Es sind Gebäude, bei denen man zweimal hinschauen muss – und sich vielleicht zu Recht fragt, ob diese Bilder KI-generiert sind. Doch geniale Architektur gibt es überall auf der Welt: Von den USA über Portugal bis China, ein neuer Bildband zeigt außergewöhnliche Bauten und erzählt ihre teils eigenartigen Geschichten.
Architektur spiegelt unsere Bedürfnisse und Lebensweisen wider und ist zugleich eines der sichtbarsten Zeugnisse unserer Zeit. Schließlich begegnet sie uns überall – im Alltag, im öffentlichen Raum und auch in jenen Räumen, die wir Zuhause nennen.
Der Midas-Verlag versammelt jetzt auf 240 Seiten außergewöhnliche Bauten aus aller Welt in einem Bildband. Das Spektrum reicht von imposanten Privatvillen über skulpturale Museumsbauten bis hin zu skurrilen Architekturikonen, die einst als kluge PR-Coups gedacht waren und längst zum Wahrzeichen ihrer Region geworden sind.
Stille Monumente
Man findet aber auch Gebäude, die zeigen sollen, dass ein Leben ohne Technologie möglich ist: wie das unverkennbare Casa do Penedo beweist, in dem es bis heute keinen Strom gibt, dafür ein unvergleichliches Gefühl von Entschleunigung. Bis heute befindet sich das witzige Steinhäuschen in der Serra de Fafe im Privatbesitz einer Familie, die es gerne als Feriendomizil nutzt und Führungen anbietet.
Casa do Penedo
Das eigenartige Steinhäuschen, das auch den Beinamen „das seltsamste Haus der Welt“ trägt, wurde aus vier großen Gesteinsbrocken gebaut und gilt als wahre Sehenswürdigkeit der Serra de Fafe, einer Gegend zwischen Celorico de Basto und Fafe im Norden Portugals.
Gebaut wurde es 1974 von Familie Rodrigues, die es bis heute als privates Ferienhaus nutzt. Es gibt keinen Strom, dafür fließendes Wasser und Gas. Führungen sind möglich
Kluge PR-Coups
Doch nicht alle Bauten sind unbeschwerte Kuriositäten: Zum Beispiel die Teapot Dome Service Station in Zillah/Washington, die auf einen politischen Skandal in den 1920er-Jahren anspielt. Oder das Straßenrestaurant „Mammy’s Cupboard“, das bis heute für ein besonders problematisches Kapitel der amerikanischen Geschichte steht.
Das Gebäude aus dem Jahr 1940 wurde als überdimensionale Figur einer Schwarzen Frau entworfen – eine Darstellung, die auf das rassistische „Mammy“-Stereotyp zurückgeht: Schwarze Frauen wurden als fürsorgliche Dienerinnen dargestellt, ihre von Sklaverei und Ausbeutung geprägte Realität weitestgehend ausgeblendet.
Während der Bürgerrechtsbewegung wurde die Haut der Figur aufgehellt, doch der neue Anstrich kann die rassistische Symbolik, die dahintersteckt, nicht beseitigen. Das Gebäude liefert bis heute Diskussionsstoff.
Teapot Dome Service Station
Die Tankstelle in Form einer Teekanne in Zillah (Washington) wurde von einer landesweiten Schmiergeldaffäre inspiriert: Ein US-Senator vergab in den 1920er-Jahren staatliche Ölreserven aus dem Ölfeld „Teapot Dome“ in Wyoming heimlich an private Ölkonzerne. Das Gebäude soll an diesen Skandal erinnern
Daneben werden architektonische Zeitzeugen gezeigt, die für Vergänglichkeit stehen: das korbähnliche „Basket Building“ zum Beispiel. Dieses wurde 1997 als Hauptsitz der US-amerikanischen Firma Longaberger gebaut. In seinen besten Jahren setzte der Korbhersteller eine Milliarde Dollar im Jahr um und beschäftigte über 8.000 Mitarbeitende.
Der Firmensitz galt als Kronjuwel des Firmenchefs Dave Longaberger: 32 Millionen US-Dollar kostete das Gebäude, welches vom Architekturbüro Bohm-NBBJ geplant wurde. Longaberger starb 1999, das Unternehmen wurde an einen Großkonzern verkauft, welcher 2018 pleiteging. Für einen Bruchteil seiner Baukosten (1,2 Millionen Dollar) wurde das Gebäude an Coon Restaurations verkauft.
The Basket Building
1997 von den Architekten Bohm-NBBJ entworfen, ist das siebenstöckige Basket Building in Newark (Ohio) der ehemalige Hauptsitz des Unternehmens Longaberger. Zum meistverkauften Produkt des Korbherstellers zählte der „Medium Market Basket“, dem das Gebäude nachempfunden ist. Das Gebäude steht aktuell zum Verkauf
Nun steht der Bau wieder zum Verkauf, Schlange stehen die Käufer jedoch nicht gerade. Zwar gab es Pläne, das Gebäude in ein Boutique-Hotel umzuwandeln, doch diese wurden wieder verworfen. Wer sich dem ehemaligen Prestigeobjekt annehmen wird, bleibt weiterhin offen. Die einzigartige Fassade muss den Eigentümern zufolge erhalten werden, zudem kostet die Instandhaltung des leer stehenden Gebäudes Schätzungen zufolge etwa 150.000 US-Dollar im Jahr.
Schräge Bauten
Dass kluge Architektur auch Einfluss auf den Energiebedarf hat, beweist das Casa del Acantilado in Spanien: Die Villa an der Costa Tropical steht auf einem Grundstück mit bis zu 42 Grad Hangneigung. Kein leichtes Unterfangen, bei so viel Schräge ein luxuriöses Anwesen zu bauen.
Casa del Acantilado
Das spektakuläre Klippenhaus wurde 2015 vom jungen Madrider Architekturbüro GilBartolomé entworfen und befindet sich auf einem Grundstück mit teils 42 Grad Hanglage. Das Besondere: Durch seine Einbettung in den Hang kann im Inneren eine konstante Raumtemperatur von 20 Grad gehalten werden
Doch nicht nur das gelang dem jungen Architekturbüro GilBartolomé, sondern auch, die Innentemperatur des Gebäudes durch die Lage konstant auf 20 Grad zu halten. Davon – und auch vom einmaligen Ausblick auf die Küste – kann man sich selbst überzeugen, denn die Villa wird vermietet. Kostenpunkt pro Nacht und je nach Saison: zwischen 400 und 1.100 Euro.
The Twist
Brücke, Ausstellungsraum und Kunstinstallation in einem: Die elegante Konstruktion im norwegischen Jevnaker verbindet beide Uferseiten des Flusses Randselva und ermöglicht den Besucherinnen und Besuchern des Kistefos-Museums einen Rundgang durch die Anlage. Entworfen wurde „The Twist“ 2019 von der Bjarke Ingels Group
The Big Duck
Dieses Bauwerk in Flanders/New York in Form einer Ente wurde 1931 gebaut. Das Gebäude wurde von Geflügelzüchter Martin Maurer in Auftrag gegeben, der seine Produkte am Straßenrand publikumswirksam verkaufen wollte. Die „Big Duck“ inspirierte sogar den in der Architektur geläufigen Begriff „Duck Architecture“: Gebäude in Form von Tieren oder Alltagsgegenständen. Heute gilt die Ente als Wahrzeichen Long Islands
The Wave
Die 2018 fertiggestellte Wohnanlage, entworfen vom dänischen Büro Henning Larsen Architects, besteht aus fünf Türmen und schlängelt sich entlang des malerischen Vejle-Fjords. 100 Wohnungen umfasst die mehrfach preisgekrönte Anlage insgesamt, in den oberen Etagen der Türme befinden sich luxuriöse Penthouse-Wohnungen

Geniale Gebäude: Architektur, die aus dem Rahmen fällt: Architektur, die aus dem Rahmen fällt. Kühne Ideen zum Staunen: opulenter Bildband über ... aus aller Welt, die Konventionen sprengt
Eine faszinierende Fotosammlung, die von Autorin Imogen Fortes kuratiert wurde: „Geniale Gebäude“ zeigt prächtige, futuristische und fantasievolle Privathäuser, Bibliotheken, Kirchen und Unternehmen von Bilbao bis Peking. Midas
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 44/2026 erschienen.
