sondern auch schon von bloß kurzzeitig oder ungleichmäßig erhitzten Speisen mit Tiefkühlbeeren ein hohes Infektionsrisiko ausgeht, wenn diese mit Noroviren kontaminiert sind, und raten deshalb: Ein mehrminütiges Erhitzen auf Kerntemperaturen von über 90 Grad scheint geeignet, möglicherweise vorhandene Viren vollständig zu inaktivieren. Heißt in der Praxis: Die TK-Beeren für zwei Minuten in einem Topf mit etwas Wasser köcheln lassen. Frische Beeren sollte man immer gründlich abwaschen.

Und wie verhält es sich mit tiefgekühlten Brokkoli-Röschen oder Blattspinat, die Smoothie-Fans gern gefroren untermischen? Müssen die auch vorher erhitzt werden? "Anders als Tiefkühlbeeren wird Tiefkühlgemüse in der Regel vor dem Einfrieren blanchiert, also kurz mit heißem Wasser oder Dampf behandelt. Dadurch werden unerwünschte Mikroorganismen reduziert", erklärt Daniela Krehl. Trotz der geringeren Gefahr rät sie insbesondere Risikogruppen, auch TK-Gemüse entsprechend den Zubereitungshinweisen zu erhitzen.

Das LAVES empfiehlt sogar dringend, TKGemüsemischungen vor dem Verzehr zu garen. Nur durch ausreichendes Erhitzen würden potenziell krank machende Bakterien abgetötet. Die Behörde hatte zuletzt 2023 insgesamt 47 Tiefkühl-Proben mikrobiologisch untersucht. Ergebnis: 37 Proben (79 Prozent) waren unauffällig Aber in drei von 25 TK-Gemüsemischungen (12 Prozent) sowie in sieben von 22 Proben TK-Pilze (32 Prozent) wurden Listerien-Bakterien nachgewiesen. Sie können zu grippeähnlichen Symptomen, wie Muskelschmerzen, Erbrechen, Durchfall führen und die Gefahr von Früh- und Fehlgeburten erhöhen.

WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/dpa-tmn/Franziska Gabbert/Franziska Gabbert

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