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Thomas Mayer: „Ich bringe Wissen ein, sage meine Meinung“

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Thomas Mayer

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Zwischen Wien und Brüssel: Thomas Mayer über Europa-Journalismus, liberale Haltung, Kontrapunkte zum Mainstream – und warum Streit und Skepsis zum Beruf gehören.

1. Wien/Brüssel: Welche Unterschiede der Städte bringen Journalisten die größten Vor- und Nachteile?

Wien überschaubar, hohe Lebensqualität, Politik theatralisch. In Brüssel läuft Weltpolitik, Arbeit vielsprachig, französische Lebensart.

2. Als Österreichs längstdienender Europa-Korrespondent: Wo fühlen Sie sich warum mehr daheim?

Weiß es oft selbst nicht (mehr). Wo meine Lebensmenschen wohnen. Tirol war meine erste Heimat, hab in Europa mehrere dazugewonnen.

3. Wie Ihr Bruder Standard-Pionier, doch er ist längst bei der Presse: (Wie) Tauschen Sie sich aus?

Wir reden. Vertraulich. Sind Journalisten seit mehr als 40 Jahren. Er einer der besten Schreiber im Land. 1994 mein Vorgänger in Brüssel.

Politik hängt zu sehr an der Droge Boulevardjournalismus

Thomas Mayer

4. Selbstbild + Außensicht: Wo steht Österreichs Journalismus im internationalen Qualitätsvergleich?

Qualität gar nicht so schlecht. Es hat sich viel verbessert. Politik hängt zu sehr an der Droge Boulevardjournalismus. Weltblatt fehlt.

5. Sie setzen oft Kontrapunkte zum Mainstream der eigenen Redaktion: Wie einfach funktioniert das?

Ich bringe Wissen ein, sage meine Meinung. Freiheit, Offenheit, Vielfalt, Skepsis treiben uns an. So wollte und will es Oscar Bronner.

6. Sie sind aktiv und streitbar auf Twitter/X, Bluesky: Welchen Stellenwert hat das für Ihre Arbeit?

SM liefert viel Info, schnell, international. Schärft Profil, steigert Bekanntheit. Tolle Menschen kennengelernt. Aber auch viel Schrott.

7. Auf Twitter wurden Sie wegen Ihrer Tweets mitunter als (zu) rechts eingestuft. Wo sehen Sie sich?

Lechts und rinks kann man nicht velwechsern, spottete Ernst Jandl. Bin ein Liberaler. War in Jugend kein Marxist, bin heute kein Rechter.

8. Jetzt gibt es den Standard bald 38 Jahre: Was sind die auffälligsten Merkmale seiner Veränderung?

Unser kleines feines Blatt von 1988 wurde zum großen liberalen Leitmedium, print + online, stets innovativ, auch frech. Hält mich jung!

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Steckbrief

Thomas Mayer

Thomas Mayer, 63, begann bei „Falter“, „Kleine“, „profil“ und ist seit der Gründung 1988 im „Standard“. Vorerst in Wien für EU-Perspektive zuständig, 1994 Wechsel nach Brüssel, 2002 zurück nach Wien, seit 2009 wieder in Brüssel. Der Korrespondent ist auch Leitender Redakteur

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 07/2026 erschienen.

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