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30 Jahre Onlinemedien in Österreich – und die Strategiesorge zur KI

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Peter Plaikner

©Bild: Matt Observe

1996 war ein Schlüsseljahr für Österreichs vergleichsweise frühen Mediendurchbruch ins Internet. Zum 30. Geburtstag ist vom Vorsprung wenig übrig, doch ein weiteres Schlüsseljahr. Die Vereinnahmung durch KI braucht bessere medienpolitische Antworten als einst das neue Internet.

Trau keinem über 30? DerStandard.at ist schon ein Jahr über der sprichwörtlichen Schwelle und Initiatorin Gerlinde Hinterleitner seit Februar in Pension. Als erste deutschsprachige Tageszeitung im Internet erreicht er heute digital ähnlich viel Publikum wie analog. Das ist immer noch eine Ausnahme.

Ein ähnlicher Early Adopter war der 1994 als weltweit erstes Nachrichtenmagazin ins Web gestartete Spiegel, der dort 1996 mit aktueller Berichterstattung begonnen hat. Insgesamt lagen damals aber österreichische Medienhäuser weit voran und waren die meisten Austro-Tageszeitungen bereits online.

Fehlstart zum Monopolende

1996 war das Jahr eines großen Umbruchs. Wie damals die hiesige Medienpolitik und der letztlich von ihr kontrollierte ORF agierten, machen es zum Lehrbeispiel für 2026 und die angekündigten Weichenstellungen in der Branche. Denn Ursache des einstigen Frühstarts war nicht jene Innovationskraft, die 1980 Österreich als erstem Staat Kontinentaleuropas Teletext beschert hat, sondern der gescheiterte Anfang vom Ende des Rundfunkmonopols.

Trotz 1993 beschlossenen Gesetzes wurde erst 1998 bundesweit Privatradio möglich. Ausgerechnet dieses Gruselkapitel hiesiger Medienverhinderungspolitik bewirkte dennoch Innovation: Bei einigen der rechtzeitig für den neuen Hörfunk formierten Teams großer Medienhäuser geriet Internet zur Beschäftigungstherapie bis zum Radiospätstart. Auf Web-Kongressen in den USA tummelten sich damals mehr Österreicher als Deutsche.

Doch den derart erzielten Vorsprung hatte die Medienpolitik nicht begriffen. Sie gewährte 1997 auch dem ORF den Einstieg ins Internet, aber im gleichen Atemzug ein Joint Venture mit Skiverbandspräsident Peter Schröcksnadel – den Wetter- und Tourismuskanal TW1. Just als die privaten Medienhäuser sich wieder auf den Radiostart konzentrieren mussten.

Verpflichtung zu Kooperation

Daran ist zu erinnern, wenn im Song-Contest-, Olympia- und Fußball-WM-Taumel außer Acht gerät, dass der Österreichische Rundfunk heute vor allem eine Strategie für die vollkommen veränderte Medienwelt im Zeichen von KI braucht. Die trimediale Marktführerschaft des öffentlich-rechtlichen Anbieters bei Radio, Fernsehen und Online-Information entspringt vor allem der Verzögerung seines Monopolendes und Privilegierung durch Doppelfinanzierung aus Haushaltsabgabe und Werbung. Sein Selbstverständnis ist aber mindestens so stark vom Wettbewerbsgedanken geprägt wie durch die Verpflichtung zum Public Value.

Zwischen diesen beiden Polen braucht es eine neue Austarierung. Wie 1996 wird 2026 zum Schlüsseljahr des Umbruchs. Private Medienhäuser wirken wie damals schneller in dieser Wahrnehmung. Doch anders als einst in ihrer Boom-Phase sind sie es heute notgedrungen. Die Medienpolitik hat dadurch noch mehr Steuerungsverantwortung. Sie muss den einstigen Monopolisten zu mehr Kooperation mit Konkurrenten verpflichten. Alles, was sie zum ORF beschließt, hat enorme Auswirkungen auf jeden Marktteilnehmer. Und was sie aktuell versäumt, ist durch kein Geschäftsmodell mehr wettzumachen.

Was meinen Sie? Schreiben Sie mir: pp@plaikner.at

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 06/2026 erschienen.

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