Wie bleibt Qualitätsjournalismus verständlich, relevant und aufmerksamkeitsstark im digitalen Zeitalter? Anna Wallner spricht über Lernen an Grenzen, Debatten als Herzstück der „Presse“ und warum KI längst Teil journalistischer Transformation ist.
1. Von Lehrredaktion bis New-Media-Chefin: In welcher Station haben Sie warum am meisten gelernt?
Am meisten lernst du dort, wo du dich zuerst einmal blank fühlst. Ich hatte da einige sehr gute Stationen und lerne immer noch.
2. Welchen Stellenwert haben die Debatte-Seiten und (wie) lässt er sich ins Digitale übertragen?
Einen großen. Debatte ist unser Wohnzimmer, wir sind stolz auf eines der breitesten Meinungsspektren. Digital bringen gerade Kolumnen Abos.
3. Wie stark sind externe Bitten um Gastkommentare? Welche Kriterien entscheiden, ob einer kommt?
Der Run ist anhaltend groß. Ich nehme: starkes Thema, klare Sätze, Haltung ohne Hinhauen. Ich lasse: Anfragen aus Parteibüros und Eigen-PR.
4. Was sind die stärksten Leitplanken, um der Marke „Presse“ bei Digitalisierung treu zu bleiben?
Leitplanken? Nicht ins Lächerliche kippen. Alles andere steht in der „Verfassung“ der „Presse“: Genauigkeit, Stil, eine Kultur der Kritik.
Wir kämpfen um Aufmerksamkeit, Information verpufft ohne Erzählkraft
5. Podcast, Video, Social Media: Wie wichtig ist die Unterhaltung als Transporteur von Information?
Wir kämpfen um Aufmerksamkeit, Information verpufft ohne Erzählkraft. Unterhaltung ist für mich nicht Klamauk, sondern Verständlichkeit.
6. Ihr Stimmklon kann alle Artikel vorlesen. Welche Rolle spielt KI schon für die Transformation?
KI ist nicht mehr „nice to have“. Wer sie ignoriert, wird abgehängt. Kritisch bleiben müssen wir trotzdem, erst recht im Journalismus.
7. Sie sind selbst auf Social Media; am stärksten auf LinkedIn: Welchen Kanal bevorzugen Sie warum?
Wenn du nicht dort bist, wo dein Publikum ist, bist du unsichtbar. Ich bin dort, wo mir Menschen widersprechen dürfen. Das hält wach.
8. Was empfinden Sie heute im Rückblick auf Ihre Arbeit 2015 beim Wall Street Journal in New York?
Große Sehnsucht nach New York, auch nach den USA von damals. Und eine Zuversicht, dass Legacy Medien überleben, wenn sie den Fokus behalten.
Steckbrief
Anna Wallner
Anna Wallner, 43, hat Jus studiert und 2006 ihr Gerichtsjahr für eine Lehrredaktion in der „Presse“ unterbrochen. Dort baute sie die Menschenseite auf, war im Feuilleton für Medien zuständig, Chefin vom Dienst für den Sonntag, leitet seit 2019 Debatte und Podcast und seit 2025 New Media
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 04/2026 erschienen.





