Wer ist Nina Proll?

Nina Proll ist bekannt für ihre Rollen in "Vorstadtweiber" oder Filmen wie "Buddenbrooks". Doch Nina Proll ist auch bekannt für ihre polarisierenden Beiträge in gesellschaftlichen Debatten. Doch woher kommt die Schauspielerin und was hat sie geprägt? Ein Porträt.

von Nina Proll © Bild: imago images/Viennareport

Steckbrief Nina Proll

  • Name: Nina Proll
  • Geboren am: 12. Jänner 1974 in Wien
  • Sternzeichen: Steinbock
  • Aufgewachsen: Im Waldviertel
  • Beruf: Schauspielerin, Sängerin, Tänzerin
  • Familienstand: Verheiratet mit Gregor Bloeb
  • Kinder: Zwei Söhne, Leopold und Anatol

Die einen lieben sie, die anderen schütteln den Kopf, wenn sie ihren Namen hören: Nina Proll mag vieles sein, aber sie ist bestimmt nicht unauffällig. Die österreichische Schauspielerin polarisiert immer wieder mit Statements zu gesellschaftlichen Debatten.

Auch interessant:
So tickt "Vorstadtweib" Hilde Dalik - ein Porträt
Maria Köstlinger ordnete hinter den Kulissen der "Vorstadtweiber" ihr Leben neu
Die Vorstadtweiber reden über Männer(klischees)
Gregor Bloéb: "Political Correctness ist eine einzige Scheinheiligkeit"

Nina Proll und #metoo

2017 sorgte Nina Proll erstmals im Rahmen der #MeToo-Debatte für große Aufregung, als sie unter dem Hashtag #notme („Ich nicht“) dem Feminismus Opferkult vorwarf. Sie selbst sei noch nie belästigt worden, aber das liege vermutlich daran, dass sie „sexuelle Annäherungsversuche von Seiten eines Mannes grundsätzlich erfreulich finde […] und nicht als Belästigung empfinde“ schrieb sie etwa in einem Facebook-Beitrag.

Mit ihren Worten löste Proll eine Welle der Empörung aus; die Worte seien zynisch, erniedrigend und ein Schlag ins Gesicht für jene, die Gewalt erlebten, warfen ihr KritikerInnen vor. Proll war jedoch nicht zum Einlenken bereit und blieb bei ihren Aussagen.

Nina Proll und Corona

Für weitere Aufregung sorgte die Schauspielerin auch mit diversen Wortspenden zu den Maßnahmen anlässlich der Corona-Pandemie und dem Corona-Management der Österreichischen Bundesregierung. Doch es blieb nicht bei Wortspenden, Proll schrieb sogar zwei eigene Songs („Willkommen in der Demokratie“ und „I zag di au“), in denen sie Regierung und Maßnahmen heftig kritisierte. Zudem rief sie über ihre Facebook-Seite zu einer umstrittenen Petition gegen die Maskenpflicht im Schulunterricht.

Immer schon politisch?

Dass sie mit ihren direkten Aussagen und Ansichten polarisiert, ist Proll durchaus bewusst. Ihrer Meinung nach liege das allerdings „nur an der heutigen Zeit, nicht an mir“, sagt sie gegenüber News.at. War also früher alles besser? Das nicht, vielmehr sei die Schauspielerin früher noch nicht so politisch gewesen, was aber „mit zunehmendem Alter immer mehr“ werde, so Proll.

Nina Proll
© imago images Nina Proll 2003

Nina Proll: Kindheit im Waldviertel bei der Oma

Nina Proll wuchs als Kind gemeinsam mit ihrem Bruder Claudius zunächst vor allem bei ihrer Großmutter auf, die ihre Enkel in Haugschlag im nördlichen Waldviertel umsorgte, während die Eltern in Wien beruflich beschäftigt waren; die Mutter im Familienbetrieb, der Vater als Selbständiger. Als sich die Eltern scheiden ließen, wurde ihre Oma für Proll überhaupt „zur wichtigsten Bezugsperson“, wie sie in einem Interview mit der „Kleinen Zeitung“ erzählte: „Als rundherum alles auseinanderbrach – sie war immer da“, so die Schauspielerin.

Rückkehr nach Wien

Am Beginn ihrer Pubertät zogen die Geschwister zu ihrem Vater zurück nach Wien, wo Proll das katholische Mädchengymnasium Sacré Coeur bis zur Matura besuchte. Die Schauspielerin beschreibt ihren Vater, mit dem sie eine große Liebe verband, in dem Zeitungsinterview als konservativen, vorsichtigen Mensch, der genaue Vorstellungen von dem, was ein Mädchen machen sollte und durfte, hatte. Generell seien im Elternhaus Proll die Werte „Sparsamkeit, Bescheidenheit und Häuslichkeit“ vermittelt worden, doch „leider hat die Erziehung nicht so gut funktioniert“, fügt die Schauspielerin im Interview mit News.at. hinzu.

Nina Proll
© imago images / United Archives 1998: Nina Prolls erster großer Auftritt im Film "Das Kapital" an der Seite von Christiane Hörbiger

Nina Prolls Einstieg in den Beruf und Ausbruch aus dem Elternhaus

Nach der Matura absolvierte Nina Proll Ausbildungen an den „Theater an der Wien Studios“ und den „Performing Arts Studios Vienna“. Doch trotz ihrer Leidenschaft für die Kunst und der dahingehenden Ausbildung herrschte in der Familie die Meinung, dass die Tochter eines Tages in den mütterlichen Familienbetrieb, einem Raumausstatter, einsteigen werde. Erst durch Engagements in einem Musical und einem Film mit Christiane Hörbiger sei Proll zunächst selbst klar geworden, wie sie in Interviews erzählte, dass sie von der Schauspielerei leben könne – und auch die Eltern begannen ab diesem Zeitpunkt, die berufliche Orientierungihrer Tochter abseits der Vorstellungen ernst zu nehmen. Der Beruf der Schauspielerei stellt somit für Proll auch stets ein „Ausbrechen aus den Regeln und Vorgaben ihres Elternhauses“ dar.

Nina Proll
© imago images/Everett Collection Nina Proll mit Edita Malovcic in ihrem Durchbruchsfilm "Nordrand" von Barbara Albert

Nina Proll: Ihr Durchbruch

Der große Durchbruch gelang Nina Proll mit dem Engagement in Barbara Alberts Film „Nordrand“ im Jahr 1999, einem Drama über zwei ungewollt schwanger gewordene junge Frauen, die den Ausbruch wagen. Dafür erhielt sie auf den renommierten Filmfestivals in Venedig und Berlin Auszeichnungen als Nachwuchsschauspielerin. Es war der Startschuss für ihren Erfolg.

Nina Proll
© imago images/Mary Evans Für ihre Rolle in "Nordrand" wurde Nina Proll in Venedig als Nachwuschsschauspielerin ausgezeichnet
Nina Proll
© imago images/United Archives Proll an der Seite von Roland Düringer im Kultfilm "Hinterholz 8"

Nina Proll und die "Vorstadtweiber"

Es folgten Auftritte in Erfolgsproduktionen wie „Komm, süßer Tod“, „Keinohrhasen“ oder „Buddenbrooks“ sowie in diversen TV-Serien wie „Kaisermühlen Blues“ oder „Braunschlag“ bevor sie im Jahr 2014 als selbstbewusste Sexbombe Nicoletta Huber in „Die Vorstadtweiber“ engagiert wurde. Eine Rolle, die ihrer Karriere noch einmal einen Auftrieb gab, ihren Bekanntheitsgrad weiter steigerte – und ihr eine Romy einbrachte. Die Schauspielerin weiß das alles zu schätzen und bezeichnet die Erfolgsserie als „wahres Geschenk“. Doch auch wenn Nina Proll immer wieder mit ihrer Figur identifiziert wird (Proll steuerte sogar manches Kleid aus ihrem Privatfundus bei), stecken in ihr selbst nur „25 Prozent“ Vorstadtweib, schätzt sie selbst gegenüber News.at ein.

Proll Vorstadtweiber
© ORF/MR Film/Petro Domenigg Nina Proll als Nicoletta Huber in "Die Vorstadtweiber"

Nina Prolls "persönliche Traumrolle"

Mehr als nur 25 Prozent steckt allerdings in der Protagonistin aus dem Film „Anna Fucking Molnar“; nämlich eine Schauspielerin in der Midlife-Crisis, die sich mit "typisch männlichen" Attributen genau das holt, was sie will. Proll spielt nicht nur die Hauptrolle sondern schrieb auch erstmals das Drehbuch. "Ich wollte mit der Geschichte den Spieß umdrehen und eine Frau zeigen, die sexuell selbstbestimmt durchs Leben geht und kein Opfer ist“, sagte Proll in einem „Profil“-Interview über jene Rolle, die sie als ihre „persönlichen Traumrolle“ bezeichnet.

Nina Proll und Gregor Bloéb

Privat ist Proll seit 2006 mit ihrem Schauspielkollegen Gregor Bloéb liiert und seit 2008 ist das Paar verheiratet. Bereits im Jahr 1999 lernte sie den Bruder von Tobias Moretti bei einem „Tatort“-Dreh kennen. Doch bei Bloéb, der damals noch vergeben war, habe es erst fünf Jahre später gefunkt, erzählte Proll in einem Interview. 2006 hat es dann auch auf der anderen Seite "gefunkt" und 2008 kam der erste gemeinsame Sohn Leopold, 2010 der zweite, Anatol, zur Welt. Die Familie Proll-Bloéb lebt auf einem abgeschiedenen Bergbauernhof in Tirol.

© APA/HELMUT FOHRINGER Nina Proll mit ihrem Mann Gregor Bloéb am Opernball

Entspannung und Zukunft

Kraft für ihre beruflichen Engagements - Proll ist neben ihrer Schauspielerei auch als Sängerin aktiv oder tanzte bei „Dancing Stars“ -, Beiträge in Gesellschaftsdebatten und ihren Einsatz als Mutter tankt die Mimin bei Yoga, Massagen und Wald-Spaziergängen. Was Nina Proll in Zukunft noch vor hat? Ganz klar: „Einen eigenen Film.“