"Kitz"-Star Valerie Huber über Glück, Karriere und die schönste Reise ihres Lebens

Sie überzeugte als Franz Klammers Frau im Skihelden-Movie und tobt durch den Netflix-Hit "Kitz". Privat sagt Valerie Huber bald Ja zu Musikkabarettist Paul Pizzera. Für die Verlobung wählte er Afrika, den Ort, der Huber prägte.

von "Kitz"-Star Valerie Huber über Glück, Karriere und die schönste Reise ihres Lebens © Bild: Philine Hofmann

Steckbrief

  • Name: Valerie Florine Huber
  • Geboren am: 4. Jänner 1996 in Wien
  • Sternzeichen: Steinbock
  • Ausbildung: Schauspielausbildung an der Schauspielschule Krauss
  • Beruf: Schauspielerin
  • Familienstand: in Beziehung mit Paul Pizzera

Zwischen ihnen liegen Welten. Für die Influencerin Vanessa beginnt das Grauen schon, wenn sich das Leben fünf Minuten lang nicht um sie dreht. Sie ist reich unter ebensolchen Freunden und lebt vom Teilen ihrer Glitzerweltfotos mit Tausenden Social-Media-Adoranten. In der aktuell erfolgreichsten deutschsprachigen Netflix-Serie, "Kitz", ist Vanessa das dekadente, selbstsüchtige Epizentrum einer Münchener Schicki-Clique, die das Leben der Einheimischen in Kitzbühel gehörig aufmischt.

Valerie Huber lässt als Vanessa-Darstellerin im Streaminghit die Oberflächlichkeit der Insta-Blondine gekonnt zerbröseln. Sie ist der Typ Frau, der ungeschminkt Interviews gibt und abwiegelt, wenn man sie auf glamouröse Fotos oder die vergangene Modelkarriere anspricht. Auch Valerie Huber hat fast 50.000 Follower auf Instagram. Sie steht dem Social-Media-Dienst pragmatisch-hinterfragend gegenüber. Für Schauspieler ist ein Instagram-Auftritt längst eine wichtige Visitenkarte, und "La Huber", wie Fans sie auf der Plattform verehrend nennen, lässt diese für sich sprechen: Trump abwählen. Den eigenen Überkonsum hinterfragen. Flüchtlinge unterstützen. Gegen Rassismus auftreten.

© Walter Wehner/Netflix Als Gegnteil von allem, das sie sein möchte, beschreibt Huber die Rolle der Influencerin Vanessa, die sie in der viel diskutierten Kitzbühel-Serie von Netflix spielt

Das sind die Themen, auf die die Schauspielerin zwischen Einblicken in die schönen Seiten ihres Lebens leidenschaftlich aufmerksam macht. Ein reflektierender Blick prägt ihre Sicht auf die Welt. So begegnet sie Beanstandungen mancher Kritiker an den Klischees, die in "Kitz" gezeigt werden, gelassen. Kurz vor dem Hahnenkammrennen (17. bis 23.1.) ist die Serie um Schein, Sein und Rache für einen tragischen Todesfall ebenso beliebt wie Stammtischthema.

Kitz-Kritik zurechtrücken

Darf man Kitzbüheler denn Hochdeutsch sprechen lassen? Darf man die Einheimischen auf eine dienende Rolle reduzieren? Das fragen kritische Stimmen. "Natürlich gibt es sozialkritisch tiefgründigere Produktionen, aber die Diskrepanz zwischen Einheimischen und Schickimicki-Szene ist wirklich ein problematisches Thema", rückt Huber die Sache zurecht. "Der klischeehafte Aufbau von Rollen hilft. eine Geschichte leichter zu erfassen. Aber wir zeigen auch die Schattenseiten dieser oberflächlichen Instagram-Welt, in der ein Posting eine Existenz vernichten kann." Zudem helfe eine weithin verständliche Sprache abseits des Dialekt natürlich einer breiteren Vermarktung, sagt sie.

»Afrika hat mich gelehrt, wie ungerecht das Leben sein kann, und den westlichen Kapitalismus zu hinterfragen«

Die Karriere läuft

Social-Media-Fanpost bekommt die 26-Jährige neuerdings auch aus Brasilien und aus asiatischen Ländern. Der Karrieremotor läuft auf Hochtouren. Den Grundstein hat sie seit 2017 mit Rollen in Fernsehserien (u. a. "Trakehnerblut","Das Traumschiff", "SOKO Köln") und Filmen ("Head Full of Honey") gelegt. Zuletzt beeindruckte Huber im Skihelden-Epos "Klammer -Chasing the Line" als Klammers spätere Frau Eva (ORF 2 zeigt den Film am 5.2.) Geplant war das nie, auch wenn Huber sich in Karrieredingen als zielstrebig beschreibt und schon im Alter von elf Jahren als "Tom Turbo"-Mitwirkende begeistert Kameraerfahrung gesammelt hat. "Ich habe nie Bewerbungstouren durch große Schauspielschulen gemacht, auf die man sich normalerweise monatelang vorbereitet. Nach der Ausbildung hatte ich das Glück, relativ schnell von einer renommierten deutschen Agentur aufgenommen zu werden und bald darauf zu arbeiten. Die Schauspielerei war also eher Zufall, kein Plan. Klar, ich hatte Glück", sagt sie.

Es scheint, als hätte das Leben Huber ins Rampenlicht geschubst. Weg vom Studium der Politikwissenschaft. Ursprünglich sollte ihr dies helfen, die Spuren des Vaters zu vertiefen. Von dessen Wirken in der Entwicklungszusammenarbeit spricht sie voll Stolz. Es hat Huber tief geprägt.

Heimat war lange Zeit Afrika

"Auf die Frage, wo ich herkomme, habe ich wirklich eine Zeit lang Afrika gesagt", erzählt Huber. Bei der Erinnerung an die Lacher, die sie damit auslöst hat, muss sie schmunzeln. Sie war wenige Monate alt, als sie mit ihrer Familie für dreieinhalb Jahre an die Elfenbeinküste zog und danach weitere vier Jahre nach Uganda. "Afrika hat mich unglaublich geprägt. Natürlich hatten ich dort ein privilegiertes Leben in einer Gated Community samt Nachtwächter & Co. Aber ich habe dort einfach schon sehr früh mitbekommen, was wir für ein Riesenglück haben, allein, weil wir in Österreich geboren wurden. Ich bin irrsinnig dankbar für die wundervolle, lehrreiche Kindheit, die ich hatte, sagt sie.

© Privat Stolz spricht Huber vom Engagement des Vaters. Auf dem Foto: beide im Urlaub in Tansiana. Sein Wirken in der Entwicklungszusammenarbeit brachte die Familie in Hubers ersten sieben Lebensjahren nach Afrika

Die märchenhafte Erinnerung daran, nie Schuhe getragen zu haben, stammt ebenso aus dieser Zeit wie ihr kritischer Blick auf den Kapitalismus. Huber: "Ich bin damit aufgewachsen den neoliberalen Kapitalismus in der westlichen Welt zu hinterfragen. Wie er auf Ausbeutung basiert und Kinder in afrikanischen Minen arbeiten müssen und Kriege geführt werden, weil wir Batterien für unsere Autos und Smartphones brauchen. Dieser zerstörerische Kapitalismus ist offensichtlich ebenso der Auslöser für die Klimakrise. Es ist viel Lebens-und Herzensbildung, die ich so durch meinen Vater mitbekommen habe." Auch ehrliche Freude an kleinen Dingen habe sie die Zeit in Afrika gelehrt, sagt die Schauspielerin und beschreibt "diese unglaubliche Lebensfreude der Menschen dort, ihr Talent, froh durchs Leben gehen zu können, auch wenn man nichts oder wenig hat."

© Privat Als Heimat für lange Zeit beschreibt die Schauspielerin ihr Gefühl für den Kontinent, auf dem sie eine märchenhafte Kindheit verbringen durfte. Ein Bild aus ihrer Schulzeit

Die Wurzeln der politischen Botschaften der Schauspielerin stammen aus dieser Zeit, auch wenn sie Heimat mit Neujahrskonzert, Donauwalzer im Flugzeug, österreichischer Küche und heimischen Bergen verbindet, seit die Eltern in Österreich leben. "Seit meine Eltern ihre Pension im Salzkammergut verbringen, bin ich sehr oft dort. Es ist so ein schönes Fleckerl! Wenn man älter wird, bekommen Dinge wie Sicherheit und Lebensqualität oder auch das kulturelle Angebot einer Stadt wie Wien natürlich viel mehr Gewicht. Wien ist für mich das perfekte Gesamtpaket", sagt sie über ihre Geburtsstadt.

Unpolitisch sein geht nicht

Fassungslosigkeit ist Valerie Huber ins Gesicht geschrieben, wenn sie sich daran erinnert, wie sie in vergangenen Jahren in Deutschland nach schwarz-blauen Regierungsdramen ihrer Heimat gefragt wurde. "Was in Österreich in den letzten Jahren passiert ist, war zum Fremdschämen. Die Kollegen haben oft nicht geglaubt, was bei uns politischer Alltag, ja normal war. Wir haben wirklich ein Korruptionsproblem, und ich hoffe das wird in den nächsten Jahren ausgeräumt", wird sie deutlich.

»Was in Österreich in den letzten Jahren passiert ist, war zum Fremdschämen. Wir haben ein Korruptionsproblem«

Sie erlaubt sich Kritik an der eigenen Generation: "Ich habe das Gefühl, politische Gespräche sind in meiner Generation unterrepräsentiert. Für mich muss viel mehr über politische Zusammenhänge gesprochen werden. Unpolitisch zu sein, ist für mich nicht mehr machbar in diesen Zeiten." Als Beispiel nennt sie das Flüchtlingsthema. Wenn es etwa um die Abschiebung eines jungen Mädchens ginge, fände sie es seltsam, dazu keine klaren Worte zu finden. "Egal, ob man bekannt ist oder nicht, auch im Gespräch mit Freunden ist es wichtig, kritisch über politisch Themen zu sprechen, zu diskutieren und auf die Straße zu gehen, Ich finde, es ist wichtig, Farbe zu bekennen."

Ihre politischen Botschaften in den sozialen Medien würden guten Widerhall finden, erzählt Huber. Es sei erfreulich, wenn sie nach neuen, politischen Inhalten gefragt werde, "weil es zeigt, dass doch mehr gefragt ist, als nur schöne Bildchen".

Verlobung in Kenia

Zuletzt sorgte auf der Social-Media-Plattform ein anderer Inhalt für Furore. Es war ein Tabubruch für die Mimin, die ihr Privatleben stets privat gehalten hat. Mit ihrem Freund, dem Kabarett- und Chartstar Paul Pizzera, zeigte sie sich im Urlaub in Kenia und betonte den Wert des besonderen Moments: "So dankbar für dich". Die beiden hatten sich beim Videodreh zum Pizzera-&-Jaus-Song "frmdghn" im Mai 2021 kennengelernt und waren im Oktober zur Filmpremiere von "Klammer" erstmals gemeinsam öffentlich aufgetreten.

Fast zeitgleich zum Afrika-Posting der Freundin erzählte Pizzera -auch ein Novum für den in Beziehungsdingen verschwiegenen Nummer-eins-Hit-Sänger - in seinem Podcast vom besonderen Hintergrund der Reise. Das Paar ist seit seinem Heiratsantrag im Heißluftballon verlobt. Es klingt nach einem großem Glück, das geteilt werden wollte, wenn man Huber nach dem Sinneswandel fragt: "Wir wollten es nicht absichtlich geheim halten, wenn es doch so ist und wir einfach glücklich sind. Natürlich ist privat nach wie vor privat, aber wir haben auch kein Problem damit, uns zueinander zu bekennen."

Am Anfang war die für beide herausfordernde Frage rund um ihre Filmpremiere gewesen, warum sie den Mann, den sie gerne dabei haben möchte, nicht mitnehmen solle. "Es war eine gemeinsame Entscheidung, und ich glaube, es ist besser, so etwas selbst in der Hand zu haben."

Noch viel zu tun

Den gemeinsamen Afrikaurlaub, bei dem die beiden EAV-Mastermind und Pizzera-Freund Thomas Spitzer besuchten, beschreibt Valerie Huber als schönste Reise ihres Lebens. Die Rückkehr zu Wurzeln, die ihr viel bedeuten. "Einfach mitten in einem Ort am Strand zu wohnen, Tuk-Tuk zu fahren, am Leben dort teilzuhaben, war eine unglaublich schöne Erfahrung", schwärmt sie.

Auch ihre Eltern waren im Herbst in der Heimat vergangener Tage. Auf die Frage, mit welchem Lehren man zurückkehrt, wenn man das Land von früher kennt, ist Huber ehrlich. Und die Erkenntnis, die die Familie teilt, ist bitter: "Zu sehen, wie fruchtlos die Entwicklungsarbeit trotz der vielen NGOs und Organisationen bleibt, ist traurig. Dass Afrika nach wie vor ausgebeutet wird, bleibt einfach ein Problem."

Die Herzensbildung früher Tage begleitet die Schauspielerin, auch wenn ihre Heimat nun Österreich ist. Auch wenn sie bald in Los Angeles die Fühler nach neuen Projekten ausstreckt. Sie bleibt die Frau, die sich selbst impulsiv ermahnt, "Shame on me!", wenn es Zeit ist, wieder politisch deutlich zu werden.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich im News 03/2022.