Von einem Berg einen Bühel zu betrachten, könnte als Herablassung gelten. Aber für den Küniglberg sind die Ski-Spektakel in Kitzbühel und Schladming noch verlässlichere Quotenhits als der Opernball.
Wenn diese Kolumne erscheint, hat das österreichische Paradoxon eines regelmäßigen Ausnahmezustands gerade wieder geendet. 2026 liegt erstmals seit 2008 die Abfahrt von der Streif vor dem Slalom auf der Planai. Denn obwohl sie sportlich das historisch schlechteste Ergebnis bescherte, lieferte sie mit 1,58 Millionen ihre höchste ORF-Zuschauerzahl seit Jahrzehnten. Beim Slalom in Schladming waren es im Schnitt 1,26 Millionen Zuseher im zweiten Durchgang.
Auch wenn das Klischee den Hahnenkamm als Nonplusultra des Weltcups wähnt, ist das TV-Publikum für ein Einzelrennen in Schladming größer. Weil mittags weniger Menschen fernsehen als abends, liegt nur die Quote der Tiroler immer vorn. 75, 84 und 73 Prozent Marktanteil für die Abfolge von Super-G, Abfahrt und Torlauf wirken heuer schier unschlagbar, kämen nicht noch Winter-Olympia und Fußball-WM als einzige Ereignisse, die Kitzbühel und Schladming aus den Jahres-Top-Ten drängen könnten.
ORF-Weltcuprechte bis 2032
ORF-General Roland Weißmann hat also punktgenau die Verlängerung der Kooperation mit dem Skiverband bekanntgeben. Die Live-Übertragungsrechte für alle ÖSV-Weltcup-Events liegen bis 2032 auf dem Küniglberg. Was das bedeutet, zeigen die zehn meistgesehenen Sendungen des Vorjahres: Je zwei Mal Kitz und Schladming sowie das Finale der VierSchanzen-Tournee sorgten schon bis Ende Jänner für die halbe Miete.
Indes betont der Global Head of Content von Servus Media, Matthias Brügelmann, dass der Privatsender Highlightund Digitalrechte vom ÖSV erworben hat. Der Paarlauf mit dem ORF unter wechselnder Führung geht also weiter. 2024 waren die Rechte an der Kicker-Euro ausschlaggebend für das Quoten-Rekordjahr von ServusTV. Heuer ist es umgekehrt Untermieter beim ORF, der die Rechte an der Weltmeisterschaft in Nordamerika hält.
Servus-Glück mit Argentinien
Die Auslosung der Austro-Spiele bringt aber keinen öffentlichen-rechtlichen Vorteil. Der ORF zeigt die Partie gegen Jordanien am 17. Juni ab 6 Uhr und die wohl über den Aufstieg entscheidende Begegnung mit Algerien am 28. Juni ab 4 Uhr. Das aufgrund des Gegners zugkräftigste Match mit Argentinien überträgt hingegen ServusTV am 22. Juni ab 19 Uhr. Die schlechteste Quote des Jahres für „Bundesland heute“ wirkt somit vorprogrammiert.
Wie entscheidend vermeintliche Kleinigkeiten für Seherzahlen sind, zeigt Schladming. Der erst 2023 eingeführte Riesentorlauf hat seit 2024 mehr TV-Publikum. Das liegt vielleicht daran, dass er seitdem am Abend nach statt vor dem Slalom ausgetragen wird. Die nationale Hoffnung infolge des Kitzbühel-Siegs von Manuel Feller könnte diese These aber bereits heuer widerlegen. Unwiderlegbar ist jedoch der Sport-Turbo für ORF 1. Seine Jänner-Quoten lagen in den jüngsten Jahren bis zu 47 Prozent über dem Schnitt.
Im ersten Quartal 2025 kam die ORF-Sendergruppe auf 38,6 Prozent Marktanteil statt am Ende 34,6. Außer dem Song Contest waren ihre Top-Ten-Übertragungen durchwegs im Jänner und Februar. Der soeben beendete ORF-Ausnahmezustand wirkt also berechtigt. Dass auch ORF III an Kitzbühel und Schladming mitnascht, sorgt allerdings für Überwürzung. Die Konzentration auf ein Programm wäre vollkommen ausreichend.
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Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 05/2026 erschienen.






